vor 10 Stunden
Bayern-Gegner im Umbruch
Der FC Bayern Basketball trifft in der EuroLeague am 2. Spieltag auf Fenerbahce. Der Champion von 2025 hat seinen Kader massiv umgekrempelt und wirkt so gar nicht wie ein Team von Trainerfuchs Sarunas Jasikevicius. Kann es gerade deswegen funktionieren?

16 Monate ist es her, dass Fenerbahce sich zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte Europas Krone aufsetzte. Damals wurde im Finale von Abu Dhabi die AS Monaco geschlagen, das Team aus dem Fürstentum tritt in dieser Saison wegen finanzieller Schwierigkeiten gar nicht mehr in der EuroLeague an. Fener hingegen schon, allerdings runderneuert.
Mit Wade Baldwin IV, Nicolo Melli und Rückkehrer Sertac Sanli stehen nur noch drei Spieler im Kader, die die Trophäe nach oben reckten. Dabei reichte es auch im Vorjahr immerhin für das Halbfinale, doch dort wurde man vom späteren Champion Olympiakos Piräus auseinandergenommen und erzielte selbst nur 61 Punkte. Genau hier setzten die Türken an.
"Wir wollten neue Spieler, die sich mit dem Ball wohl fühlen und Entscheidungen auf dem Feld treffen können", erklärte Coach Sarunas Jasikevicius im Sommer die Aktivitäten. Blickt man auf die Zugänge, dann kann man dies unterstreichen. Shane Larkin, Trent Forrest, Will Clyburn, Shavon Shields - sie alle wissen mit dem Ball umzugehen und für sich zu kreieren und werden für die gebliebenen Talen Horton-Tucker und Baldwin sicherlich eine große Hilfe sein.
| Zugänge | Abgänge |
|---|---|
| Shane Larkin (Anadolu Efes) | Scottie WIlbekin (Besiktas) |
| Trent Forrest (Baskonia) | Arturs Zagars (Zhejiang) |
| Johnny Juzang (Timberwolves) | B.J. Boston (unbekannt) |
| Ignas Sargiunas (Rytas) | Nando de Colo (Karriereende) |
| Will Clyburn (Barcelona) | Devon Hall (Mailand) |
| Shavon Shields (Mailand) | Tarik Biberovic (Mavericks) |
| Marcus Bingham (Kasan) | Bonzie Colson (Maccabi Tel Aviv) |
| Sertac Sanli (Dubai) | Mikael Jantunen (Real Madrid) |
| - | Armando Bacot (Maccabi Tel Aviv) |
| - | Jilson Bango (Saragossa) |
| - | Khem Birch (Aris) |
Unklar ist aber, wie das alles zum Stil von Jasikevicius passt. Der Litauer ist ein Taktikfuchs, die Defense ist sein absolutes Steckenpferd und damit hatte er bei seinen Stationen in Kaunas, Barcelona und nun Istanbul auch Erfolg. Schaut man nun aber auf den Kader, fragt man sich, wie das zusammenpassen soll.
Einzig Shields ist der Prototyp eines Jasikevicius-Spielers. Lang, um die zwei Meter groß, flexibel einsetzbar, allerdings eben auch nicht mehr der Jüngste mit seinen 32 Jahren. Larkin wird dagegen in wenigen Tagen schon 34 Jahre, Clyburn ist 36 und auch an Melli (35) nagt langsam der Zahn der Zeit.
Überhaupt gibt es gerade im Frontcourt Fragezeichen. Melli ist zwar weiterhin eine Bank, doch reichen Sanli, der aus Russland gekommene Marcus Bingham Jr. und Chris Silva den Ansprüchen? Und wie sieht eigentlich die Hackordnung auf den kleinen Positionen aus? Larkin, Baldwin, Forrest, Horton-Tucker - sie alle haben gerne den Ball und sind eher Scorer als Playmaker.

Fürs Grobe sind dagegen Spieler wie Braxton Key oder Johnny Juzang gekommen, doch wie viele Minuten werden sie sehen, wenn es auch noch Clyburn und Shields auf diesen Positionen gibt? So oder so ist Fenerbahce ein riesiges Puzzle, welches es zusammenzusetzen gilt. Dass vieles nicht auf Anhieb klappen wird, zeigten auch die ersten beiden Pflichtspiele.
Larkin fehlte noch angeschlagen, dennoch waren 78 Punkte gegen Bologna sehr wenig. Die Türken trafen zudem nur 3/21 aus der Distanz. In der Liga waren die Quoten zwar besser, dennoch setzte es gegen EuroCup-Vertreter Bahcesehir direkt den nächsten Dämpfer (83:98). "Wir waren immer einen Schritt zu langsam und haben nur reagiert", ärgerte sich der Coach, der wissen dürfte, dass diese Mannschaft noch Zeit brauchen wird.
Womöglich ist das auch die Chance der Bayern, die zwar mit neuem Coach und einigen Veränderungen zur Vorsaison antreten, im Kern aber zusammengeblieben sind. Ein Umstand, vor dem auch Jasikevicius warnt: "Sie haben Erfahrung und alle wissen, was sie zu tun haben. Sie haben unterschiedliche Defensiv-Systeme drauf. Wir werden deutlich besser spielen müssen, um da eine Chance zu haben."
Allerdings: In neun Anläufen konnten die Bayern erst einmal in Istanbul gewinnen - in der Corona-Saison 2020/21 vor 330 Zuschauern.
Robert Arndt