26.03.2026
Wieskamp im Interview
Er spielte in der NBA unter Gregg Popovich, pendelte durch neun Teams in fünf Jahren - und ist jetzt bei Science City Jena gelandet: Joe Wieskamp spricht über seine ungewöhnliche Karriere, den Alltag in der NBA und warum sich sein Blick auf Erfolg komplett verändert hat.

38 Spiele hat Joe Wieskamp in der NBA absolviert, auf dem College war der heute 26-Jährige für Iowa einer der besten Schützen des Landes. Heute spielt der ehemalige Zweitrundenpick (#41 im Jahr 2021) für Science City Jena.
Im Interview mit basketball-world.news berichtet Wieskamp über seine Lehren unter Gregg Popovich, welche Vorteile der Basketball-Standort Deutschland biete - und warum er von Olympia 2028 träumt.
Herr Wieskamp, Sie sind erst 26, haben seit 2021 für neun Teams gespielt. Wie sehr zehrt das - gerade mit Familie?
Joe Wieskamp: Es ist schon herausfordernd, vor allem jetzt mit Frau und Kindern. Du ziehst ständig um, musst dich immer wieder neu einfinden. Aber gleichzeitig habe ich unglaublich viele Menschen kennengelernt und viele Orte gesehen. Wenn ich darauf zurückblicke, bin ich dankbar für diese Reise.
Sie wurden von den Spurs gedraftet. Erinnern Sie sich noch an diesen Moment?
Wieskamp: Ja, auf jeden Fall. Das war etwas, wovon ich mein ganzes Leben geträumt habe. In die NBA zu kommen, gedraftet zu werden - und als dieser Moment dann wirklich da war, war das etwas ganz Besonderes.
| Zeitraum | Team |
|---|---|
| 2021-2022 | San Antonio Spurs |
| 2022 | Wisconsin Herd |
| 2023 | Toronto Raptors |
| 2023-2024 | Texas Legends |
| 2024 | Maine Celtics |
| 2024-25 | South East Melbourne Phoenix |
| Seit 2025 | Science City Jena |
Und dann direkt zu Trainer-Legende Gregg Popovich. Wie war das als junger Spieler?
Wieskamp: Es war eine riesige Lernerfahrung. Gerade weil es meine erste Station im Profibereich war. Er hat mir ein ganz anderes Mindset vermittelt - vor allem, was Details angeht. Auf dem Feld, aber auch generell, wie man an das Spiel herangeht. Die Spurs waren damals im Umbruch, aber er hat es geschafft, die Gruppe zusammenzuhalten und uns eine klare Richtung zu geben. Das war schon beeindruckend.
War das auch einschüchternd?
Wieskamp: Ein bisschen schon. Du bist plötzlich in der NBA, willst dich beweisen, bekommst aber nur begrenzte Minuten. Oft spielst du nur am Ende eines Spiels. Das heißt: Du musst im Training liefern, immer bereit sein. Du bist die ganze Zeit fokussiert und versuchst, jede Chance zu nutzen.
Was haben Sie konkret von Popovich mitgenommen?
Wieskamp: Vor allem die Bedeutung von Defense. Ich war immer eher ein offensiver Spieler, habe das Scoring geliebt. Aber er hat mir klargemacht, wie wichtig es ist, deine Rolle zu erfüllen und körperlich in der Verteidigung zu arbeiten. Und auch diese täglichen Gewohnheiten: immer da sein, arbeiten, konstant besser werden - über eine Saison mit über 80 Spielen hinweg.
Wie liefen Training und Meetings unter ihm ab?
Wieskamp: Sehr intensiv. Du trainierst in der NBA nicht so oft wegen der vielen Spiele, aber wenn, dann mit voller Konzentration auf Details. Gerade die Video-Sessions waren extrem genau. Wenn du nur einen Schritt falsch stehst, bekommst du das direkt gesagt. Du musst wirklich komplett im Game Plan drin sein.
Sie haben 38 NBA-Spiele gemacht, sich aber nicht dauerhaft etabliert. Wie blicken Sie heute darauf?
Wieskamp: Am Anfang fühlt sich das wie ein Scheitern an. Du arbeitest jeden Tag hart, willst dir mehr Minuten verdienen - und dann kommt vielleicht der Cut. Das Schwierige ist: Du kommst vom College, wo du einer der besten Spieler bist, und bist plötzlich einer der letzten von der Bank. Du sitzt teilweise zwei Stunden und bekommst dann drei Minuten. Ohne Rhythmus. Das war etwas, womit ich zu kämpfen hatte. Mit der Zeit habe ich aber verstanden: Das ist Teil meines Weges. Und ich bin trotzdem stolz darauf, es überhaupt in die NBA geschafft zu haben. Die Wahrscheinlichkeit ist extrem gering.
Glauben Sie noch an eine Rückkehr?
Wieskamp: Ich würde es lieben, klar. Das ist das höchste Level. Aber mein Ziel ist einfach, auf dem bestmöglichen Niveau zu spielen - egal wo. Und mich weiterzuentwickeln.
Warum dann der Schritt nach Jena? Für einige mag das wie ein Abstieg wirken.
Wieskamp: Ich sehe das anders. Ich wollte bewusst nach Europa, um mich hier zu beweisen. Manchmal musst du vielleicht einen Schritt zurückgehen, um dich auf einem neuen Markt zu etablieren. Und dann kam noch der familiäre Aspekt dazu: Wir haben zwei kleine Kinder, unsere Tochter ist gerade erst geboren. Da war es uns wichtig, in ein sicheres Land zu gehen, mit gutem Gesundheitssystem. Deutschland hat da einfach viele Vorteile.

Also war Familie wichtiger als die größtmögliche Bühne?
Wieskamp: Ja, definitiv. Wir wollten ein Jahr, in dem wir uns in Europa einleben und gleichzeitig als Familie glücklich sind. Dass wir hier nur ein Spiel pro Woche haben, hilft auch - ich kann mehr Zeit mit meinen Kindern verbringen.
In Jena haben Sie eine ganz andere Rolle. Fühlt sich das besser an?
Wieskamp: Nach den vielen Veränderungen im Team war es wichtig, dass ich mehr Verantwortung übernehme. Ich finde, das gelingt mir ganz gut. Gleichzeitig versuche ich, als Leader den nächsten Schritt zu machen und die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Hat sich Ihr Blick auf Erfolg verändert?
Wieskamp: Sehr stark. Früher habe ich mir extrem viel Druck gemacht, weil ich unbedingt erfolgreich sein wollte. Heute sehe ich das anders: Basketball ist mein Job, er ermöglicht meiner Familie dieses Leben. Aber meine Familie ist das Wichtigste. Wenn ich nach Hause komme, interessiert es meinen Sohn nicht, ob ich gut oder schlecht gespielt habe. Für ihn bin ich einfach sein Vater. Diese Perspektive hilft enorm, weil sie Druck rausnimmt."
Wie geht es für Sie im Sommer weiter?
Wieskamp: Das ist noch offen. Ich werde mir Angebote anhören. Vielleicht spiele ich auch wieder 3x3 für die USA, mit Blick auf Olympia 2028. Mal sehen, wohin der Weg führt.
Interview: Franziska Staupendahl