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    Basketball - EuroLeague

    vor 11 Stunden

    Angriff auf Europas Krone

    Vom Meisterteam kaum etwas übrig: Was steckt hinter Feners XXL-Umbruch?

    Letztes Jahr gewann Fenerbahce noch die EuroLeague, in der vergangenen Saison stand der Klub wieder im Final Four und dominierte national. Trotzdem wurde der Kader beinahe komplett umgebaut und sogar mit noch mehr Star-Power ausgestattet.

    Saras Jasikevicius trainiert Fenerbahce Istanbul bereits seit Ende 2023.
    Saras Jasikevicius trainiert Fenerbahce Istanbul bereits seit Ende 2023. IMAGO/Gonzales Photo

    Eigentlich gäbe es genügend Argumente dafür, einfach weiterzumachen. Fenerbahce Istanbul gewann 2025 die EuroLeague, erreichte in diesem Jahr wieder das Final Four und komplettierte in der Türkei eine weitere sehr erfolgreiche Saison. Trotzdem entschieden sich die Verantwortlichen um Headcoach Sarunas Jasikevicius für einen der radikalsten Umbauten des EuroLeague-Sommers.

    Neun Spieler kamen, elf gingen. Nur sechs Akteure aus dem Kader der vergangenen Saison sind noch da. Vom EuroLeague-Meisterteam 2025 haben sogar nur Wade Baldwin, Nicolo Melli und Kapitan Melih Mahmutoglu überlebt. Nach Informationen von BasketNews bleibt das reine Spielerbudget mit knapp 17 Millionen Euro trotzdem ungefähr auf dem Niveau des Vorjahres.

    61 Punkte als Warnsignal

    Dass der große Schnitt nach einer erfolgreichen Saison kommt, wirkt ungewöhnlich. Ein Blick auf das letzte wirklich große EuroLeague-Spiel liefert aber einen Teil der Erklärung. Im Halbfinale des Final Four 2026 verlor Fener deutlich mit 61:79 gegen Olympiakos Piräus. Gerade offensiv fand der Titelverteidiger kaum Lösungen, zur Halbzeit standen nur 22 Punkte! auf dem Konto.

    Dort setzt der neue Kader an, denn mit Shane Larkin, Shavon Shields und Will Clyburn hat Fener drei Spieler verpflichtet, die auf höchstem europäischen Niveau selbst Würfe kreieren können. Dazu kommen Trent Forrest, Johnny Juzang, Braxton Key, Ignas Sargiunas sowie die beiden Big Men Marcus Bingham und Sertac Sanli.

    Der Ansatz ist dabei offensichtlich: Eine Situation wie gegen Olympiakos soll sich möglichst nicht wiederholen. Selbst wenn ein erster Plan nicht funktioniert, soll Jasikevicius künftig mehrere Spieler auf dem Feld haben, die aus dem Nichts einen guten Wurf produzieren können.

    Gewann zweimal die EuroLeague mit Anadolu Efes: Shane Larkin.
    Gewann zweimal die EuroLeague mit Anadolu Efes: Shane Larkin. IMAGO/ZUMA Press Wire

    Larkin und Baldwin: Feners große Wette

    Kein Transfer steht mehr für den neuen Kurs als Shane Larkin. Nach Jahren bei Anadolu Efes wechselte einer der besten Guards der jüngeren EuroLeague-Geschichte zum Stadtrivalen und bildet künftig gemeinsam mit Baldwin einen Backcourt, der auf dem Papier kaum mehr individuelle Qualität besitzen könnte.

    Die Kombination ist aber auch die größte taktische Wette des Sommers. Baldwin und Larkin sind es gewohnt, den Ball in den Händen zu halten, Pick-and-Rolls zu kontrollieren und selbst über den Ausgang einer Possession zu entscheiden. Allerdings ist Larkin als Schütze auch ohne Ball gefährlich genug, um neben einem zweiten dominanten Guard zu funktionieren.

    Dahinter ist Forrest fast das perfekte Gegenstück. Der ehemalige Baskonia-Guard benötigt nicht permanent Abschlüsse, bringt Größe und Defense mit und kann die Offensive organisieren. Horton-Tucker bleibt ebenfalls und sorgt mit seiner Physis sowie seinem Zug zum Korb für eine weitere Komponente. Aus einem guten Backcourt ist damit eine Rotation geworden, in der Jasikevicius praktisch jederzeit unterschiedliche Profile kombinieren kann.

    Biberovic-Abgang verändert die Planung

    Ganz freiwillig verlief der Umbau nicht. Vor allem der Abschied von Tarik Biberovic traf Fener. Der türkische Nationalspieler war ursprünglich fest für die neue Saison eingeplant, ehe die Dallas Mavericks den 25-Jährigen in die NBA lockten. Laut BasketNews beeinflusste dieser späte Abgang die weitere Kaderplanung entscheidend und trug dazu bei, dass Fener anschließend sowohl Clyburn als auch Juzang verpflichtete.

    Einen Spieler wie Biberovic eins zu eins zu ersetzen, ist schwierig. Stattdessen verteilen die Türken seine Aufgaben jetzt auf mehrere Schultern. Juzang ist dabei die jüngere Wette. Der ehemalige NBA-Spieler unterschrieb Ende Juli einen Einjahresvertrag und soll vor allem Shooting und Scoring von außen liefern. Clyburn bringt dagegen maximale Erfahrung und die Fähigkeit mit, in schwierigen Situationen selbst zu übernehmen. Der ehemalige EuroLeague- und Final-Four-MVP erhielt ebenfalls einen Vertrag für eine Saison.

    Fenerbahce Istanbul: Kader 2026/27

    GuardsForwardsCenter
    Talen Horton-TuckerShavon ShieldsChris Silva
    Wade Baldwin IVNicolo MelliMarcus Bingham
    Shane LarkinWill ClyburnSertac Sanli
    Trent ForrestBraxton Key
    Ignas SargiunasJohnny Juzang
    Melih MahmutogluOnuralp Bitim
    Mert Eksioglu

    Shields und Melli geben dem neuen Fener die Balance

    Shavon Shields könnte zwischen all den großen Namen am Ende einer der wichtigsten Neuzugänge sein. Der 32-Jährige kann mit und ohne Ball spielen, kleinere Gegenspieler bestrafen, selbst kreieren und mehrere Positionen verteidigen. Gerade neben Larkin und Baldwin ist dieses Profil enorm wertvoll.

    Im Frontcourt bleibt Nicolo Melli der zentrale Fixpunkt. Daneben wird Fener athletischer und variabler: Marcus Bingham bringt mit 2,13 Metern Länge und Präsenz am Ring, Chris Silva bleibt als physischer Big erhalten und Sertac Sanli bietet als routinierter Stretch-Center ein völlig anderes Profil.

    Keine Verjüngung

    Auffällig ist außerdem, dass dieser XXL-Umbruch keine Verjüngung bedeutet. Larkin ist 33 Jahre alt, Shields 32, Clyburn 36, Melli 35, Sanli 35 und Mahmutoglu 36. Fener hat sich für maximale Erfahrung und unmittelbare Titelchancen entschieden.

    Das ist nachvollziehbar. Gleichzeitig wird aber das Belastungsmanagement über eine lange EuroLeague-Saison zu einem Faktor. Gerade Shields und Clyburn hatten in den vergangenen Jahren immer wieder mit körperlichen Problemen zu kämpfen. Fener braucht seine Routiniers nicht im Oktober in Bestform, sondern im Frühjahr. Der Kader wurde nicht dafür zusammengestellt, dass sieben Spieler jede Woche 30 Minuten absolvieren.

    Tarik Biberovic wagt den Schritt in die NBA.
    Tarik Biberovic wagt den Schritt in die NBA. IMAGO/Middle East Images

    Ist dieses Fener sogar besser als 2025?

    Auf dem Papier spricht einiges dafür. Kaum ein Team in Europa besitzt derart viel individuelle Shot-Creation. Darin steckt aber auch die Gefahr, denn der EuroLeague-Titel 2025 entstand nicht durch eine Ansammlung möglichst großer Namen, sondern durch ein funktionierendes Kollektiv.

    Fenerbahce hat sich deshalb für den schwierigeren Weg entschieden. Statt auf die Sicherheit eines erfolgreichen Kerns zu vertrauen, versucht der Klub, seine ohnehin hohe Decke noch einmal anzuheben. Gelingt es Jasikevicius, aus der enormen individuellen Qualität wieder eine Mannschaft mit derselben defensiven Härte und Rollenakzeptanz zu formen, gehört Fenerbahce zu den klaren Favoriten auf den EuroLeague-Titel.

    • Die Spielerprofile von Fenerbahce zur Saison 2026/27
    • Offiziell: Mavs holen Biberovic in die NBA
    • Transfer-Hammer perfekt: Larkin wechselt zum Erzrivalen Fenerbahce

    red