vor 7 Stunden
Auch Partizan enttäuscht
Die Teams der EuroLeague nehmen so langsam Formen an. Ein guter Zeitpunkt, mal auf die Teams zu blicken, die im Moment als Verlierer gelten müssen. Mit dabei: auffällig viele Spanier.

Dass es einen Umbruch geben würde, war abzusehen. Die Katalanen hatten eines der ältesten Teams der Liga und verpassten am Ende erstmals seit acht Jahren die Playoffs. Entsprechend wurde ausgemistet. Tomas Satoransky, Will Clyburn, vermutlich Toko Shengelia, Willy Hernangomez oder Jan Vesely - Barca verlor diesen Sommer fast die komplette Starting Five. Als Konstanten sind lediglich Kevin Punter sowie die spanischen Nationalspieler Dario Brizuela und Joel Parra geblieben.
Ein solcher Schnitt war womöglich die richtige Entscheidung, gleichzeitig machten sich auch die veränderten Umstände bemerkbar. Alle verfügbaren Topspieler machten einen Bogen um die Katalanen, lediglich der oft verletzte Josh Nebo darf als echte Verstärkung angesehen werden. Allerdings: Eigentlich war Moses Wright das Ziel, der Center hatte schon einen Vertrag in der Tasche, doch da Mailand mehr bot, entschied sich der Big für die Italiener.
Es zeigte, wie die sich die Kräfteverhältnisse verschoben haben: Die Griechen, Türken oder die Neureichen von Hapoel Tel Aviv oder Dubai zahlen schlichtweg besser, Barca muss hingegen kleinere Brötchen backen.
Stattdessen holte Barca gute Spieler aus dem EuroCup oder der Champions League und griff bei einigen Spielern zu, die es in der NBA nicht schafften. Es deutet darauf hin, dass Barca ein Jahr des Umbruchs bevorsteht und dieser Sommer ein weiterer Schritt zurück war.

Was für Barca gilt, ist auch für die anderen drei EuroLeague-Teams von der Iberischen Halbinsel richtig. Real Madrid schnappte sich zwar den begehrten Timothee Luwawu-Cabarrot, ging aber zum Beispiel beim Wettbieten um Isaac Bonga (Panathinaikos) leer aus. Neu sind ansonsten nur der finnische Nationalspieler Mikael Jantunen, sondern der spanische Big Man Jaime Pradilla.
Das ist wenig, schließlich verließ nun auch mit Mario Hezonja der MVP der spanischen Liga die Königlichen. Auch Trey Lyles zieht es zurück in die NBA. Qualität ist beim Finalisten der Vorsaison weiterhin da, doch wer dachte, dass Real nach einer titellosen Saison ordentlich zuschlägt, sah sich getäuscht. Der größte Name der Offseason war dagegen Coach Pedro Martinez, der aus Valencia kommt und den glücklosen Sergio Scariolo ersetzt.
Apropos Valencia. Die Überraschungsmannschaft der Vorsaison wurde ordentlich zerpflückt. Coach Martinez, Shootingstar Jean Montero, Youngster Sergio de Larrea, Brancou Badio, Braxton Key - sie alle haben das Team verlassen. Im Prinzip ist der komplette Backcourt weg, um T.J. Shorts und Youngster Mario Saint-Supery muss neu aufgebaut werden.
Immerhin: Dass Valencia einen Shorts holen kann, zeigt, dass durch die neue Arena die finanziellen Möglichkeiten größer sind. Dennoch hatten die Spanier keine Chance, ihre Erfolgsmannschaft auch nur im Ansatz zusammenzuhalten. Möglich, dass Valencia ein ähnliches Schicksal ereilt wie Paris im Vorjahr, dennoch ist der Kader gut genug besetzt, um im Playoff-Rennen ein Wörtchen mitzureden.

Dass es nach einer turbulenten Saison Veränderungen geben würde, war klar, doch dass diese so drastisch ausfallen, überrascht. Selbst Spielmacher Carlik Jones war überrascht: "Was machen wir da? Bin ich der Einzige, der denkt, dass es kompletter Wahnsinn ist?", schrieb der Guard auf Instagram und es dürfte klar sein, dass er damit den Transfersommer seines Teams meinte.
Hier die Abgänge: Duane Washington, Nick Calathes, Dylan Osetkowski, Sterling Brown, Isaac Bonga, Shake Milton, Bruno Fernando, Aleksej Pokusevski.
Vom Team der Vorsaison bleiben lediglich Jones, Kapitän Vanja Marinikovic, Center Tonye Jekiri sowie einige Youngster. Bis vor wenigen Tagen gab es zudem auch keine Neuen, erst in den vergangenen Tagen tröpfelten die ersten Neuzugänge durch. Luca Vildoza, Lamar Stevens, Kevarrius Hayes oder Rückkehrer Nikola Tanaskovic laden nur bedingt zum Träumen ein.
Auch hier zeigt sich, dass mit all dem neuen Geld, welches gerade im Umlauf ist, auch Partizan Schwierigkeiten hat, Qualitätsspieler an Land zu ziehen. Der ein oder andere dürfte zwar noch kommen, inzwischen ist der Transfermarkt aber doch schon ordentlich leergeräumt.
Bundestrainer Alex Mumbru ist nicht zu beneiden, Virtus arbeitet in der kommenden Saison wohl mit einem der kleinsten Budgets der EuroLeague. Hinter den Kulissen steht womöglich auch ein Besitzerwechsel im Raum. Die Stützen des Vorjahres, als man ohnehin die Playoffs verpasste, sind weg. Geholt wurden dagegen fast ausschließlich Spieler, die erstmals in der EuroLeague auflaufen werden.
Das kann einerseits eine große Chance sein, auf der anderen Seite ist es aber wahrscheinlich, dass man ordentlich Lehrgeld bezahlen wird. Die Italiener sind Stand jetzt ein heißer Anwärter auf die Rote Laterne in der kommenden Saison.
Robert Arndt