vor 1 Stunden
Starke Reaktion vor dem Viertelfinale
Team USA hat auf den Beinahe-Ausrutscher gegen Italien eindrucksvoll reagiert. Beim 105:64 gegen Tschechien überzeugte der Titelverteidiger vor allem mit seiner Haltung - und richtet den Blick nun auf das Viertelfinale.

Die Ausgangslage hätte zu einem lockeren Auftritt verleiten können: Das Viertelfinalticket war bereits sicher, Tschechien vor dem Spiel ausgeschieden. Doch die USA waren vom ersten bis zum letzten Viertel konzentriert und gewannen jeden Spielabschnitt. "Ich fand, dass das eine großartige Reaktion auf das gestrige Spiel war", sagte Napheesa Collier anschließend.
Nach dem mühsamen 55:52 gegen Italien hatte das Team seine Fehler offen angesprochen und gemeinsam Videomaterial analysiert. "Wenn man mit einer Leistung nicht zufrieden ist, muss man ehrlich sein, sich die Bereiche anschauen, in denen man sich verbessern kann, und daran wachsen", erklärte Headcoach Kara Lawson. Gegen Tschechien habe ihre Mannschaft sowohl im Umschaltspiel als auch bei der offensiven Ausführung im Halbfeld Fortschritte gemacht.
Auf ihre Defensive konnten sich die USA erneut verlassen. Tschechien kam lediglich auf 64 Punkte und traf weniger als 33 Prozent seiner Würfe. Bereits gegen Italien hatten die Amerikanerinnen nur 52 Zähler zugelassen. "Wir sind mit einer ganz anderen Aggressivität herausgekommen, besonders in der Verteidigung", sagte Collier und hob die intensive Defense am Ball sowie die vielen aktiven Hände hervor.
Gemeinsam mit Breanna Stewart wollte Collier als erfahrene Führungsspielerin von Beginn an ein Zeichen setzen. "Wir waren mit unserer Leistung auf beiden Seiten des Feldes nicht zufrieden", sagte die 29-Jährige. "Stewie und ich gehören zu den älteren Spielerinnen. Deshalb müssen wir mit der ersten Gruppe den Ton angeben und ein Beispiel sein." Das gelang: Stewart verbuchte in weniger als 17 Minuten 19 Punkte, sieben Rebounds und sechs Assists, Collier kam auf zwölf Zähler und sechs Rebounds.
Lawson weiß um die Bedeutung ihrer beiden Stars. "Stewie und Phee sind zwei der besten Spielerinnen der Welt. Es ist nicht meine Aufgabe, sie davon zu überzeugen, dass sie gut sind - sondern sie daran zu erinnern, wer sie sind", erklärte die Trainerin. Die Entschlossenheit des Duos habe auch dem restlichen Team Sicherheit gegeben. Insgesamt verteilten die USA 32 Assists und trafen 52,5 Prozent ihrer Würfe.
Dabei blieb erneut Luft nach oben: Von außen fielen nur sieben der 25 Versuche. Caitlin Clark traf einen ihrer sechs Dreier, steuerte dafür aber sieben Assists bei. Lawson zeigte sich deshalb unbesorgt: "Ich zähle nicht, wie viele Würfe daneben gehen. Mir ist wichtig, dass die Qualität der Würfe stimmt." Clark nehme die richtigen Abschlüsse und gebe dem Team zugleich eine wichtige spielmacherische Komponente.

Im Viertelfinale wartet der Sieger des Qualifikationsduells zwischen Japan und Ungarn. Ungarn belegte hinter Frankreich Rang zwei in der Gruppe B, musste sich dem europäischen Topfavoriten zum Auftakt allerdings deutlich mit 53:99 geschlagen geben. Japan wiederum hat mit seinem schnellen Spiel und den vielen Distanzwürfen bereits gezeigt, wie unangenehm es werden kann.
Für Team USA beginnt nun die Phase, in der jeder schwächere Auftritt das Turnierende bedeuten kann. Collier sieht ihre Aufgabe als erfahrene Spielerin deshalb auch darin, Ruhe auszustrahlen, "wenn die Spiele schwieriger werden". Lawson glaubt derweil, dass ihre junge Mannschaft mit sieben WM-Debütantinnen rechtzeitig zusammenfindet: "Wir verbessern uns jeden Tag, unsere Chemie wächst und wir verstehen immer besser, wie wir miteinander spielen müssen." Ihre Botschaft an die Konkurrenz: "Unser Bestes liegt noch vor uns."
Sam Müller