15.04.2026
"Spüre überhaupt keinen Druck"
Mitten in der Nacht klingelt das Handy - und plötzlich ist alles anders: Frieda Bühner wird im WNBA-Draft an Position 17 von den Portland Fire gezogen. Die 21-Jährige ist damit die fünfte Deutsche in der Liga - und könnte künftig gemeinsam mit Luisa Geiselsöder auflaufen. Im Interview mit basketball-world erzählt sie, warum sie im entscheidenden Moment kaum sprechen konnte - und wie es jetzt weitergeht.

Frau Bühner, Sie werden mitten in der Nacht angerufen - und kurz darauf fällt Ihr Name im WNBA-Draft. Was ging in diesem Moment in Ihnen vor?
Bühner: "Ich habe gegen zwei Uhr morgens einen Anruf bekommen - von der General Managerin und dem Head Coach aus Portland. In dem Moment habe ich gar nicht richtig realisiert, was passiert und konnte auch nicht viel sagen. Es sind ein paar Freudentränen geflossen - ich war einfach total überwältigt und sprachlos."
Wann haben Sie realisiert: Das ist jetzt wirklich passiert?
Bühner: "Ich glaube, ich kann das noch nicht so ganz realisieren - immer noch nicht. Ich sehe das überall und so viele Leute gratulieren mir, aber irgendwie ist es noch nicht so ganz in meinem Kopf drin, dass das wirklich passiert ist."
Wie haben Sie diese Nacht insgesamt erlebt?
Bühner: "Ich habe das mit ein paar von meinen Teammates hier in Madrid geschaut. Das war ganz lieb - die haben eine Überraschung gemacht, Luftballons mit meinem Namen. Mein Freund ist auch hier, das heißt, wir haben das alle zusammen geschaut. Auf FaceTime haben meine Eltern und meine Agentin angerufen, und auch meine beste Freundin war dabei. Das haben also viele mit mir zusammen erlebt."
| Name | Frieda Mizzi Bühner |
| Größe | 186cm |
| Alter | 21 Jahre (28. Mai 2004) |
| Position | Forward |
| WNBA-Draft | 17. Stelle (Portland Fire) |
| Aktuelles Team | Movistar Estudiante / Portland Fire |
| Länderspiele | 26 |
Sie haben gesagt, Sie haben auch auf die Reaktion Ihrer Eltern geachtet - warum war Ihnen das so wichtig?
Bühner: "Ich habe es ihnen vorher nicht gesagt, es war eine Überraschung. Deswegen habe ich in dem Moment erstmal geschaut, wie sie reagieren. Das war total schön."
Was ist seitdem passiert - kommen Sie überhaupt hinterher mit den Glückwünschen?
Bühner: "Mein Handy explodiert gerade. Ich habe allein auf WhatsApp über 100 Nachrichten und noch nicht alles gecheckt."
Sie sind an Position 17 gedraftet worden. Spielt das für Sie eine Rolle?
Bühner: "Natürlich freut man sich immer, wenn man früher gedraftet wird. Aber ich muss ehrlich sagen, dass es für mich keinen großen Unterschied macht. Ich bin einfach froh, dass ich gedraftet wurde und dass ein Team mit mir arbeiten möchte."
Sie könnten die nächste deutsche Spielerin in der WNBA werden. Was bedeutet Ihnen das?
Bühner: "Ich spüre überhaupt keinen Druck deswegen. Ich sehe das eher als Motivation und freue mich total. Die anderen - Nyara und Satou (Sabally, d. Red.), Leonie (Fiebich), Luisa (Geiselsöder) und auch (Marie Gülich) - haben mir den Weg ja irgendwie geebnet."

Nimmt man das auch darüber hinaus wahr - dass der Frauenbasketball und auch der WNBA-Draft in Deutschland mehr Aufmerksamkeit bekommen?
Bühner: "Ich hoffe es. Ich habe das rund um den Draft schon gemerkt. Ich habe mein Gesicht ständig auf Instagram gesehen, überall wurde etwas gepostet - das war ein bisschen ungewohnt. Aber genau das ist es ja, was wir wollen im Frauen-Sport. Deswegen macht mich das auch stolz, dass vielleicht durch mich der Draft dieses Jahr in Deutschland ein Stück populärer war. Natürlich gibt es noch Unterschiede zu den Männern, aber ich glaube, wir machen da die richtigen Schritte."
Wie geht es jetzt konkret für Sie weiter?
Bühner: "Da weiß ich noch nichts Genaues. Das wird sich in den nächsten Tagen klären. Ich spreche mit meiner Agentin, sie spricht mit Portland, ich natürlich auch - und dann schauen wir, wie das abläuft."
Ist für Sie klar: Wenn sich die Möglichkeit ergibt, gehen Sie in die WNBA?
Bühner: "Wenn ich die Chance habe, würde ich das auf jeden Fall machen. Ich würde da total gerne hin. Jetzt müssen wir schauen, was das Team sagt und wie sich das alles verbinden lässt. Man kann ja auch eine europäische Saison spielen. Andere machen das auch, zum Beispiel Leonie Fiebich. Das würde ich auch in Betracht ziehen."
Mit Portland wären Sie in einem Team mit Luisa Geiselsöder. Wie hilft Ihnen das?
Bühner: "Das finde ich besonders cool. Ich mag Lui total gerne und spiele auch in der Nationalmannschaft gerne mit ihr zusammen. Deswegen freue ich mich darüber - und es ist natürlich schön für mich, schon jemanden zu kennen."
Was wissen Sie bisher über das Team?
Bühner: "Portland hat jetzt seine erste Saison, es ist ein Expansion Team. Aber ich schaue viel WNBA und habe auch den Expansion Draft verfolgt."

Sie waren bereits am College in den USA, sind dann aber relativ schnell nach Europa zurückgekehrt. War das rückblickend der richtige Schritt?
Bühner: "Ja, zu 100 Prozent. Ich war in Florida und bin nach vier Monaten gegangen. Es war einfach nichts für mich. Ich habe gemerkt, dass das nicht der Weg ist, der mir hilft, meine Ziele zu erreichen. Ich wollte das über Europa lösen. Trotzdem bin ich froh, dass ich die Erfahrung gemacht habe."
Fühlen Sie sich dadurch heute besser vorbereitet - oder eher im Nachteil gegenüber College-Spielerinnen?
Bühner: "Ich glaube nicht, dass das ein Nachteil ist, überhaupt nicht. Ob ich mich besser vorbereitet fühle, weiß ich nicht. Ich habe ehrlich gesagt noch nicht so viel darüber nachgedacht und mich auch nicht mit den College-Spielerinnen verglichen."
Wie haben Sie die Stunden vor dem Draft erlebt?
Bühner: "Ich war schon ziemlich nervös. Ich habe viel mit meiner Agentin gesprochen und wir waren uns eigentlich sicher, dass es irgendwann passiert. Aber ich war den ganzen Tag über nervös und viel in meinem Kopf. Mein Freund hat manchmal mit mir geredet und ich konnte gar nicht richtig antworten, weil ich die ganze Zeit darüber nachgedacht habe."
Wenn Sie jetzt auf diese Nacht zurückblicken - was bleibt für Sie am meisten hängen?
Bühner: "Dass ich mit meinen Freunden zusammen war und mit den Leuten, die ich sehr gern habe. Dass meine Familie und meine Agentin dabei waren. Dass sich so viele Leute für mich gefreut haben. Ich glaube, da kann ich mich sehr glücklich schätzen, so ein Umfeld zu haben."
Interview: Franziska Staupendahl