vor 19 Stunden
Washingtons Offseason im Detail
Die Washington Wizards haben die schlechteste Saisonbilanz der NBA hinter sich, gehen aber mit deutlich höheren Erwartungen in die neue Spielzeit. Trae Young, Anthony Davis und Top-Pick AJ Dybantsa sollen den jahrelangen Neuaufbau beschleunigen.

Die wichtigste Entscheidung fiel bei der Draft Lottery. Nach einer Saison mit nur 17 Siegen erhielten die Wizards den ersten Pick und entschieden sich erwartungsgemäß für AJ Dybantsa. Der 2,06 Meter große Forward hatte in seinem einzigen College-Jahr für BYU durchschnittlich 25,5 Punkte, 6,8 Rebounds und 3,7 Assists erzielt.
Bereits einen Tag vor dem Draft verlängerte Washington mit Trae Young langfristig. Der viermalige All-Star unterschrieb einen Vierjahresvertrag über knapp 213 Millionen Dollar. Nach einer Saison mit nur 15 Einsätzen ist die Vereinbarung nicht ohne Risiko. Die Wizards hoffen jedoch, dass Young der zuletzt zweitschlechtesten Offensive der NBA neues Leben einhaucht.
Auch der Kader um Young, Dybantsa und Davis herum wurde verstärkt. Für Jaden Hardy und zwei Zweitrundenpicks kam Deandre Ayton von den Lakers. Zudem holte Washington Khris Middleton per Sign-and-Trade aus Dallas und gab dem erfahrenen Flügelspieler einen Dreijahresvertrag über rund 17,6 Millionen Dollar, von dem allerdings nur die erste Saison garantiert ist.
In einem weiteren Deal tauschten die Wizards Cam Whitmore gegen Tre Mann und einen künftigen Zweitrundenpick. Im Draft sicherte sich Washington außerdem Center Felix Okpara, der zunächst einen Two-Way-Vertrag erhält.
| Position | Starter | 2. Option | 3. Option |
|---|---|---|---|
| PG | Trae Young | Bub Carrington | Tre Mann |
| SG | Kyshawn George | Tre Johnson | Jamir Watkins |
| SF | AJ Dybantsa | Bilal Coulibaly | Will Riley |
| PF | Anthony Davis | Khris Middleton | Justin Champagnie |
| C | Alex Sarr | Deandre Ayton | Tristan Vukcevic |
Zugänge: AJ Dybantsa (Rookie), Deandre Ayton (Lakers), Khris Middleton (Mavericks), Tre Mann (Hornets), Felix Okpara (Rookie)
Abgänge: D’Angelo Russell (Grizzlies), Cam Whitmore (Cavaliers), Jaden Hardy (Lakers), Julian Reese (Nuggets)
Vertragsverlängerung: Trae Young (vier Jahre, rund 213 Millionen Dollar)

Nach drei Spielzeiten mit 15, 18 und 17 Siegen wollen die Wizards ihren Neuaufbau in die nächste Phase führen. Washington verfügt weiterhin über einen jungen Kern, hat diesen inzwischen aber mit mehreren erfahrenen Spielern umgeben. Die Franchise versucht damit, zwei unterschiedliche Zeitpläne miteinander zu verbinden.
Young und Davis sollen sofort für mehr Siege sorgen. Dybantsa, Alex Sarr, Kyshawn George, Bilal Coulibaly, Tre Johnson und Bub Carrington bilden dagegen das Gerüst für die langfristige Zukunft. Vor allem Dybantsa soll sich zum neuen Gesicht der Franchise entwickeln.
Kurzfristig muss der Top-Pick die Offensive noch nicht alleine tragen. Young übernimmt die Spielgestaltung, während Davis als etablierte Option ebenfalls Aufmerksamkeit bindet. Dybantsa kann dadurch als zusätzlicher Scorer wachsen und sich schrittweise an die NBA gewöhnen.
Spannend wird auch der Frontcourt. Davis und Sarr dürften gemeinsam beginnen, während Ayton als prominenter Backup-Center vorgesehen ist. Der frühere Nummer-eins-Pick bringt weitere Qualität als Rebounder mit, muss sich nun jedoch erstmals dauerhaft mit einer Bankrolle arrangieren.
Auf dem Papier mangelt es den Wizards jedenfalls nicht an Talent. Ausgereift oder nicht: Das neu zusammengestellte Team muss nun funktionieren und sich auf dem Court beweisen. Young kann Davis und die weiteren Big Men im Pick-and-Roll einsetzen, während Dybantsa zusätzliche Dynamik auf dem Flügel bringt. Middleton soll mit seiner Erfahrung und seinem Distanzwurf für Stabilität sorgen, während die jungen Spieler den nächsten Schritt machen sollen.
Das größte Fragezeichen ist die Gesundheit. Young kam in der vergangenen Saison lediglich auf 15 Einsätze, Davis hat während seiner Karriere ebenfalls regelmäßig Spiele verpasst. Fallen beide länger aus, fehlt Washington die Qualität, um die hohen Erwartungen zu erfüllen.
Auch die Rollenverteilung könnte schwierig werden. Young und Dybantsa sind am stärksten, wenn sie den Ball kontrollieren und selbst Aktionen einleiten. Trainer Brian Keefe muss deshalb eine Balance finden, bei der der Rookie ausreichend Verantwortung erhält, ohne Young seine wichtigste Stärke zu nehmen.
Defensiv liegt das größte Fragezeichen auf dem kleinen Point Guard, der weiterhin gezielt attackiert werden dürfte. Das war schließlich auch der Grund, warum die Hawks Young eine Vertragsverlängerung verwehrten. Die On/Off-Statistiken sprachen in den vergangenen Jahren eher gegen den 27-Jährigen als für ihn. Es wird also auch darauf ankommen, wie gut die Wizards ihren Aufbauspieler verstecken können. Ein fitter Davis wäre da freilich hilfreich. Dybantsa wiederum besitzt zwar die körperlichen Voraussetzungen für einen guten Verteidiger, zeigte am College in diesem Bereich aber noch keine konstante Leistung. Der Illusion einer Defensivmacht muss man sich bei einem Team, das Bam Adebayo 83 Punkte gewähren ließ, also gewiss nicht hingeben.
Die Wizards gehören auf dem Papier zu den am deutlichsten verbesserten Mannschaften der Eastern Conference. Bleiben Young und Davis gesund und findet sich Dybantsa schnell zurecht, kann Washington um einen Platz in den Play-Ins kämpfen. Für eine direkte Playoff-Teilnahme gibt es angesichts der vielen Veränderungen aber noch zu viele offene Fragen.
Realistisch erscheint eine Saison mit deutlich mehr Siegen und einem Platz im erweiterten Play-In-Rennen. Mindestens ebenso wichtig ist, dass Dybantsa, Sarr und die weiteren Talente den nächsten Schritt machen. Washington muss noch kein fertiges Playoff-Team sein, erstmals seit langer Zeit besitzt die Franchise aber wieder eine klare Perspektive.
Sam Müller