vor 23 Stunden
Glasboden, Influencer, innovatives Regelwerk
Ab diesem Sommer wird der deutsche Basketballmarkt um ein innovatives Eventformat reicher sein. Mit "The LGCY Series" startet im Sommer eine Liga, die Sport, Entertainment und Street Culture miteinander verschmelzen lässt. Der kicker veröffentlicht exklusiv erste Details zu dem Projekt.

Es hatte sich seit einigen Monaten im Hintergrund angedeutet, nun ist die Katze aus dem Sack: Mit "The LGCY Series" wird hierzulande noch in diesem Sommer ein neues Basketball-Format an den Start gehen. Hinter dem Projekt steht ein dreiköpfiges Gründerteam bestehend aus dem Basketball-Culture-Experten und Ex-Geschäftsstellenleiter des BBL-Klubs Rostock Seawolves, Philipp Dembowksi, sowie Rapper und Schauspieler Jalil Berkholz und Yoran Henzler, der bisher für das von Toni Kroos und Streaming-Gigant Elias Nerlich gegründete Kleinfeldfußball-Format Icon League tätig war.
Das prominenteste Gesicht und Aushängeschild der Liga wird aber ein anderer sein: Weltmeister und NBA-Star Dennis Schröder von den Cleveland Cavaliers. Neben ihm werden weitere bekannte deutsche Nationalspieler wie Isaac Bonga die Liga repräsentieren. Die sportliche Besetzung verspricht eine Mischung aus gestandenen Profis, internationalen Talenten und bekannten Gesichtern der weltweiten Basketball-Community.
Dabei setzt das Format von Beginn an auf eine enorme internationale Strahlkraft. Neben nationalen Teams wird unter anderem ein Team aus Los Angeles an den Start gehen, das von bekannten US-Influencern und reichweitenstarken Streetballern getragen wird. Auch der UK-Markt ist durch die Teilnahme der Simply British Ballers vom Start weg dabei. Zudem stellt der reichweitenstarke Content Creator Matt Kiatipis alias "MK", der allein bei Instagram 3,2 Millionen Follower zählt, eines der in Summe acht Teams.
Strukturell orientiert sich "The LGCY Series" am US-Vorbild der NBA, sprich: Es wird mit einem Franchise-Modell gearbeitet, bei dem sich die einzelnen Teams selbst vermarkten und managen können.
Das Ziel der "LGCY" Series ist es, Elemente aus dem klassischen Basketball mit modernen, Event-getriebenen Ansätzen zu vereinen, um eine innovative Form des Basketballs für jüngere Zielgruppen einzuläuten. Gespielt wird dabei Fünf-gegen-Fünf auf dem gesamten Feld - so weit, so gewohnt.
Allerdings ist etwa der Untergrund dabei alles andere als klassisch. So kommt nach kicker-Informationen ein digitaler Glasboden zum Einsatz, der es ermöglicht, während des Spiels umfassende Gamification-Elemente, visuelle Effekte und interaktive Features auf das Spielfeld zu projizieren.
Der Videoboden des deutschen Herstellers ASB GlassFloor wird im Ligabetrieb der BBL bereits vom FC Bayern Basketball benutzt, dort allerdings aus vermarktungsrechtlichen Gründen in seinen Funktionen nur sehr rudimentär eingesetzt. Auch beim Final Four im Handball in der Kölner Lanxess-Arena kam der Glasboden kürzlich zum Einsatz, genauso beim jüngsten Endspiel-Event der Basketball-Euroleague in Athen.
Sportlich will die "LGCY Series" darüber hinaus mit gezielten Regelmodifikationen aufwarten. Welche das genau sein werden, ist aktuell noch unklar. Die Macher planen dem Vernehmen nach, neue Spielregeln auszutesten, um das Spiel zu beschleunigen, mehr Highlight-Momente zu kreieren und die Sportart gezielt für ein jüngeres Publikum attraktiver zu gestalten.
Der konkrete Tour-Plan für die Premierensaison befindet sich aktuell noch in der finalen Ausgestaltungsphase. Geplant sind drei Spielorte, von denen mit Berlin und München bereits zwei feststehen. Als potenzieller Starttermin wird das letzte Juli-Wochenende anvisiert.
Unterstützt wird das Projekt bereits vor dem offiziellen Startschuss von absoluten Schwergewichten der Branche. So konnte der FC Bayern Basketball als enger strategischer Partner gewonnen werden, ohne dass die Münchener jedoch ein eigenes Team stellen werden. Auch der Sportartikelkonzern Adidas ist als offizieller Ausrüster mit an Bord und wird für jedes der acht Teams ein individuelles Trikotdesign entwerfen.
Mit der "LGCY Series" schwappt erstmals ein ähnlicher Trend auf den Court, der sich seit einigen Jahren bereits im Fußball ausgebreitet hat. Dort haben mit der von Gerard Piqué gegründeten Kings League (die mit frischen Millionen ebenfalls in andere Sportarten investieren will) sowie der von Mats Hummels mit ins Leben gerufenen Baller League 2023 zwei neuartige Kleinfeldfußball-Formate den Stein ins Rollen gebracht. Schließlich folgte als Dritter im Bunde auch die von Toni Kroos und Elias Nerlich initiierte Icon League.
Hauptcharakteristikum dort sind innovative Regelwerke, die den Lauf einer Partie wie in einem Gesellschaftsspiel von jetzt auf gleich plötzlich komplett verändern können. Zudem verschmelzen die Formate Fußball an der Schnittstelle von Musik und Kultur und versuchen, über prominente Influencer-Größen und ehemalige Sportstars Reichweite aufzubauen.
Henning Eberhardt