26.09.2024
Die Offseason der Jazz in der Analyse
Während sich in der Western Conference ein Contender nach dem anderen verstärkt, schlagen die Utah Jazz den gegenteiligen Weg ein. Ein Schritt zurück, zwei nach vorn lautet die Devise in Salt Lake City.

Vor dem Sommer stand ein großer Elefant im Raum und zwar die Entscheidung, ob man den Vertrag mit Lauri Markkanen verlängern würde oder nicht. Am 7. August unterschrieb der Finne schließlich einen frischen Vierjahresvertrag über 196 Millionen Dollar, inklusive einer Gehaltserhöhung für die anstehende Saison über gut 24 Millionen. Pikant dabei: Hätte Markkanen 24 Stunden vorher unterschrieben, wäre er zur Trade Deadline zu haben gewesen. Stattdessen ist Markkanen für ein Jahr komplett vom Markt.
Der Finne ist derzeit der Franchise Player am Salzsee und die Jazz mischten in den vergangenen beiden Jahren meist im Rennen um die Playoffs mit, bevor die Franchise nach der Trade Deadline meist Moves machten, die das Team schwächten und somit einen Platz in der Lottery sicherten.
Das Hauptaugenmerk lag mal wieder auf dem Draft, hier sicherten sich die Jazz mit dem zehnten Pick Forward Cody Williams, mit Nummer 29 Isaiah Collier sowie den versierten Big Man Kyle Filipowski in der zweiten Runde. Mit Drew Eubanks kam ein neuer Backup-Center, Svi Mykhailiuk unterschrieb einen Vierjahresvertrag, wovon nur ein Jahr garantiert ist. Einen ähnlichen Vertrag unterschrieb der eigene Free Agent Johnny Juzang.
Neu mit dabei ist zudem Patty Mills, der mit seiner Erfahrung die vielen jungen Spieler anleiten soll. Der frührere Meisterspieler der Spurs wird ansonsten sportlich keine große Rolle spielen. Gleiches gilt für die Abgänge. Mit Ausnahme von Defensiv-Spezialist Kris Dunn, der sich den L.A. Clippers anschloss, wird man Ömer Yurtseven, Kira Lewis, Kenneth Lofton Jr., Darius Bazley, Luka Samanic und Talen Horton-Tucker keine Tränen nachweinen.
Zugänge: Cody Williams, Isaiah Collier, Kyle Filipowski (alle Draft), Drew Eubanks (Phoenix Suns), Svi Mykhailiuk (Boston Celtics), Patty Mills (Miami Heat)
Abgänge: Ömer Yurtseven (Panathinaikos), Kris Dunn (L.A. Clippers), Kenneth Lofton Jr. (Chicago Bulls), Darius Bazley, Luka Samanic, Kira Lewis Jr. (alle unbekannt), Talen Horton-Tucker (Chicago Bulls)
| Spieler | Position | 24/25 | 25/26 | 26/27 | 27/28 | 28/29 |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Lauri Markkanen | Forward | 42,2 | 46,4 | 49,8 | 53,5 | UFA |
| John Collins | Forward | 26,6 | 26,6* | UFA | - | - |
| Collin Sexton | Guard | 18,4 | 19,2 | UFA | - | - |
| Jordan Clarkson | Guard | 14,1 | 14,3 | UFA | - | - |
| Taylor Hendricks | Forward | 5,8 | 6,1** | 7,8** | RFA |
* Spieler-Option, ** Team-Option, *** nicht garantiert, UFA = Unrestricted Free Agent, RFA = Restricted Free Agent
Während im Westen ein Wettrüsten im Gange ist, sind die Utah Jazz eines der wenigen Teams, das sich daran nicht beteiligt. Zwar hat Utah mit Markkanen einen All-Star sowie in Walker Kessler einen hoffnungsvollen Center in seinen Reihen, dennoch ist der Rebuild weiter in vollem Gange.
Das Ziel ist stattdessen maximale Flexibilität wie schon die Vertragsstruktur vieler Deals zeigt. Für die Saison 2026/27 steht nur Markkanen fest unter Vertrag, von allen anderen Spielern könnten sich die Jazz schon vorher getrennt haben.
Noch wichtiger ist jedoch, dass Utah im Draft endlich mal einen Volltreffer landet. Das Problem dabei war meist, dass die Jazz schlichtweg zu gut für einen hohen Draft-Pick waren. Das könnte sich in dieser Saison ändern, wenn sich Utah vermutlich mit Portland um die Rote Laterne in der Conference balgen wird. Der andere Weg wäre ein Star-Trade, doch das erscheint wenig sinnvoll, da Utahs Gerüst noch recht wacklig ist und noch nicht die nötigen Strukturen wie zum Beispiel in Houston geschaffen wurden.

Wie schon im Vorjahr fehlt ein überdurchschnittlicher Spielmacher. Die Hoffnungen ruhen hier auf den 2023 gezogenen Keyonte George, der zwar gute Ansätze zeigte, aber eben auch noch sehr grün hinter den Ohren ist und eine Turnover-Maschine war. In Jahr zwei sollte es Fortschritte geben, dennoch sind nur wenige Teams schwächer aufgestellt als Utah.
Es war auch kein Zufall, dass kein Team so viele Turnover wie die Jazz produzierte. Die andere Baustelle ist die Drei. Die Jazz spielten 2023/24 ihren besten Basketball, als man Simone Fontecchio, den einzigen Small Forward im Kader in die Starting Five beorderte. Als man den Italiener dann tradete, war das spürbar. Vor allem Brice Sensabaugh war noch weit von NBA-Niveau weg.
Er dürfte aber wieder seine Chancen bekommen, wenn nicht Markkanen wieder auf die Drei geschoben wird. Möglich ist auch, dass Nr.10-Pick Cody Williams umgehend zum Starter gemacht wird. Das wird sicherlich keine Siege bringen, aber darum geht es am Salzsee im Moment auch nicht.
Unter Head Coach Will Hardy hatten die Jazz immer wieder Phasen, in denen sie im Westen durchaus konkurrenzfähig waren. Die wird es auch 24/25 wieder geben, allerdings bleibt dieses Team weiterhin eine Baustelle (was aber auch durchaus so gewollt ist).
Die Jazz werden vermutlich in dieser Saison nichts mit den Playoffs oder Play-Ins zu tun haben, stattdessen wird man (heimlich) hoffen, dass es in dieser Spielzeit endlich etwas mit einem hohen Draft-Pick wird, um dort den Guard der Zukunft zu finden. Es ist zudem nicht auszuschließen, dass Spieler wie John Collins, Jordan Clarkson oder Collin Sexton in einem halben Jahr nicht mehr Teil der Jazz sind.
Robert Arndt
| - |
| Cody Williams | Forward | 5,5 | 5,7 | 6,0** | 7,7** | RFA |
| Drew Eubanks | Center | 5,0 | 4,8*** | UFA | - | - |
| Keyonte George | Guard | 4,1 | 4,3** | 6,6** | RFA | - |
| Svi Mykhailiuk | Guard | 3,5 | 3,7*** | 3,9*** | 4,0** | UFA |
| Johnny Juzang | Guard | 3,1 | 2,8*** | 2,7*** | 2,8*** | UFA |
| Kyle Filipowski | Center | 3,0 | 3,0 | 3,0*** | 3,0** | RFA |
| Walker Kessler | Center | 3,0 | 4,9** | RFA | - | - |
| Brice Sensabaugh | Forward | 2,6 | 2,7** | 4,9** | RFA | - |
| Isaiah Collier | Guard | 2,5 | 2,6 | 2,8** | 5,0** | RFA |
| Patty Mills | Guard | 2,1 | UFA | - | - | - |