vor 8 Stunden
Kein Platz in der Hornets-Rotation
Hannes Steinbach und Christian Anderson Jr. wurden im Sommer von den Charlotte Hornets im Draft in der ersten Runde ausgewählt. Beide spielten zuletzt kaum, nun muss das deutsche Duo in die G-League. Die Hintergründe und wie es weitergehen könnte.

Hannes Steinbach und Christian Anderson Jr. sind zunächst einmal nicht mehr Teil des Kaders der Charlotte Hornets, beide deutschen Youngster wurden zu den Greensboro Swarm, das G-League-Team der Hornets abdelegiert.
Wirklich überraschend kommt das nicht, schließlich spielten beide in der Rotation kaum eine Rolle. Steinbach sah als dritter Center hinter Moussa Diabate und Ryan Kalkbrenner nur Garbage-Time-Minuten, während Anderson durch den verletzungsbedingten Ausfall von Coby White zumindest Backup-Minuten erhielt. Da White aber wieder fit ist und somit Dennis Schröder ins zweite Glied rückt, bleibt auch für Anderson kein Platz mehr in der Rotation.
Coach Charles Lee hob die beiden Deutschen für seine Arbeitsmoral zwar immer wieder hervor, betonte aber auch, dass sich beide erst noch an das NBA-Spiel gewöhnen müssen. Das ist normal, gleichzeitig bekommen viele Erstrundenpicks oft die Chance, über Minuten diesen Lernprozess zu beschleunigen.
In Charlotte ist das aber nicht der Fall, was auch an der Roster-Konstruktion liegt. Die Hornets sind aufgrund fehlender Star-Power (der Ball-Trade) kein gutes Team, haben aber dafür eine gewaltige Ansammlung an passablen NBA-Spielern, die alle auf ihre Minuten kommen sollen (Sion James mal ausgeschlossen, hier hat Charlotte keine Alternativen). Manche davon sind Teil der Zukunft, andere nicht, dennoch müssen auch sie präsentiert werden - zum Beispiel für zukünftige Trades.
Für Steinbach und Anderson ist das unglücklich. Gerade Ersterer hatte in der Summer League und Preseason gute Momente, doch Lee entschied sich in Kalkbrenner für einen anderen Youngster, der schon ein Jahr im System der Hornets ist. Man könnte meinen, dass Steinbach auch Chancen auf der Vier haben könnte, doch bislang spielte der Würzburger keine einzige Minute auf seiner College-Position. Charlotte sieht Steinbach als Center, das limitiert etwas seine Möglichkeiten.
Und nun? Die G-League ist keine Demontierung, viele junge Spieler sammelten hier Erfahrungen. Isaiah Hartenstein verbrachte sogar fast drei Jahre (78 Einsätze) bei den Rio Grande Valley Vipers, dem Farmteam der Houston Rockets, und fand über die Jahre trotzdem seinen Platz. Gleichzeitig ist es gut möglich, dass die beiden Deutschen auch schnell wieder zum NBA-Team abkommandiert werden.

Das kann durch Verletzungen passieren oder aber auch durch gute Leistungen - im Training oder Spiel. Gerade Steinbach dürfte in der G-League saftige Stats auflegen, da dort viel geballert wird und es entsprechend viele Abpraller einzusammeln gibt. Es ist eine Chance auf Spielzeit, die es so bei den Hornets derzeit nicht gibt. Gleichzeitig können die beiden sich ausprobieren, da das Farmteam vor allem die Aufgabe hat, Draft-Picks und junge Spieler, an die die Franchise glaubt, zu fördern.
Anderson und Steinbach sind auch nicht die einzigen First Rounder, die zum Start in die neue G-League-Saison ins Farmteam gesteckt wurden. Derzeit sind es insgesamt sieben Spieler mit festen Verträgen, die abkommandiert wurden - darunter Bronny James oder auch der letztjährige ABA-Liga-MVP Bogoljub Markovic.
In der Nacht auf Samstag geht es dann in Greensboro mit einem Double Header im Showcase Cup gegen die Long Island Nets los. Dort wird unter anderem Ben Saraf spielen, der 2025 mit ratiopharm Ulm noch die BBL Finals erreichte. Bei ihm gibt es eher Grund zur Sorge, dass er auch in seinem zweiten NBA-Jahr wieder in der G-League ran muss, diese gibt es zu diesem frühen Zeitpunkt bei Anderson und Steinbach noch nicht.
Robert Arndt