16.05.2025
Alle Serien im Check
Die BBL-Play-Offs stehen vor der Tür. Zeit für eine Übersicht der vier spannenden Viertelfinal-Serien. Wer sind die Favoriten, wo lauern Überraschungen und welche Faktoren könnten den Unterschied machen? Wir ordnen das Geschehen ein und wagen eine Prognose.

Eine Erstrundenserie mit viel Brisanz: Der MBC hat den großen Favoriten aus München in dieser Saison bereits zweimal geschlagen, darunter im Pokalhalbfinale, das den Weißenfelsern den ersten nationalen Titel der Vereinsgeschichte bescherte. Auch im letzten Hauptrundenduell in München war mehr drin. Es gibt also reichlich offene Rechnungen und genügend Zündstoff für die Play-Offs.
Trotzdem geht der Titelverteidiger natürlich als klarer Favorit in die Serie. Zwar präsentierten sich die Bayern zuletzt alles andere als souverän, doch der Kader von Gordon Herbert ist in der Breite und Qualität weiterhin das Maß der Dinge in der BBL. Auch ohne Carsen Edwards, zu dessen Verletzungsstatus FCBB-Sportdirektor Dragan Tarlac kürzlich ein Update gegeben hat, und Oscar da Silva sind die Münchner individuell klar überlegen.
Der MBC wird sich auf seine Feuerkraft verlassen müssen: Kein Team hatte ein besseres Offensiv-Rating in der Hauptrunde (116,4). Die Guards Callison, Devoe und Reaves müssen dabei wie in den Play-Ins Verantwortung übernehmen. Problematisch dürfte allerdings das Rebounding werden. In dieser Kategorie ist Weißenfels Liga-Schlusslicht, während die Bayern zu den besten Teams unter den Brettern zählen.
Die größte Frage: Kann Weißenfels über eine komplette Serie hinweg physisch, taktisch und mental auf Topniveau agieren? Gegen Oldenburg sah das zweitweise hervorragend aus, aber bei einem "Best of Five" gegen den Top-Favoriten dürfte der MBC an seine Grenzen geraten. Die Serie beginnt am Samstagabend um 20 Uhr (LIVE bei Dyn).
Prognose: Bayern in 4.

Schöne Bescherung für Ulm, die eine überragende Hauptrunde spielten und zur Belohnung in Runde eins auf Alba Berlin treffen. Die Hauptstädter schafften nach einer zu großen Teilen verkorksten Saison noch die Play-Offs, doch der Auftritt gegen den MBC in den Play-Ins war mal wieder wenig überzeugend.
Dennoch hat Berlin acht der vergangenen neun Spiele für sich entschieden, nur in Würzburg setzte es eine knappe Niederlage. Ähnlich heiß waren auch die Ulmer, auch sie verloren aus den vergangenen sieben Partien nur in der Würzburger "Turnhölle". Die beiden Spiele in der Hauptrunde waren brisant und hart umkämpft, es setzte sich jeweils das Heimteam durch.
Überhaupt hat Ulm in dieser Spielzeit nur ein Heimspiel verloren (gegen Heidelberg) und weist zudem das beste Net-Rating der Liga auf. Dabei kann gar nicht auf einen einzelnen Spieler verwiesen werden, vielmehr regelt das Team von Ty Harrelson es im Kollektiv. Gleich sieben Akteure machen mehr als acht Zähler pro Spiel (ohne den verletzten Isaiah Roby), Guard Justinian Jessup ist mit zwölf Punkten pro Partie schon bester Scorer.
Ähnlich sieht es bei Alba aus, hier ist aber Martin Hermannsson klar der Fixpunkt, dazu konnte Justin Bean nach Rückkehr von seiner Verletzung glänzen. Bei Ulm wird die Frage sein, ob Youngster wie Ben Saraf, Noa Essengue oder Tobias Jensen schon bereit für die Play-Offs sind und an ihre Leistungen in der Hauptrunde anknüpfen können. Ulm hat die beste Offensive der Liga und spielt schnell, die Erfahrung sollte aber für Berlin sprechen. Los geht es am Samstag ab 18.30 Uhr (LIVE bei Dyn).
Prognose: Berlin in 4.

Am letzten Spieltag lieferten sich beide Teams ein direktes Duell um das Heimrecht. Mit dem besseren Ende für Braunschweig. Die Niedersachsen sicherten sich mit dem Sieg nicht nur Platz 3, sondern auch den psychologischen Vorteil vor der Serie. Während Würzburg nach sechs Siegen in Serie zuletzt etwas ins Straucheln geriet, spielt Braunschweig die beste Saison seit Jahren.
Trainer des Jahres Jesus Ramirez wird sein Team auf das gefährliche Guard-Trio um BBL-MVP Jhivvan Jackson vorbereiten müssen. Defensiv ist insbesondere die 1-gegen-1-Arbeit gegen Jackson, Mike Lewis und Davion Mintz entscheidend. Braunschweig hat mit Arnas Velicka (Ligaspitze bei gezogenen Freiwürfen) dem schnellen Barra Njie und Nachwuchsspieler des Jahres Sananda Fru passende Antworten parat.
Bei Würzburg könnte das Fehlen von Center Owen Klassen ins Gewicht fallen, zumal Braunschweig mit Fru unter dem Korb viel Energie bringt. Hoffnung liegt bei den Mainfranken auf dem 19-jährigen Hannes Steinbach, der sich in der Rotation festgespielt hat. Die größere Play-Off-Erfahrung spricht für Würzburg, der Heimvorteil für Braunschweig. Es dürfte eng werden. Die Serie beginnt am Sonntag in Braunschweig (18.30 Uhr, LIVE bei Dyn).
Prognose: Braunschweig in 5.

Chemnitz ist zum vierten Mal in Folge in den Play-Offs vertreten. Doch der vierte Platz täuscht: Kein anderes Top-8-Team hatte ein schlechteres Net-Rating (-3,2). Heidelberg musste in der letzten Runde in die Verlängerung, um Frankfurt zu schlagen und zieht erstmals in der BBL-Geschichte in die Postseason ein. Beide Teams haben in dieser Saison viele enge Spiele für sich entschieden. Es dürfte wieder knapp werden.
Für die Niners wird entscheidend sein, wieder physischer zu verteidigen und DJ Horne sowie Michael Weathers früh unter Druck zu setzen. Ohne Shotblocker Osun Ossuniyi fehlt Heidelberg unter dem Korb Stabilität. Das könnten Yebo, Nkamhoua, Garrett und Richter ausnutzen. Vor allem das Spiel am Brett dürfte ein Schlüssel sein.
Heidelberg bringt offensiv Tempo und sollte jede Gelegenheit zum Fast Break suchen. Horne, Weathers und Mikesell müssen konstant liefern, während Keßen, Zipser & Co. sich gegen die Chemnitzer Physis behaupten müssen. Die Frage wird sein, ob Heidelberg über eine lange Serie die Intensität halten kann. Den ersten Eindruck gibt es am Samstag ab 17 Uhr (LIVE bei Dyn).
Prognose: Chemnitz in 5.
red