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Die Rückkehr des besten Spielmachers der Liga?
Offseason bedeutet: analysieren, feilen, neu aufstellen. Für Teams, ebenso für Spieler. Gerade für die, bei denen sich etwas ändert - oder die selbst etwas ändern wollen. Welche zehn Spiele begleiten rund zwei Monate vor der Opening Night die größten Fragezeichen? Weshalb sind Luka Doncic und Anthony Edwards dabei? Weshalb Franz Wagners Starkollege? Und kehrt einer der besten Spielmacher der Liga zurück?

Dass es überhaupt schon einen informationsreichen ersten Eindruck von Jayson Tatum gibt, ist beeindruckend. Nach seinem Achillessehnenriss aus den Playoffs 2025 nahm sich der Forward keine gesamte Saison Auszeit. 16 Spiele absolvierte er in der Regular Season (21,8 Punkte, 45,8 Prozent FG, 36,8 Prozent 3FG, 5,3 Assists).
Natürlich suchte Tatum ein wenig nach Rhythmus. Gleichzeitig demonstrierte er nach der vielleicht schwersten Verletzung im Basketball immer wieder beeindruckende Explosivität. Vor allem am Brett arbeitete Tatum exzellent (9,5 Rebounds). In den Playoffs legte er zudem einen drauf (25 Punkte, 47,5% FG, 36,5% 3PT 10,7 Rebounds, 6,8 Assists) - bis er ausgerechnet Spiel sieben gegen die Sixers aussetzen und zusehen musste, wie die Celtics ein 3-1 herschenkten.
Nun ist alles anders. Tatum ist allein. Gewissermaßen. Jaylen Brown spielt in Philly, Paul George nun in Boston. Als Komplementärspieler bleibt PG (wenn fit) eine hervorragende Variante. Einen echten zweiten Scorer hat Tatum ohne Brown allerdings nicht mehr neben sich. Zum ersten Mal. Payton Pritchard kann helfen, auch Derrick White dürfte unterstützen. Gleichzeitig muss Tatum nun mehr Offense schultern als jemals zuvor in seiner Karriere.
Wie funktioniert das? Reißt Tatum das Spiel noch mehr an sich oder findet er die richtige Balance aus eigenem Scoring, Ballteilen und Einbeziehen aller? Das wird besonders entscheidend. Unmittelbar nach seinem Comeback spielte Tatum in den Playoffs bereits 36,3 Minuten im Schnitt. Wie dosieren die Celtics die Kraft ihres Besten so, dass er sein Maximum erreicht, wenn es zählt.

Jaylen Brown schaukelt auf der entgegengesetzten Seite des Spektrums. Während Tatum zeigen muss, wie er als klare erste Option mit sehr guten Spielern außenrum Balance findet, sollte Brown seine geliebte Rolle der vergangenen Saison hinter sich lassen. Zwischen Tyrese Maxey, LeBron James und Joel Embiid braucht es keinen permanent scorenden JB.
Browns Aufgabe bei den Sixers: seine Stärken, das Treffen schwerer Würfe, das Attackieren, die Geschwindigkeit, einbringen, das Spiel aber nicht monopolisieren, einen Fluss mit anderen finden. Nicht wenige bezweifeln, dass er dazu fähig ist. Gerade nach seinen öffentlichen Liebesbekundungen an die vergangene Saison, als Tatum ausfiel.
Während seiner Antrittspressekonferenz in Philly sagte Brown allerdings, was er viele hören wollten: Die Sixers müssten nicht das Team eines einzigen sein. Er wiederum wolle von LeBron lernen, der andere einsetzen kann, wie kaum einer in der NBA-Geschichte. Gelingt es? Davon dürften die Erfolgsaussichten der Sixers entscheidend abhängen.

Mal wieder legte Paolo Banchero in den Playoffs einen drauf, punktete deutlich mehr als während der regulären Saison. Gleichzeitig litt wie in den Jahren zuvor die Effizienz - ein großer Kritikpunkt der vergangenen Jahre. Mit Sean Sweeney haben die Magic nun einen neuen Coach, der zwar als Defensivspezialist bekannt ist, der gleichzeitig Orlandos Offense mehr Ideen bringen soll. Was auch an Banchero hängt.
Natürlich müssen Jalen Suggs, Desmond Bane und auch Franz Wagner ebenfalls funktionieren. Es braucht mehr Gemeinsamkeiten. Gleichzeitig lieferten Bane und Wagner (wenn fit) regelmäßig ab. Banchero einerseits ebenfalls. Andererseits ist da diese Hoffnung, dass er sich noch mehr darauf konzentriert, seine Power zu nutzen, mit Dampf Richtung Zone zu gehen, schnelle Entscheidungen zu treffen, seine Passfähigkeiten einzubringen.
Alles haben wir bereits gesehen. Immer wieder übernahm jedoch der Hang zum langen Dribbeln auf der Stelle, zum schweren Wurf am Mann oder Dreier, den Banchero über seine Karriere in bislang nur 31,7 Prozent der Fälle trifft. Im Forward schlummert ein echter Star. Kann er ihn wecken, indem er sich vor allem auf seinen positiven Tendenzen konzentriert und mehr im Fluss spielt als aus dem Stillstand heraus?

Individuell lief es durchaus für Anthony Edwards. Während der Regular Season punktete er so viel (28,8 Punkte) und spielte dabei so effizient wie nie (48,9 FG, 39,9 3FG bei 8,4 Versuchen). Kompliziert für ANT war, dass angesichts von Mike Conleys fortschreitendem Alter ein echter Point Guard fehlte. Edwards musste immer wieder initiieren und abschließen gleichzeitig. Das raubte Kräfte und lockte ihn etwas hinaus aus seinem Kerngebiet.
Hinzu kam, dass ANT zwar alles mitbringt, aber nicht immer alles hineinlegte. Gerade defensiv mangelte es während der Regular Season zu häufig am finalen Einsatz; und Edwards’ Nonchalance färbte teilweise auf das Team ab. Lockerheit gehört zu ANT, aber bekommt er ein Stück mehr Konstanz in seine Ernsthaftigkeit, um das Team wirklich führen zu können?
Zumal mit LaMelo Ball nun ein echter Point Guard an seiner Seite ist. Melo macht den Ball schnell, ANT vollendet aus der Bewegung, mit weniger Druck der Defense. Es könnte funktionieren. Perfekt sind die Wolves nicht - gerade auf der Vier mangelt es an Länge und Breite -, ihr Ceiling hat sich dennoch ein gutes Stück erhöht. Wie konstant geht ANT voran?

Die Hornets waren eine der positiven Überraschungen der Saison und zählten nach ihrem Turnaround zu den heißesten Teams der Liga, ehe die größeren, gemeineren Magic alles jäh beendeten. Darauf würde man nun aufbauen, richtig? Falsch. Überraschend tradeten die Hornets LaMelo Ball nach Minnesota.
Überraschend deshalb, weil die herausragende Offense besonders herausragend war, wenn Ball sie anleitete - und weniger, wenn LaMelo pausierte. Die Hornets fanden daher wohl nicht diesen einen Grund für den Trade. Wahrscheinlich war es eine Mischung.
Beispielsweise spielte Ball in drei Jahren insgesamt nur 105 Mal, ehe er es vergangene Saison auf 70 Partien brachte. Ein Ausreißer? Dazu wirkt der Point Guard häufig sehr locker und fällt immer wieder durch gefährliche Straßenmanöver auf. Und am Ende sparen die Hornets Geld: Durch den Trade umgehen sie klar die Luxussteuer und müssen sich gleichzeitig keine Gedanken um eine teure Vertragsverlängerung mit dem (verletzungsanfälligen) Franchisestar machen.
Ball ist gut. Sehr gut. Aber ist er ein ernsthafter, dauerhafter Gewinner? Minnesota dürfte weitere Anhaltspunkte liefern. So gut Kon Knueppel und Brandon Miller sind, ANTs Qualität übersteigt alles, was Ball bislang neben sich hatte. Harmonieren die beiden, kann bei den Wolves etwas entstehen. Dafür muss Ball erneut fit bleiben. Kann er das?

Wie tief kann ein ehemaliger Superstar von morgen fallen? Ja Morant startete die Feldstudie. Als die Grizzlies bereit waren, den Point Guard abzugeben, fanden sich zunächst kaum Interessenten, ehe Portland die Wette einging. Während seiner besten Minuten ist Morant einer der explosivsten und spektakulärsten Spieler der Liga, bewegt sich viel, bindet Mitspieler ein. Nur liegen diese Phasen schon ein gutes Stück zurück.
Hin und wieder blitzte es vergangene Saison durch. Größtenteils wirkte Morant jedoch weniger explosiv als früher. Dazu konnten ihm Beobachtende nach Streitereien mit Grizzlies-Coach Tuomas Iisalo eine gewisse Lustlosigkeit andichten. Hauptfaktor oder Randaspekt? Wie gut ist Morant 2026 noch? Portland wird es herausfinden.
Entscheidend wird dabei die nächste Frage: Lernt Morant einen Plan B kennen? Schwindet die Athletik, braucht es andere Wege, Spielzüge zu bestimmen. Er muss kein Scharfschütze werden, mehr als 23,5 Prozent von draußen vergangene Saison und 31,1 Prozent über die Karriere sollten es dennoch sein. Insgesamt würde ein breiteres Arsenal nicht schaden. Eignet Morant sich eines an? Und wie viel Athletik ist noch übrig?

Ein weiterer kleiner Point Guard, der beeindruckende Fähigkeiten besitzt - und ähnlich latente Probleme verursacht. Trae Young kann eine Offense unglaublich positiv beeinflussen, Räume für seine Mitspieler schaffen und sie finden. Ebenso stellt sein Physis Defensivkoordinatoren komplizierte Aufgaben, zudem wird Young seinem Ruf als potenter Schütze lange nicht mehr gerecht. Seine Effective Field Goal Percentage lag in drei der vergangenen vier Jahre unter 50 Prozent, womit er um das 30. Perzentil unter Point Guards pendelte.
Nun waren die Hawks ambitioniert. Die Wizards sind es irgendwie ebenfalls und brauchen dennoch auch andere Qualitäten: Der extrem junge Kern rund um Top-Pick AJ Dybantsa, Tre Johnson, Alex Sarr, Bilal Coulibaly und Bub Carrington freut sich über einen, der das Spiel lenkt, Leitplanken zieht und die Entwicklung beschleunigt.
Das Potenzial dafür bringt Young mit. Wie sehr kann sehr seine eigenen Scoring-Ambitionen kanalisieren, um genügend defensive Aufmerksamkeit zu bündeln, ohne den Jungen zu viele Gelegenheiten zu nehmen? Wie souverän kann er das Team anleiten und so die Offense erleichtern?

Theoretisch sollte auch Chet Holmgren Victor Wembanyama beschäftigen. Praktisch nahm OKCs Längster in den Conference Finals in sieben Spielen durchschnittlich 7,3 Würfe und griff sich nur 7,1 Rebounds. Defensiv spielte Holmgren solide bis gut, offensiv konnte er Shai Gilgeous-Alexander gegen eine unangenehme Defense nie entlasten.
Holmgrens große Vertragsverlängerung nun zu hinterfragen, käme zu früh. Viel zu früh. Der Mann gewann in seinem zweiten NBA-Jahr seine erste Meisterschaft und steht nun vor seiner vierten Saison. Das Projekt Holmgren steht am Anfang - und hat dafür schon vieles gezeigt. Bliebe die Frage, wie gut sich der Big von Wemby erholt, wie viel Aggressivität er sich aneignen und vor allem, wie er seine Offense auf die nächste und übernächste Stufe hieven kann.

Nun hat er also sein Team. Luka Doncic darf mit einem guten Ringbeschützer zusammenspielen, der Bälle vorne souverän fängt und auch verwertet. Er hat Schützen und Verteidiger um sich; dazu eine zweite Option, der die Verteidiger ebenfalls Aufmerksamkeit schenken müssen, die ihm offensive Arbeit abnehmen kann. Reicht das?
Doncic zählt immer zu den Besten. Sein Run im März, als er in 16 Spielen sieben Mal mindestens 40, davon einmal 51 und einmal 60 Punkte auflegte, illustriert das eindrucksvoll. Aber wie viel ist mit einem Luka-Team, mit diesem speziellen Mix, der nicht endlos viele Optionen besitzt, anno 2026 noch möglich? Genügt dieser offensive Ausnahmekönner plus passende Begleitung in Zeiten von Wembanyama, weiterentwickelten Thunder und eingespielten Knicks?

Es ist banal und doch eine der interessantesten Fragen der neuen Saison: Wie gut ist Tyrese Haliburton nach seinem Achillessehnenriss aus Spiel 7 der 2025er Finals? Unmittelbar zuvor zählte er zu der Handvoll an Spielern, die eine Offense transformieren, ohne selbst permanent punkten zu müssen.
Fit, ist Haliburton die personifizierte Schönheit des Spiels. Er schwebt über den Court, hält permanent nach Passwegen Ausschau, schafft sie durch pointierte Bewegung selbst und findet auch dort welche, wo eigentlich keine sein sollten. Gibt er den Ball ab, schleicht der Point Guard durch die Defense, um plötzlich irgendwo anders vollkommen offen aufzutauchen.
Haliburton ist ein eigenes Offensiv-System, ohne dabei permanent im Fokus stehen zu müssen. Er macht sein gesamtes Team besser. Machte. Und wird es hoffentlich wieder machen. Die Reha soll grundsätzlich gut verlaufen sein. Auch wenn Haliburton eine Gürtelrose bremste. Sehen wir bald wieder den vielleicht besten Point-Guard-Spielmacher der Liga auf seinem (annähernd) maximalen Niveau?
Max Marbeiter