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    NBA

    vor 9 Stunden

    Die Nuggets in der Offseason-Analyse

    Sparkurs um den besten Spieler der Welt: Kann das funktionieren?

    Nach dem Erstrunden-Aus gegen Minnesota haben die Denver Nuggets ihre Bank umgekrempelt, Peyton Watson ziehen lassen und auf Altstar DeMar DeRozan zum Mindestgehalt gesetzt. Nikola Jokic will erst im kommenden Sommer verlängern und erhöht damit den Druck auf alle Beteiligten. Reicht das im gnadenlosen Westen für einen neuen Titelanlauf?

    Nikola Jokic
    Nikola Jokic hat es in sechs MVP-Votings in Folge unter die besten Zwei geschafft. IMAGO/Eibner

    Auf dem Papier war es eine starke Saison. Mit 54 Siegen landeten die Nuggets auf Rang drei im Westen und stellten mit 121,2 Punkten pro 100 Ballbesitzen die beste Offensive der Liga. In der ersten Playoff-Runde ging es jedoch gegen die ersatzgeschwächten Minnesota Timberwolves mit 2:4 baden, nachdem Denver bereits in Spiel zwei einen 19-Punkte-Vorsprung aus der Hand gegeben hatte.

    Die Gründe lagen auch im Lazarett. Aaron Gordon kam nur auf 36 Einsätze, Jokic fehlte nach einer Knieverletzung Ende Dezember vier Wochen, und im entscheidenden sechsten Spiel saßen Gordon und Watson in Zivil auf der Bank. Jokic fand nach dem 98:110 deutliche Worte: "Wenn wir in Serbien wären, wären wir alle gefeuert", sagte der Serbe.

    Gefeuert wurde am Ende niemand, dafür aber gerechnet. Allein die Starting Five kostet in dieser Saison rund 185,8 Millionen Dollar, zumal der 125-Millionen-Vertrag von Christian Braun nun greift. Schon beim Draft sparte Denver: Den 26. Pick (Tarris Reed Jr.) gaben die Nuggets an die Spurs ab und holten dafür Pick 35 plus zwei künftige Zweitrundenpicks.

    Denver Nuggets: Was wurde in der Offseason gemacht?

    Mit Pick 35 zogen die Nuggets Forward Trevon Brazile, an Position 49 folgte Bryce Hopkins von St. John’s, der einen Two-Way-Vertrag erhielt. Der größte Einschnitt folgte Ende August: Restricted Free Agent Peyton Watson, zuletzt mit 14,6 Punkten und 41,1 Prozent Dreierquote der Senkrechtstarter im Kader, wechselte per Sign-and-Trade nach Cleveland. Dort unterschrieb er für vier Jahre und 88 Millionen Dollar. Denver erhielt dafür unter anderem den ungeschützten Erstrundenpick der Cavs von 2031.

    Auch sonst ist die Bank kaum wiederzuerkennen. Jonas Valanciunas wurde entlassen, bevor sein Gehalt von 10 Millionen Dollar garantiert wurde, und kehrte inzwischen zu Zalgiris Kaunas in seine Heimat Litauen zurück. Tim Hardaway Jr., mit 40,7 Prozent einer der verlässlichsten Distanzschützen, zog es nach Miami, und Allzweckwaffe Bruce Brown kämpft inzwischen im Trainingslager der Knicks um einen Kaderplatz.

    Die Lücken füllte das Front Office mit Schnäppchen. DeMar DeRozan, sechsmaliger All-Star und mit 26.711 Punkten auf Rang 16 der ewigen Scorerliste, kam für ein Jahr zum Veteranen-Minimum aus Sacramento und Marvin Bagley III. soll Valanciunas als Backup-Center ersetzen. Dazu kamen Alpha Diallo, in der Vorsaison bester Verteidiger der EuroLeague, und Tyus Jones als neuer alter Backup für Murray, während Denver beim Zweijahresangebot der Thunder für Spencer Jones (12 Millionen Dollar) mitzog.

    Denver Nuggets: Alle Zu- und Abgänge

    KategorieSpieler
    ZugängeDeMar DeRozan (Kings), Marvin Bagley III (Mavericks), Alpha Diallo (AS Monaco)
    AbgängePeyton Watson (Cavaliers), Tim Hardaway Jr. (Heat), Bruce Brown (Knicks), Jonas Valanciunas (Žalgiris Kaunas)
    DraftTrevon Brazile (#35), Bryce Hopkins (#49, Two-Way-Vertrag)
    Neue VerträgeSpencer Jones (2 Jahre, 12 Mio. Dollar, Angebot der Thunder gematcht), Tyus Jones (1 Jahr)

    Denver Nuggets: Die Ausrichtung der Franchise

    Die Marschroute lautet: das Jokic-Fenster offenhalten, ohne die Finanzen zu sprengen. Die komplette Starting Five mit Jokic, Murray, Gordon, Johnson und Braun ist beisammen geblieben.

    Über allem schwebt jedoch die Vertragsfrage des dreimaligen MVP. Jokic lehnte bereits in den vergangenen beiden Sommern eine Verlängerung ab und kündigte nun an: "Ich werde nächstes Jahr unterschreiben, wenn sie mich wollen." Im kommenden Sommer winkt ihm ein Fünfjahresvertrag über rund 350 Millionen Dollar.

    Im Front Office gibt man sich derweil gelassen. Basketball-Boss Ben Tenzer betonte gegenüber der AP, man habe "keine Bedenken", weder was Jokics Zukunft noch einen möglichen holprigen Saisonstart angehe. Für den Ernstfall hält Denver mit dem frischen Erstrundenpick von 2031 zumindest ein Tauschobjekt in der Hinterhand, mit dem sich bis zur Trade-Deadline nachjustieren ließe.

    Denver Nuggets: Die Stärken und Schwächen

    Solange Jokic auf dem Feld steht, ist Denver ein Titelkandidat. Mit 27,7 Punkten, 12,9 Rebounds und 10,7 Assists legte er erneut einen Triple-Double-Schnitt auf und landete im MVP-Rennen nur hinter Shai Gilgeous-Alexander. Murray steuerte 25,4 Punkte bei, und kein Spieler der Liga bediente einen einzelnen Mitspieler so oft wie Murray seinen Center mit 170 Assists.

    Die Offensive ist seit zehn Jahren in Serie unter den besten sieben der NBA, und daran dürfte sich wenig ändern. Braun meldete sich nach einem lädierten Sprunggelenk wieder fit, Gordon präsentierte sich in der Vorbereitung mit 25 Punkten gegen Chicago in Form und mit Cam Johnson, der im letzten Playoff-Spiel 27 Zähler auflegte, haben die Nuggets zudem einen dritten verlässlichen Scorer in der ersten Fünf. Die neue Bank ist zwar dünner, aber klarer sortiert. Tyus Jones gilt als einer der sichersten Ballverteiler der Liga, DeRozan kann sich seine Würfe selbst erarbeiten, und Bagley war in der Vorsaison effizienter als Valanciunas.

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    Das größte Problem bleibt die Defensive. Mit 116,0 zugelassenen Punkten pro 100 Ballbesitzen rangierte Denver in der Vorsaison nur auf Platz 21. Und dabei sind mit Watson und Brown ausgerechnet die beiden vielseitigsten Flügelverteidiger weg. Die Lücke soll nun Diallo soll die Lücke schließen.

    Auch die Spacing-Frage ist offen. Hardaway versenkte im Schnitt 2,8 Dreier pro Spiel - dessen Nachfolger DeRozan nahm hingegen nur 1,9 Distanzwürfe pro Partie und traf davon überschaubare 32 Prozent. Hinzu kommt das Thema Gesundheit. Gordon kämpfte zuletzt immer wieder mit Muskelproblemen und Julian Strawther fällt nach einer Knieverstauchung vorerst rund sechs Wochen aus.

    Denver Nuggets: Depth Chart

    PGSGSFPFC
    J. MurrayC. BraunC. JohnsonA. GordonN. Jokic
    T. JonesD. DeRozanA. DialloS. JonesM. Bagley III
    J. Strawther (verletzt)B. HopkinsT. BrazileD. Holmes II

    Denver Nuggets: Die Prognose

    Bleiben Jokic, Murray und Gordon gesund, sind erneut 50 Siege oder mehr realistisch. Ein Platz unter den ersten vier und damit Heimrecht in der ersten Runde sollte das Mindestziel sein, zumal die Offensive auch trotz der umgebauten Bank zu den besten der Liga gehören dürfte. Allerdings verzeiht der Westen keine Schwächephase. Mit den amtierenden Finalisten Spurs, Ex-Champion Thunder, den Lakers, Rockets und Timberwolves verfügt die Conference über jede Menge ambitionierte und talentierte Teams.

    Wie weit es in den Playoffs für Jokic und Co. geht, entscheiden erneut Defensive und Gesundheit. Der Sparkurs macht Denver zum Titelanwärter mit Sollbruchstelle. Ein deutlich tieferer Postseason-Run als in diesem Jahr wirkt daher eher unrealistisch.

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    Julius Ostendorf