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    NBA

    vor 9 Stunden

    Erste Saison nach der Draft-Lottery Reform

    Sechs Teams in der Bredouille: Die NBA hat jetzt einen "Abstiegskampf"

    Mit der Reform der Draft Lottery will die NBA verhindern, dass Teams absichtlich verlieren, um ihre Chancen auf die besten Talente zu erhöhen. Die drei Franchises mit der schwächsten Bilanz landen daher ab sofort in der Relegationszone und haben damit weniger Chancen auf einen Top-Pick beim Draft. Doch wen könnte es treffen? Und weshalb entkommen Moritz Wagners Nets wahrscheinlich?

    Milwaukee Bucks, Memphis Grizzlies, Brooklyn Nets, Sacramento Kings, Chicago Bulls, New Orleans Pelicans
    In der kommenden Saison will kein Team mehr im Tabellenkeller landen. Getty Images

    Sacramento Kings

    Das "Wird schon gut gehen"-Experiment, das eine Handvoll Veteranen zusammenwürfelte, um irgendwie mindestens soliden Basketball zu produzieren, ist vorbei. Domantas Sabonis und Zach LaVine bleiben zwar (vorerst), dennoch ändert sich Fundamentales.

    In Darius Acuff zogen die Kings beim Draft einen vielversprechenden Point Guard, um den herum sich ab sofort vieles drehen soll. Hinzu kommt Maxime Raynaud, der gerade gegen Ende seiner Rookie-Saison Hoffnung schürte. Auch Nique Clifford startete durchaus solide in seine NBA-Karriere.

    Sacramento besitzt also tatsächlich so etwas wie junges Talent. Gleichzeitig haben die drei noch einige Schritte zu gehen. Zumal gerade junge Point Guards häufig erst ein Gespür für die Liga entwickeln müssen, um effizient zu spielen. Sinnvoll wäre dennoch, Acuff die Schlüssel zum Team zu geben und die Veteranen - Malik Monk und Keegan Murray sind ebenfalls noch da - zuarbeiten zu lassen beziehungsweise mit ihren Stärken ein Ökosystem zu formen, in dem die Jungen wachsen können. Ob das funktioniert, ist die andere Frage.

    So entstanden vergangene Saison kaum Synergien zwischen Team und Coach Doug Christie. Zudem müssten gerade LaVine und Sabonis ihr Rollenverständnis anpassen. LaVine, der in sein letztes Vertragsjahr geht, könnte mit seinem Wurf Raum schaffen, Sabonis dank seiner Pass- und Abrollfähigkeiten mit Acuff ein solides Offensivtandem bilden.

    Nicht, dass es nicht funktionieren kann. Womöglich machen die Kings sogar durchaus Spaß. Am Ende befinden sie sich jedoch weiter in der Grauzone zwischen Zukunft und noch nicht losgelassener Gegenwart. Trades der großen Namen bleiben möglich. Vielleicht wird es aber auch eine Saison, in der Acuff ohne großen Druck lernen kann, ein NBA-Team zu führen. Rückkehrer Ben Simmons ist eine Wildcard, deren Einfluss nach einem Jahr Pause und zuvor steilem Absturz schwer einzuschätzen ist. Tendenz: Relegationsplatz.

    Cameron Boozer
    Cameron Boozer gilt als zentraler Baustein der kommenden Grizzlies-Jahre. Petre Thomas

    Memphis Grizzlies

    Memphis beschleunigte den Übergang. Jaren Jackson Jr. ging bereits im Februar nach Utah, Ja Morant folgte im Sommer und spielt kommende Saison in Portland. JJJs Abgang ließen sich die Grizzlies vor allem durch drei zukünftige First-Round-Picks versüßen, für Morant kamen Jerami Grant und Kris Murray. Entscheidend war aber, dass Memphis in der Lottery der dritte Pick und damit Cameron Boozer zuflog.

    Die Zukunft könnte damit gesichert sein. Zumal Memphis mit Cedric Coward, der in sein zweites Jahr geht, Jaylen Wells und Zach Edey bereits ein gewisses Talentfundament besitzt; wobei gerade letzterem eine zentrale Rolle zukommt. Wenn fit, verbesserte Edey das Team deutlich. Gleichzeitig plagten den Center bereits jetzt diverse (Fuß-)Verletzungen. Bei sehr großen Menschen, die alle zwei, drei Tage Basketball spielen sollen, ungünstig.

    Die Hoffnung ist, dass Edey langfristig einsatzbereit ist. Dann kann er mit Boozer ein höchst potentes Frontcourt-Duo bilden. Durch Isaiah Stewart, einen der besseren Backup-Bigs der vergangenen Jahre, der aus Detroit kam, versicherten sich die Grizzlies gleichzeitig gegen weitere Verletzungen - und holten mit Quinten Post gleich noch einen weiteren Großen. Sollte sich Edey erneut verletzen, stünde Memphis auf den großen Positionen also nicht blank da.

    Grundsätzlich bleibt das Team jedoch sehr jung. Im Vordergrund steht die Entwicklung, die die Veteranen Grant, Stewart und auch Ty Jerome fördern sollen. Als Point Guard dürfte Scotty Pippen Jr. starten. Im tiefen Westen schreit das deutlich mehr nach Lottery als nach Play-in. Tendenz: Kampf gegen den Relegationsplatz.

    Moritz Wagner
    Die nächste deutsche Enklave: Auch in Brooklyn geht mit Moritz Wagner ab sofort ein DBB-Spieler auf Korbjagd. Vincent Carchietta

    Brooklyn Nets

    Die Nets unternahmen im Sommer durchaus Anstrengungen, damit sie nicht in der Relegation landen. Als die Wolves unbedingt LaMelo Ball wollten, hängte sich Brooklyn an den Deal und nahm Julius Randle auf. Die Zukunft wird der zwar nicht groß beeinflussen, dafür sollte er mit Michael Porter Jr. nach dessen exzellenter Vorsaison ein gefährliches Forward-Duo bilden.

    Kombiniert mit Egor Demin, der während seiner Rookie-Saison als einer überzeugte, der werfen (38,5 Prozent Dreier) und verteidigen kann, hat Brooklyn damit ein solides Fundament. Nachdem während ihres Premierenjahres weder Nolan Traore noch Ben Saraf zündeten, wählten die Nets mit dem sechsten Pick 2026 zudem Mikel Brown Jr., einen weiteren Point Guard.

    Sofern er nicht direkt Superstar-Potenzial aufs Parkett kleckert, trübt ein Rookie auf der Eins die Aussichten gern ein wenig. Gleichzeitig findet Brown Jr. mit Porter Jr. und Randle verlässliche Anspielstationen, mit Demin zudem einen guten Schützen. Center Day’Ron Sharpe arbeitet nach seiner Verlängerung weiter unter den Brettern, während Moritz Wagner offensive Vielseitigkeit bringt.

    In Kombination mit Jordi Fernandez' gutem Coaching, das die Nets in der Vergangenheit bereits häufig besser spielen ließ, als es viele erwarteten, entsteht so kein herausragendes, aber womöglich ein unangenehmes Team, das nicht zwingend um Playoffs oder Play-in spielt, aber auch nicht ganz unten landen sollte. Tendenz: Kein Relegationsplatz.

    Tyler Herro (r.) und Jaime Jaquez Jr. (l.)
    Tyler Herro (r.) und Jaime Jaquez Jr. (l.) sind zwei der Spieler, die im Zuge des Antetokounmpo-Trades nach Milwaukee gekommen sind. IMAGN IMAGES via Reuters Connect

    Milwaukee Bucks

    Tyler Herro ist gut. Jaime Jaquez Jr. ist gut. Kel’el Ware bringt Potenzial. Doch keiner der drei ist - Überraschung - Giannis Antetokounmpo. Anders formuliert: Nach dem Abgang ihres jahrelang Herausragenden befinden sich die Bucks mitten im Rebuild.

    Rund um Herro, Jaquez Jr., Myles Turner und Ryan Rollins, der vergangene Saison seinen Durchbruch feierte, lässt sich ein solides Team bauen - wohl aber keines, das wahnsinnig viele Spiele gewinnt. Zumal der Osten so tief daherkommt wie lange nicht.

    Milwaukees Problem: Schlechte Leistungen helfen eher den anderen. Die Pelicans erhalten den besseren Pick aus ihrem und dem der Bucks. Atlanta bekommt den zweitbesten. Landet er in den Top 4, erhalten die Pelicans sogar beide. Am Ende spielen die Bucks also ein Übergangsjahr, in dem sie a) wenig aufregendes Talent für die Zukunft besitzen - wobei Rookie Nate Ament durchaus Potenzial mitbringt und auch Ware interessant wird, wenn er seine Möglichkeiten bereitwilliger nutzt - und b) nicht einmal profitieren, wenn sie verlieren.

    Vielleicht gewinnt auch niemand den ganz großen Preis. Gut möglich, dass zumindest die Lottery-Chancen der anderen auf einen Top-Pick durch Milwaukee ein Stück sinken. Denn, Tendenz: Relegationsplatz.

    Tiago Splitter
    Nach einer soliden Saison mit den Portland Trailblazers führt Tiago Splitter ab sofort in Chicago Regie. picture alliance / ASSOCIATED PRESS

    Chicago Bulls

    Endlich scheint es in Chicago wieder so etwas wie eine Zukunft zu geben. Nummer-4-Pick Caleb Wilson und Matas Buzelis könnten eines der aufregenderen Forward-Duos der Liga bilden. Nimmt man Josh Giddeys Passfähigkeiten hinzu, entsteht womöglich ein extrem unterhaltsames Team - das allerdings nicht zwingend gut sein muss.

    Bryson Graham, neuer Executive Vice President of Basketball Operations, kam im Sommer, um der Franchise wieder einen langfristigen Plan und dazu eine Strategie zu verpassen. Genau das scheint zu passieren. Wilson zu draften, war nach allen Prognosen nahezu folgerichtig - außenrum scheint vieles einer klaren Idee zu folgen.

    Mit Tiago Splitter kam ein Coach, der für sein Entwicklungsgefühl bekannt ist. Dazu holte Chicago mit Nic Claxton einen langen, athletischen Center - und selbst der gerade durchgezogene Trade für Buddy Hield ergibt Sinn. Der ehemalige Warrior dürfte Chicago zwar nicht viele Spiele gewinnen, mit seinem exzellenten Wurf trägt er jedoch zu einer fruchtbaren Umgebung bei, von der Wilson und Buzelis profitieren sollten.

    Dass Hield kein sonderlich guter Verteidiger ist? Zweitrangig. Mit ihm haben zwei, die unglaublich gern Richtung Zone gehen, potenziell mehr Platz. Das sollte helfen. Heute. Vor allem in Zukunft. Und darum geht es. Nur darum. Zumal Chicago beim Draft gemäß der neuen Lottery-Regeln ein zweites Mal in Folge in den Top 5 auswählen dürfte. Daher Tendenz: Kampf gegen den Relegationsplatz.

    Zion Williamson
    Zion Williamson steht vor seiner achten NBA-Saison. Matthew Hinton

    New Orleans Pelicans

    Theoretisch haben die Pelicans gar nicht so wenig Kompetenz. Dejounte Murray sah während der 14 Spiele nach seinem Achillessehnenriss durchaus solide aus. Hinzu kommen mit Herb Jones einer der besseren Flügelverteidiger, mit Trey Murphy ein weiterer Wing, der werfen, cutten und verteidigen kann, mit Saddiq Bey ein hart spielender, gut verteidigender Rollenspieler sowie Zion Williamson. Ein solides Fundament, dem New Orleans im Sommer Bennedict Mathurin, potenzielle Mikrowelle von der Bank, hinzufügte.

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    Daher sind selbst im Westen mehr als die 26 Siege aus der Vorsaison keine Voll-Utopie. Zumal mit Jeremiah Fears und Derik Queen zwei warten, die als Rookies zwar definitiv Schwierigkeiten hatten, die im zweiten Jahr qua Talent aber auch einen Sprung machen könnten. Gerade, wenn das Team ein stringenteres Korsett bietet.

    Fragen stellt natürlich weiter die Gesundheit. Murray, Zion und Jones waren in der Vergangenheit immer wieder verletzt. Auch Murphy gilt nicht als Ironman. Es könnte also erneut schnell bergab gehen. Rein vom Potenzial her gilt jedoch, Tendenz: kein Relegationsplatz.

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    Max Marbeiter