vor 14 Stunden
Matchup spielt Cleveland in die Karten
Zehn Tage Pause für New York, zwei für Cleveland - und völlig unterschiedliche Ausgangslagen: Während die Knicks mit einem Net-Rating von +26,4 durch die Playoffs marschierten, ging es für die Cavs zweimal ins Spiel 7. Wer profitiert stärker vom Rhythmusbruch? Schafft es Dennis Schröder mit seinem Team erstmals in die Finals?

Die vergangenen Wochen hätten für New York und Cleveland kaum unterschiedlicher sein können. Die Knicks waren gegen Atlanta zunächst durchwachsen gestartet (1-2), gewannen aber die folgenden sieben Spiele bis dato am Stück! Auf den 4-2-Erfolg gegen die Hawks folgte ein überraschender Sweep gegen völlig überforderte und zermürbte Philadelphia 76ers. Die sieben zurückliegenden Partien gewannen die Knicks mit einer fast unglaublichen Differenz von +26,4.
Und auch im Vergleich aller Playoff-Mannschaften ist die Mannschaft von Trainer Mike Brown ganz vorne anzufinden: Zweitbestes Offensivrating, zweitbestes Defensivrating, bestes Net-Rating. Ebenfalls für sie dürfte die Fitness sprechen: Vor dem Auftakt in die Conference Finals hatten die Knickerbockers satte zehn Tage frei.
Ganz anders die Situation bei den Cavaliers, die bereits 14 Spiele auf dem Buckel haben und eine Erholungsphase von lediglich zwei Tagen. Mit hohen Erwartungen in die Postseason gestartet, konnten die Cavs nie ihre letzten Zweifel aus dem Weg räumen - insbesondere wegen häufig inkonstanter Leistungen.
Dass es die Franchise nach fast einem Jahrzehnt dennoch wieder ins Endspiel ihrer Conference geschafft hat, war zuletzt einer überzeugenden Leistung in Spiel 7 in Detroit zuzuschreiben. Mit 31 Punkten Vorsprung besiegte man den Gewinner der Abschlusstabelle auf dessen Homecourt. Es war nicht nur offensiv, sondern auch defensiv der möglicherweise überzeugendste Auftritt seit Beginn der Saison-Endrunde.

Noch ist unklar, ob Flügelspieler OG Anunoby nach seiner Oberschenkel-Verletzung zum Auftaktspiel in die Mannschaft zurückkehren wird. Zumindest konnte er bereits wieder vollständig mit der Mannschaft trainieren. Der Brite hatte sich mit 21,4 Punkten pro Spiel zu einem Schlüsselspieler für New York aufgeschwungen.
Ausgleichen konnte das Team den Verlust besonders durch Mikal Bridges, der in den Conference-Finals besonders im Fokus stehen wird. Nach einem holprigen Playoff-Auftakt (7,2 PPG) erhöhte der Power Forward seinen Output in den fünf vergangenen Partien auf 18,8 Zähler bei starken 75,7 Prozent True Shooting.
Noch wichtiger ist sein Einfluss aber möglicherweise am defensiven Ende gewesen. Aufgrund der lateralen Schnelligkeit schafft er es nahezu alle Positionen auf hohem Niveau zu decken. Eine Kostprobe bekam jüngst Tyrese Maxey zu spüren. Gegen Cleveland sind die Knicks erneut auf Bridges‘ Allround-Fähigkeiten angewiesen. Das Tandem Mitchell/Harden gilt für New York als nicht ideal, verfügt das Team schließlich nicht über die besten Guard-Verteidiger.
Entsprechend ist ein Schlüssel für die Cavs, dieses Vakuum für sich zu nutzen und Jalen Brunson so oft wie möglich mit dem Duo zu attackieren. Mit seinen 1,88 Meter hat der Aufbauspieler der Knicks klare Größennachteile, dazu fehlt es ihm an Athletik.
Noch wichtiger dürfte aber das Zusammenspiel auf den großen Positionen sein. Das Center-Paar Jarrett Allen und Evan Mobley funktionierte zuletzt besser und erhielt auch zunehmend gemeinsame Minuten auf dem Feld. Gegen New York dürfte es darauf erneut hinauslaufen, um der Größe des Gegners (durch Towns und Robinson) etwas entgegenzusetzen.

Die Doppel-Center-Strategie könnte Towns, der in den Playoffs bisher starke 17,4 Punkte, 10,0 Rebounds sowie 6,6 Vorlagen erzielt, sein zuletzt wichtigstes Element entziehen. Der 30-Jährige fungierte in den ersten beiden Runden primär als Hub, der im Zentrum stehend die Bälle verteilt und damit aktuell so viele Assists ausschenkt, wie noch nie in seiner Karriere. Vor allem gegen die 76ers zeigten sich die Vorzüge dessen, weil es den gegnerischen Big Man weg vom Korb zog.
Towns ist ein zu starker Werfer, um ihn einfach stehen zu lassen. Gleichwohl verfügen die Cavs nun über gleich zwei große Leute unter dem Korb. Vernachlässigt wird diese Position also auch bei enger Deckung nicht. Dabei wird es stark auf den Einfluss von Evan Mobley ankommen, der in der Zweitrundenserie gegen Detroit (und Jalen Duren) unter Beweis stellte, wieso er im vergangenen Jahr noch zum besten Verteidiger der NBA gekürt wurde.
Starke Guards, mehrere physische Center - das Matchup Cleveland ist für die Knicks nicht ideal. Dennoch erwies sich das Team aus dem Big Apple in den beiden ersten Runden als überzeugend konstant. Jalen Brunsons 27,4 Punkte pro Spiel sind der dritthöchste Wert der laufenden Postseason.
Konstanz ist hingegen bislang keine Stärke der Cavs gewesen. Das lag auch daran, dass mit Fortschreiten der Serien die Leistungen von James Harden traditionell abgenommen haben. Nach zwei Serien über die volle Distanz ist auch in den Conference Finals nicht mit einem schnellen Sieg Clevelands zu rechnen.
Im ersten Duell könnte New York ob der langen Spielpause noch Rosterscheinungen davontragen. Je länger sich die Serie allerdings hinzieht, desto mehr dürfte sich die Erholungspause auszahlen.
Prognose: Knicks in 6
Julius Ostendorf