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    Basketball - BBL

    vor 13 Stunden

    Die Löwen im Kadercheck

    Schröder greift durch: Wie Braunschweig den Neustart in der BBL schaffen will

    Vor einem Jahr gehörten die Basketball Löwen Braunschweig noch zu den größten Überraschungen der BBL. Zwölf Monate später waren sie sportlich abgestiegen und mussten 800.000 Euro für ihre Rettung aufbringen. Dennis Schröder hat daraufhin mehr Einfluss angekündigt und den Kader fast vollständig umbauen lassen. Doch reicht die neue Mischung, um den nächsten Abstiegskampf zu verhindern?

    Dennis Schröder ist alleiniger Gesellschafter Basketball Löwen Braunschweig.
    Dennis Schröder ist alleiniger Gesellschafter Basketball Löwen Braunschweig. IMAGO/Jan Huebner

    Kaum ein Bundesligist erlebte innerhalb eines Jahres einen derart heftigen Absturz. In der Saison 2024/25 führte Jesus Ramirez die Basketball Löwen Braunschweig auf den dritten Platz der Hauptrunde. Man spielte schnell, aggressiv und mutig, entwickelte mehrere junge Spieler weiter und qualifizierte sich erstmals seit 20 Jahren wieder für einen europäischen Wettbewerb. Ramirez, inzwischen in Bamberg, wurde anschließend zum Trainer des Jahres gewählt.

    Im Viertelfinale war gegen Würzburg zwar Schluss, die Richtung schien aber eindeutig: Braunschweig hatte sich von einem Ausbildungsverein zu einem Playoff-Team entwickelt. Dennis Schröders Ziel, die Löwen langfristig unter den besten Klubs Deutschlands zu etablieren, wirkte gar nicht mal so unrealistisch.

    Dann verließ Ramirez den Verein trotz eines bis 2027 laufenden Vertrags. Der Spanier bat im Juli 2025 um die Freigabe, um Casademont Zaragoza in der spanischen ACB zu übernehmen. Der Zeitpunkt mitten in der Kaderplanung war für Braunschweig besonders ungünstig. Der bisherige Assistent Kostas Papazoglou wurde zum Nachfolger befördert, konnte die vorherige Entwicklung aber nicht fortsetzen.

    • Alle Spielerprofile der Löwen im Überblick
    • Der gesamte Spielplan von Braunschweig 2026/27

    Auf dem Feld fehlten nach vielen Veränderungen die klare Rollenverteilung und die defensive Stabilität der Vorsaison. Verletzungen verschärften die Probleme. Nach einer Serie von sechs Niederlagen trennte sich der Klub im Februar von Papazoglou. Kurzzeitig sprang Schröders langjähriger Förderer Liviu Calin ein, anschließend übernahm Ramon Diaz Sanchez. Auch der Spanier konnte den sportlichen Abstieg nicht mehr verhindern. Braunschweig beendete die Saison in der BBL auf dem 17. Platz.

    Löwen Braunschweig: 800.000 Euro für eine zweite Chance

    Dass die Löwen trotzdem weiter in der Bundesliga spielen, verdanken sie einer besonderen Konstellation in der ProA. Die Kirchheim Knights erreichten das Finale, hatten aber keine Lizenz für die BBL beantragt. Dadurch wurde ein Startplatz frei. Weil Braunschweig vor dem ebenfalls abgestiegenen Heidelberg gelandet war, besaßen die Löwen im Wildcard-Verfahren den Vorrang. Der Klub musste dafür allerdings 800.000 Euro aufbringen. Dennis Schröder und die weiteren Gesellschafter und Partner ermöglichten gemeinsam die Finanzierung der Wildcard. Der Hauptgesellschafter erklärte, zuvor bereits mehr als zwei Millionen Euro in den Klub investiert zu haben.

    Kam von den Villanova Wildcats am College nach Braunschweig: Devin Askew.
    Kam von den Villanova Wildcats am College nach Braunschweig: Devin Askew. IMAGO/ZUMA Press Wire

    Neuer Backcourt mit großem Fragezeichen

    Braunschweig hat seine Mannschaft nahezu vollständig ausgetauscht. Unter anderem verließen Kaza Kajami-Keane, Bryant Crawford, Barra Njie, Grant Sherfield, Josh Hawley, David N’Guessan, Luka Scuka und Simi Shittu den Klub. Auch Joshua Obiesie und Philipp Hartwich wechselten innerhalb der BBL nach Bamberg beziehungsweise Rostock. Aus der bisherigen Kernrotation blieben lediglich Ferdinand Zylka, Benjamin Schröder und Kapitän Chip Flanigan. Der Forward besitzt inzwischen die deutsche Staatsbürgerschaft und belegt damit künftig keinen Importplatz mehr.

    Die Verantwortung im neuen Backcourt übernehmen vor allem Devin Askew und Sheldon Edwards. Askew erzielte bei Villanova 9,8 Punkte, 2,6 Rebounds und 2,1 Assists und traf 40,6 Prozent seiner Dreier. Der "Sixth Man of the Year" der Big East kann beide Guardpositionen übernehmen, war am College aber kein klassischer Spielmacher. Nach den Abgängen von Kajami-Keane und Crawford fehlt deshalb ein nachgewiesener BBL-Point-Guard.

    Edwards bringt Scoring und Athletik mit. Für die Texas Legends kam er in der G League auf 10,5 Punkte und 3,3 Rebounds, seine Quoten von 35,6 Prozent aus dem Feld und 31 Prozent von außen waren jedoch ausbaufähig.

    Beweglicher Frontcourt und schmale deutsche Achse

    Unter dem Korb setzen die Löwen auf Athletik und unterschiedliche Profile. Der 2,02 Meter große Zaba Bangala war mit 16,8 Punkten, 8,8 Rebounds und 2,4 Assists einer der besten Big Men der BNXT League. Tajh Green steuerte in Bulgarien 12,2 Punkte, 7,6 Rebounds und 1,5 Blocks bei. Beide können physisch spielen, schnell zum Korb abrollen und defensiv mehrere Gegnertypen übernehmen, müssen ihre Produktion aber erst auf BBL-Niveau bestätigen.

    Felipe Haase ergänzt das Duo als Stretch-Big. Der chilenische Nationalspieler erzielte für die Mexico City Capitanes rund zehn Punkte und vier Rebounds und traf etwa 35 Prozent seiner Dreier. Der erfahrene Eddy Edigin bringt nach 194 BBL-Spielen zusätzliche Physis und Stabilität. Ein klassischer großer Ringbeschützer fehlt nach Hartwichs Abgang allerdings.

    Die deutsche Rotation führen Ferdinand Zylka und Benjamin Schröder an. Zylka erzielte zuletzt 8,8 Punkte und bleibt der verlässlichste etablierte Distanzschütze, Schröder kam auf 5,4 Zähler und soll offensiv den nächsten Schritt machen. Rückkehrer Gian Aydinoglu erreichte mit Kirchheim das ProA-Finale, muss sich nach 4,7 Punkten, zwei Assists und schwachen Wurfquoten aber erneut in der BBL beweisen. Lennart Römer, Romario Holloway, Leonhard Laar, Cavit Gürbüzer und Noah Eklou komplettieren die junge deutsche Achse.

    Basketball Löwen Braunschweig: Depth Chart

    PositionStarterBackupWeitere Optionen
    PGDevin AskewGian AydinogluLennart Römer
    SGSheldon EdwardsFerdinand ZylkaEsli Edigin
    SFBenjamin SchröderChip FlaniganRomario Holloway
    PFFelipe HaaseTajh GreenChip Flanigan
    CZaba BangalaEddy EdiginTajh Green

    Prognose: Mehr Athletik, aber weiter große Fragezeichen

    Braunschweigs neuer Kader wirkt physischer, schneller und defensiv vielseitiger. Die größte Schwachstelle bleibt aber das Playmaking. Askew könnte die Offensive führen, ist aber ein Rookie. Edwards und Zylka sind eher Scorer oder Combo-Guards, Aydinoglu hat sich noch nicht als BBL-Spielmacher etabliert. Auch beim Distanzwurf fehlt die Sicherheit.

    Mit nur fünf besetzten Importplätzen können die Löwen noch reagieren. Ein erfahrener Point Guard würde viele Fragen beantworten und den jungen Ballhandlern Druck nehmen. Ohne weitere Verstärkung müssen mehrere Neuzugänge ihre bisherigen Rollen sofort deutlich vergrößern.

    Braunschweig erscheint besser auf den Abstiegskampf vorbereitet als vor einem Jahr, bleibt nach dem XXL-Umbruch aber eine Wundertüte. Für das gesicherte Mittelfeld müssen Askew, Edwards und Bangala einschlagen. Realistischer ist zunächst erneut der Kampf um den Klassenerhalt.

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    Lukas Hetterich