vor 2 Stunden
Vom Sweep zum Albtraum
Nach zwei Siegen in Folge hat sich die Dynamik der Serie komplett verschoben. Die Houston Rockets stehen gegen die Los Angeles Lakers zwar weiterhin mit dem Rücken zur Wand (2-3), doch plötzlich ist das Szenario nicht mehr völlig unrealistisch. Kann Houston tatsächlich Geschichte schreiben und als erstes Team überhaupt ein 0-3 drehen?

Noch vor wenigen Tagen wirkte die Serie entschieden. Die Los Angeles Lakers führten 3-0 und ein Sweep lag in der Luft. Doch seit Spiel 4 hat sich das Bild gedreht.
Der wichtigste Faktor ist das Momentum, und das liegt aktuell klar bei Houston. Aussagen wie die von Alperen Sengün, man könne "Geschichte schreiben", spiegeln das Selbstverständnis eines Teams wider, das plötzlich daran glaubt. Houston hat sich aus einem 0-3-Loch zurückgekämpft und tritt mittlerweile mit der Überzeugung auf, die bessere Mannschaft zu sein.
Während Houston als Kollektiv funktioniert, offenbart sich bei den Lakers genau das Problem, das auch Shaquille O'Neal kritisierte: zu viel "Hero Ball". Die Rockets bringen konstant fünf Spieler in Double Figures, bewegen den Ball besser und treffen ausgewogenere Entscheidungen. Die Lakers dagegen leben aktuell zu stark von Einzelaktionen, vor allem vom 41-jährigen LeBron James. Houston kontrolliert dann Tempo und Rhythmus und L.A. verliert Struktur, vor allem in der Crunchtime.

Die Entwicklung lässt sich klar an zwei Faktoren festmachen: Zum einen ist die Dreierquote der Lakers nach starken ersten drei Spielen komplett eingebrochen. In den letzten beiden Partien traf Los Angeles nur noch rund 24 Prozent von außen. Zum anderen bleiben die Turnover ein Problem, wie die 15 Ballverluste in Spiel 5 (zuvor sogar 23) zeigen, die Houston konsequent in einfache Punkte ummünzt. Diese Kombination nimmt den Lakers ihre offensive Effizienz, die sie zu Beginn der Serie ausgezeichnet hat. Daran konnte auch der zurückgekehrte Austin Reaves nichts ändern, der mit 22 Punkten zwar gut scorte, aber nur 25 % aus dem Feld und von der Dreierlinie traf.
Besonders bemerkenswert bei der gesamten Gemengelage ist, dass die Houston Rockets das alles ohne Kevin Durant schaffen. Stattdessen hat sich eine klare Rollenverteilung herausgebildet. Spieler wie Jabari Smith Jr., Tari Eason oder Reed Sheppard liefern konstant Beiträge und Alperen Sengün organisiert das Spiel als vielseitiger Big Man. Diese Ausgeglichenheit macht Houston schwer ausrechenbar und gibt dem Team eine Stabilität, die den Lakers aktuell fehlt.

Für Los Angeles wächst damit der Druck von Spiel zu Spiel. Historisch spricht weiterhin alles für die Lakers, denn noch nie hat ein Team in der NBA ein 0-3 aufgeholt. Gleichzeitig sind Teams von LeBron James, der selbst noch nie nach 2-0-Führung verlor, dafür bekannt, solche Serien zu kontrollieren. Doch dieser Kontext macht die Situation auch so brisant, denn mit jeder weiteren Niederlage steigt der mentale Druck, nicht als erstes Team in die Geschichte einzugehen, das einen solchen Vorsprung verspielt.
Doch James brachte die Ausgangslage auf den Punkt: "Es ist ein Spiel", sagte er. "Man gibt Anerkennung, wo Anerkennung gebührt. Sie haben die letzten beiden Spiele gut gespielt, außergewöhnlich gut, und wir müssen Antworten finden."
Denn den Lakers bleibt noch immer der Vorsrpung und die Chance, die Serie mit dem nächsten Sieg zu ziehen. Für die Rockets sind zwei weitere Siege nötig, um das Unmögliche möglich zu machen, selbst ein Spiel 7 ist erst vier von 159 Teams gelungen, die mit 0-3 zurücklagen. Ein historisches Szenario ist damit zumindest nicht mehr ausgeschlossen, doch ebenso schwer vorstellbar ist es, dass die Lakers weitere zwei (damit insgesamt vier) Niederlagen in Serie kassieren.
Lukas Hetterich