29.05.2025
Andere Traditionsvereine wollen folgen
Zwei Finalteilnehmer, die auch wirklich in die Bundesliga aufsteigen - das gab es in der Pro A in den letzten Jahren nicht oft. Mit Trier und Jena haben es in diesem Jahr zwei Vereine geschafft, die sich mittelfristig wieder in der BBL etablieren könnten.

Sportlich mag das Finale der Pro A am Donnerstag und Samstag keine Bedeutung mehr haben, sowohl die Vet-Concept Gladiators Trier als auch Science City Jena stehen nach ihren gewonnenen Halbfinalserien als Aufsteiger fest - und werden tatsächlich auch beide hochgehen. Was an und für sich schon eine kleine Besonderheit ist.
In den letzten Spielzeiten zog sich nämlich eine (zugegebenermaßen unschöne) Tradition beinahe wie ein roter Faden durch die Pro A: Zwei Teams standen naturgemäß im Finale, am Ende stieg trotzdem nur einer auf. Der Grund? Nicht alle Vereine beantragten die Lizenz - oder bekamen sie aufgrund der hohen Auflagen der BBL nicht zugesprochen. So wurde in der Vorsaison Karlsruhe überraschend Meister, trat in der aktuellen Spielzeit aber erneut in der 2. Liga an - und verpasste die Runde der letzten Acht.
In den vergangenen sechs Jahren nahmen sogar nur einmal (!) beide Aufsteiger im Folgejahr einen Platz in der BBL ein. Vor zwei Jahren war das, mit Tübingen stieg einer von ihnen als Letzter aber sofort wieder ab. Der sportliche Kampf um Auf- und Abstieg? Ad absurdum geführt. Und das, obwohl die Pro A seit Jahren in der Spitze wie auch in der Breite immer stärker wird.
Die beiden diesjährigen Finalisten ließen seit Saisonbeginn keinen Zweifel daran, endlich in die BBL zurückkehren zu wollen. Trier, 2015 nur durch Insolvenz nach 25 Jahren aus der BBL abgestiegen, war im Vorjahr als Hauptrundenmeister noch dramatisch in eigener Halle im Halbfinale an Frankfurt gescheitert. "Wir haben sehr viel Arbeit investiert und viele gute Entscheidungen getroffen in den letzten zwei Jahren und sind jetzt einfach nur stolz", freute sich Coach Jacques Schneider im SWR nach dem Halbfinal-Sweep gegen Hagen.
Jena, das 2016 gegen die Gladiators erst zum zweiten Mal aufgestiegen war, dominierte die Hauptrunde von Beginn an. "Wir sind in die Saison mit einem Ziel gestartet: aufzusteigen", betonte Ex-Nationalspieler Robin Christen nach dem entscheidenden Spiel in Gießen im MDR. Auch die Thüringer warteten seit dem Wiederabstieg 2019 auf den erneuten Sprung in die Beletage. Aber nicht nur aufgrund der Erstligavergangenheit ist beiden erneut zuzutrauen, sich im Oberhaus zu etablieren.
So rüsteten beide Vereine schon für die Saison in der Pro A personell mächtig auf und wollen den Stamm ihres Kaders auch in die BBL mitnehmen. Jenas Coach Björn Harmsen, bereits bei den bisherigen zwei Aufstiegen führte er Regie, holte mit Ulms Christen und dem früheren BBL-MVP Raymar Morgan prominente Namen an die Saale. In Chris Carter, bereits mit Vechta, Chemnitz und Rostock aufgestiegen, kam zudem ein echter Aufstiegsexperte. Im Saisonverlauf legte man dann auch noch mit dem früheren Rostocker Aufstiegshelden Tyler Nelson, der sich zwischendurch aber wieder verletzte, nach.
Mit nur vier Niederlagen stand nach der Hauptrunde souverän der Platz an der Sonne - in den Play-offs blieb Science City abgesehen von der Niederlage in Spiel 1 des Halbfinals gegen Gießen ungeschlagen. Ein Buzzer Beater von Topscorer Zach Cooks, der in der Partie 30 Punkte auflegte, sicherte im vierten Aufeinandertreffen der "extrem schweren Serie" (Harmsen) gegen die 46ers dann den Aufstieg.

Die Trierer, nach der Hauptrunde trotz holprigem Saisonstart Tabellenzweiter, müssen sich mit ihrem Kader aber keinesfalls vor den Thüringern verstecken. Der Kern um den iranischen Nationalspieler Behnam Yakhchali, Ex-DBB-Center Maik Zirbes und weitere Leistungsträger wie Point Guard Marcus Graves oder Marten Linßen und Clay Guillozet wurde im Saisonverlauf mit den Nachverpflichtungen von Ex-Rostocker Jordan Roland und Amir Hinton, 2023/24 für Jena drittbester Scorer der Liga, weiter verstärkt. Die meisten von ihnen besitzen auch Verträge für die BBL.
So treffen in den beiden Finalspielen die individuell stärksten und tiefsten Kader der Liga aufeinander. Die Moselaner konnten Science City in beiden Hauptrundenspielen schlagen, im Hinspiel drehte man einen hohen Rückstand auswärts noch in einen Sieg - vor eigenen Fans gab es einen 101:74-Blowout.
Obwohl der sportliche Wert des Finales gering ist, wartet ein Duell auf Augenhöhe - und mit Symbolcharakter. Schließlich ist die Frage, wie sich die beiden in der 2. Liga offensiv überragenden Mannschaften eine Etage höher schlagen können, die interessantere. In den vergangenen Jahren konnten sich einige Klubs - die auch aufsteigen wollten - in der BBL etablieren. Mit Hamburg, Chemnitz, Rostock und Heidelberg hielten vier langjährige Zweitligisten nach ihrem Aufstieg immer die Klasse.
Mehr noch: Chemnitz gewann 2024 den FIBA Europe Cup und trat in dieser Saison erstmals in der Champions League an, Hamburg spielt seit Jahren regelmäßig im EuroCup, die Heidelberger erreichten in dieser Saison erstmals die Play-offs und dort direkt das Halbfinale, auch Rostock schnupperte in der Saison 2023/24 schon internationale Luft.
Ein entscheidender Grund, neben wachsenden Budgets? Eine ausreichend große und moderne Halle, durch die natürlich auch weitere Erlöse eingespielt werden können. In sieben Jahren muss diese mindestens 4.500 Zuschauer fassen können. Schließlich will die BBL in den kommenden Jahren (Stichwort "Strategie 2032") wachsen. Die Trierer SWT-Arena, vor über 20 Jahren auch wegen des Bundesliga-Basketballs gebaut, kommt da mit einer Kapazität von mindestens 5.400 Plätzen locker drüber. Auch in der Pro A kamen in der Hauptrunde rund 4.200 Zuschauer im Schnitt. Die Gladiators sind damit unangefochtener Zuschauerkrösus - und in der Hinsicht reif für die BBL.

In Jena hingegen könnte es hallentechnisch mittelfristig eng werden, auch wenn die Sparkassen-Arena mit über 3.000 Plätzen aktuell noch den Anforderungen entspricht. Ähnliche Probleme haben auch die Traditionsstandorte Gießen und Hagen, die diese Saison im Halbfinale scheiterten - und eher kurz- als langfristig wieder hoch wollen. Die Gleichung, die für einige aktuelle BBL-Standorte auch gilt, lautet wohl: ohne neue Halle keine langfristige Zukunft in der Bundesliga.
Da die BBL auch die Mindestetats für die Teams vorschreibt (für die nächste Saison liegt der bei vier Millionen Euro) sei ein zeitnaher Aufstieg auch die ideale Chance, mit der BBL "mitzuwachsen", betonte Triers Geschäftsführer und Präsident Achim Schmitz schon seit Saisonbeginn immer wieder. Wenn man es denn schafft, dann auch die Klasse zu halten.
Die aktuelle Bundesligasaison hat wieder eins gezeigt: Die BBL wird im Tabellenmittelfeld immer ausgeglichener und unberechenbarer. Mit den beiden Aufsteigern kommen nun neue Konkurrenten dazu, die den Weg von Chemnitz & Co. ebenfalls gerne einschlagen würden. Und andere Pro-A-Ligisten wollen in Zukunft mit Sicherheit nachziehen, wenn sie denn die hohen Standards erfüllen.
Amadeus Wolff