vor 10 Stunden
Ein breites Feld im Kampf um die Playoffs
Am heutigen Freitagabend startet die Zweitligasaison. Zuvor lohnt sich in einem Power-Ranking ein Blick auf alle Teams. Neben zwei Favoriten birgt die mit Tradition geladene Liga, in der acht Teams ProA-Rookie-Coaches anstellten und viel Umbruch stattfindet, erneut reichlich Überraschungspotenzial.

Nach einer ProB-Traumsaison zog es die Topscorer gen College oder vermehrt zum BBL-Team (Meissa Faye, Teo Milicic). Aufstiegscoach Florian Flabb ging nach Crailsheim. So sind die Jungspatzen, bei denen US-Spielmacher C. J. Anthony (24 Jahre) und der französische Flügelspieler Lucas Fischer (22) die ältesten sind, der ProA-Underdog. Der Kader wimmelt von Talenten wie 2,11-m-Toptalent Juom Maker Bol (17, von Baskonia) sowie Jugendnationalspielern wie Felix Kielhlneker (17) und Marko Volf (16).
Der Wildcard-Aufsteiger von 2025 verlor erneut sämtliche Leistungsträger. Von den Nachfolgern erwies sich noch niemand als Leistungsträger auf ProA-Level. Gerade die Deutschen, von denen stets zwei auf dem Feld stehen müssen, überzeugten bisher primär in der ProB. Zu einer weiteren Hypothek könnte der sanierungsbedingte Umzug nach Lemgo werden. Toptalent Leonard Kröger, U18-EM-All-Star und Albert-Schweitzer-Turniersieger, könnte nach starkem ProA-Debüt noch mehr Verantwortung erhalten.
Nach einer mit Platz neun überzeugenden Vorsaison verließen alle Leistungsträger die Mittelfranken. Geschäftsführer und Übergangscoach Ralph Junge gab sein Traineramt an Rookie-Coach und Ex-BBL-Topscorer Tim Black ab. Somit müssen fast alle Beteiligten ihre ProA-Klasse noch unter Beweis stellen.

Nach sieben Jahren endete im März die Ära von Coach Felix Banobre, der die Ruhrstädter mit dreierfreudigem Tempobasketball von Liga drei in die ProA-Playoffs führte. Der ehemalige Co-Trainer Alvaro Sanchez soll eine neue Ära einleiten, bei der einmal mehr viel Last auf Ex-BBL-Spielmacher Niklas Geske liegt. Daneben müssen sich neben dem Coach auch fast alle Spieler zunächst auf ProA-Level behaupten.
Mit neuem Sportdirektor (Felix Hilgart aus Frankfurt), neuem Trainer (Vincent van Sliedregt) und bis auf zwei Langzeitverletzte auch neuem Kader sind die Oberfranken eine Wundertüte. Die Vorbereitung verlief mit Ausfällen und nur einem Sieg gegen Ulm 2 maximal holprig. Die deutsche Achse um die schon lange verletzten Moritz Plescher und Nic McClain (von Top-College Belmont), Simon Hildebrandt (kanadischer Meister) und dem auch oft verletzten Joshua Bonga (Bruder von Isaac) hätte Potenzial.
EuroLeague bis 2035? Geschäftsführer Dieter Homscheidt verlautbarte in Sport Bild nach dem Einstieg von US-Datenanalyse-Firma Sage Sports von Sacramentos Ex-NBA-Analyst Collin Montague hohe Ambitionen: "Die anderen Klubs sollten sehen, dass sie in der kommenden Saison aufsteigen. Weil übernächstes Jahr werden wir ganz oben mitmischen". Den Klub zunächst etablieren sollen mitunter Ex-BBL-Routiniers Craig Moller und J. J. Mann, die es nach schweren Knieverletzungen in die ProA zog.
Die Quakenbrücker stellten in der Vorsaison die Topscorer (Amir Hinton und Ben Burnham), den Top-Rebounder (Burnham) und den Assistkönig (Buzz Anthony). Von diesem magischen Dreieck blieb nur Anthony, der künftig die erprobten ProA-Scorer Jonathan Klussmann und Naz Bohannon sowie den kanadischen Flügel-Allrounder Jamal Fuller bedienen soll. Die Vorbereitung verlief sehr holprig mit vielen Ausfällen. Zudem bleibt abzuwarten, ob auf den großen Positionen Klasse und Shooting ausreichen.
Nach einer kurzen BBL-Rückkehr landete Tübingen schnell im grauen ProA-Mittelfeld. Felix Banobre ist inklusive dem nun gegangenen Sportdirektor Eric Detlev der vierte Trainer, der die Tigers aus dem Sumpf ziehen soll. Gelingen soll dies mit drei erprobten ProA-Leistungsträgern mit Aiden Warnholtz, Tim Smith und Melki Moreaux, der laut GEA in der Vorsaison von Chemnitz umworben wurde. Für Banobres Tempostil gibt es viel Shooting. An einem Top-Spielmacher und Physis könnte es mangeln.

Nach dem verpassten Wiederaufstieg backt der Traditionsklub vorerst kleinere Brötchen. Auf der Saisonauftakt-PK gab Geschäftsführer Frank Meinertshagen die Playoffs als Saisonziel aus. Der Etat sei gesunken trotz immerhin noch "zwischen drei und 3,5" Millionen Euro. Der neue Coach Martins Gulbis setzt auf hohe Intensität. Es gibt aber nur neun gestandene Profis, und nur Zach Jackson, BBL-Routinier Mathis Mönninghoff und Omar Pajic waren in jüngerer Vergangenheit Leistungsträger auf ProA-Level.
35 Spieler und vier Headcoaches brachten die Rheinländer in ihren ersten beiden ProA-Spielzeiten an den Start, bevor es in der Vorsaison mit Platz 14 ruhiger zuging. Coach Stephan Dohrn implementierte einen aggressiven und temporeichen Stil, zu dem der neue, mit viel Athletik gespickte Kader um den rumänischen Nationalspieler Dragos Diculescu noch besser passen könnte. Bis 2028/29 möchte der Klub in die BBL aufsteigen. Ein Kampf um die Playoffs könnte dafür ein realisierbares Etappenziel sein.
Das erfahrene Trainerduo um Demond Greene und Sasa Nadjfeji erlebte im Vorjahr einen harten Start mit dem Saisonaus von Scorer Zac Owens in der Offseason und sechs Niederlagen aus den ersten acht Spielen. Owens-Nachfolger Isaiah Hart führte die Löwen noch auf Platz acht. Nun soll er zusammen mit Owens für Furore sorgen. Viel Athletik steckt im Kader um Ex-BBL-Talente wie Kilian Binapfl und Jason George, der nach Dopingsperre 2025/26 sein Comeback gab. Shooting und Struktur sind Fragezeichen.

Sportchef Chris Schmidt merkte schon 2024 in der Westfalenpost Bedenken an, "wie lange sowas funktionieren kann". Zwei Jahre später stand der Kleinstadtklub historisch zum zweiten Mal im ProA-Finale - und konnte den Aufstieg infrastrukturell erneut nicht realisieren. In 18 ProA-Jahren gab es nur einmal Abstiegskampf. Das Erfolgsduo aus Schmidt und Coach Igor Perovic findet stets neue Diamanten. Ex-BBL-Spieler wie Julius Wolf, Nico Bretzel, Christoph Philipps und Johannes Patrick bringen Stabilität.
Der neureiche Klub aus Wolmirstedt und Magdeburg möchte bis 2030 zu einer BBL-Organisation reifen. Trotz vier Punkten Abzug, zu denen weder Klub noch Liga Näheres publik machte, peilt Sportlicher Leiter Kevin Magdowski die Playoffs an. Mit Ex-BBL-Spieler Kyndahl Hill sowie ProA-Stars Brock Gardner und Kenny Cooper holten vielleicht nur Gießen und Heidelberg mehr Renommee. BBL-Legende John Bryant macht sich nach Achillessehnenriss fit. Laut Volksstimme ist eine Verpflichtung denkbar.
Nach einem gesicherten zwölften Platz hielt der Klub von Geschäftsführer und Ex-Europameister Stephan Baeck in Person von Cedric Russell, Björn Rohwer und Rekonvaleszent Haris Hujic drei Leistungsträger. Mit Spielmacher Antonio Williams (Bochum) kam einer der stärkeren ProA-Scorer, mit Biggie Patterson und Kris Monroe Dominatoren aus Österreich. Auch infrastrukturell tut sich einiges: Das moderne Trainingszentrum steht ohnehin seit Jahren, bis 2027 laut Express vielleicht auch die neue Halle.
Nach dem knapp verpassten Aufstieg zog es Erfolgscoach Steven Esterkamp gen BBL. Dort assistierte Nachfolger Ferried Naciri zuletzt, nachdem er in zwei Jahren in den Niederlanden mit Leeuwarden je Vorletzter wurde. Seine Eisbären haben viel Athletik und Talent mit vielen Rookies und den deutschen ProA-Säulen Garai Zeeb, Vincent Friederici, Jordan Samare, Tyreese Blunt, Rekonvaleszent Hendrik Warner und später nach Afrika-Reise Adrian Breitlauch. Es gilt, das Talent zu einem Team zu formen.
Turbulente Monate liegen hinter den Merlins: Zunächst wechselte Coach David McCray auf Ludwigsburgs Sportdirektor-Posten. Dann wurde nach nur einer Rückrundenniederlage der Aufstieg im Viertelfinale gegen Gießen verspielt. Der neue Coach Florian Flabb musste so unverhofft einen weiteren ProA-Kader basteln mit Sportdirektor Bogdan Radosavljevic, von dem sich der Klub dann nach Ende der Rekrutierung trennte. Das runderneuerte Team umfasst viel ProA-Renommee mit Hendrik Drescher, Simon Krajcovic, Lucas Mayer, Luc van Slooten und Flabbs einstigem Düsseldorfer Aufstiegsmacher Booker Coplin. Kreation, Athletik im Backcourt und die allgemeine Passung der Puzzleteile sind Fragezeichen.

Das unverhoffte ProA-Comeback gehen die Neckarstädter mit reichlich Aufstiegserfahrung an: Joschka Ferner, Kevin McClain, Lorenz Brenneke, Erol Ersek, Chuck Harris und Lokalmatador Niklas Würzner waren schon wichtiger Teil sportlich erfolgreicher BBL-Aufstiegsmissionen, außerdem blieb Ex-Nationalspieler Paul Zipser. Nick Muszynski war einst für Kirchheim ein ProA-Topcenter. Flügel-Allrounder Frank Champion dominierte in Finnland und birgt Potenzial. Der verbliebene ProA-Rookie-Coach Carlos Finetti, der einst immerhin fast in Italiens erste Liga aufstieg, muss nun ein Team formen. Eventuell mangelt es der Spitze an absoluter Topklasse. Mit erst drei belegten internationalen Spots ließen sich Nachverpflichtungen aber reibungslos integrieren.
Auf die formulierte Ambition, "die Gießen 46ers bis 2030 unter den besten zwölf Klubs Deutschlands zu etablieren", folgte ein ernüchternder siebter Platz, der in den Playoffs fast noch vergoldet wurde, aber im Halbfinale gegen Kirchheim doch wieder in Ernüchterung umschlug. Damit der Aufstieg nun realisiert wird, installierte Coach und ProA-Urgestein Frenki Ignjatovic (18 ProA-Saisons) ein bewährtes Aufstiegsduo: 2024/25 waren Zach Cooks (zuletzt Bonn) und Chris Carter die effektivsten Jenaer bei einem der dominantesten Aufstiege der ProA-Historie (+16,0 Korbdifferenz pro Spiel). Ex-DBB-Kapitän Robin Benzing ist weiter dabei. Abzuwarten bleibt, ob die Athletik im Frontcourt ausreicht und wie sich Ignjatovic auf einen für ihn eher ungewohnt guardreichen Kader mit potenziell viel Dynamik einstellt.
Lukas Feldhaus