26.07.2024
Wer kann die USA schlagen?
Es ist vielleicht das beste Olympische Basketball-Turnier, dass es jemals gab. Die Teams sind gespickt mit herausragenden Spielern, dazu thront das neue Dream Team der USA über allem. Mittendrin: Weltmeister Deutschland, der sich auch Medaillenchancen ausrechnet. Berechtigt? Wir machen das große Power Ranking.

Anmerkung: Neben den Platzierungen haben wir auch Stufen mit eingebaut. Teams innerhalb einer Stufe liegen so nahe beieinander, dass es gute Argumente gibt, die Plätze zu tauschen. Die Redaktion hat sich schließlich auf einzelne Plätze festgelegt. Nicht berücksichtigt wurde dabei, wer in welcher Gruppe spielt. Nach dieser Logik hätte ein Team aus Gruppe A (Griechenland, Australien, Kanada, Spanien) zu den letzten drei Mannschaften gehören müssen. Dem ist bei diesem Ranking aber nicht so.
| Gruppe A | Gruppe B | Gruppe C |
|---|---|---|
| Kanada | Frankreich | USA |
| Australien | Deutschland | Serbien |
| Griechenland | Brasilien | Puerto Rico |
| Spanien | Japan | Südsudan |
FIBA-Ranking: 26
Der Asienmeister dürfte es schwer haben, auch nur annähernd mitzuhalten. Zwar ist im Vergleich zur WM Rui Hachimura wieder mit dabei, das ändert aber nichts an dem Umstand, dass der Großteil des Teams seinen Gegnern physisch unterlegen sein wird. Die Guards sind zu klein, dafür aber immerhin wieselflink. Wenn die Japaner ein Spiel gewinnen, dann mit einer Fabelquote von draußen. Denn klar ist auch: Japan wird es von der Dreierlinie regnen lassen, das ist ihre einzige Chance.
FIBA-Ranking: 33

Der Südsudan hat in London gegen die USA gezeigt, dass man kein Fallobst ist. Ex-Bulls-Spieler Luol Deng hat zusammen mit Head Coach Royal Ivey exzellente Aufbauarbeit geleistet, sodass die Afrikaner auch bei Olympia durchaus konkurrenzfähig sein werden. Point Guard Carlik Jones überzeugte bereits bei der WM, dazu verfügt der Kader über jede Menge Spieler aus Australien und teilweise aus der EuroLeague. Mit seiner Athletik wird der Südsudan sehr unangenehm zu bespielen sein.
FIBA-Ranking: 16
In der gleichen Gruppe C wie der Südsudan befindet sich auch Puerto Rico, das beim heimischen Qualifikationsturnier mal eben Italien und Litauen putzten. Mit den heimischen Fans im Rücken spielten die Puerto Ricaner unglaublich schnell und oft mit kleinen Lineups. In Tremont Waters, Jose Alvarado und Jordan Howard gibt es gleich drei Guards, die kaum größer als 1,80 Meter sind. Dazu gibt es nur einen Spieler über 2,03 (George Conditt IV). Auch Puerto Rico wird sein Heil im Small Ball suchen, gegen Serbien und die USA stehen die Chancen damit aber sehr schlecht.
FIBA-Ranking: 12
Die Südamerikaner setzten sich im vermeintlich ausgeglichensten Quali-Turnier in Lettland durch und sind mal wieder ein kleines Dark Horse. Brasilien ist tough, hat Shooting auf allen Positionen und ist eingespielt. Dazu kommt die Erfahrung von Marcelinho Huertas (41) oder Center Cristiano Felicio (32). Star der Mannschaft ist Ex-Ulmer Bruno Caboclo, dazu stehen mit Yago dos Santos und Georghinho de Paula weitere ehemalige Ulmer im Kader. Brasilien wird gegen Deutschland und Frankreich Außenseiter sein, ist aber immer für eine Überraschung gut. Das mussten unter anderem die Kanadier bei der WM 2023 erfahren (65:69).
FIBA-Ranking: 14
Giannis Antetokounmpo ist mit dabei - und sonst? Das Fehlen von Point Guard Kostas Sloukas ist bitter (er verzichtete, weil er am Quali-Turnier nicht teilnehmen konnte), mit Nick Calathes und Thomas Walkup sind die Hellenen aber solide bestückt. Antetokounmpo gibt dem Team wieder eine neue Dimension, vieles wird letztlich davon abhängen, ob die Dreier fallen. Im Quali-Turnier in Athen war das der Fall, unter anderem wurden Luka Doncics Slowenen ordentlich vermöbelt. In der Todesgruppe A wird man sich aber keinerlei Off Days erlauben können.
FIBA-Ranking: 2

Es ist der letzte Tanz für die Legenden Rudy Fernandez (39) und Sergio Llull (36), die weiterhin wichtig für dieses Team sind. Es zeigt auch: Die Zeiten großer spanischer Teams sind vorbei, dennoch darf man die Iberer natürlich nicht unterschätzen. Point Guard Lorenzo Brown - der heimliche MVP der EuroBasket 2022, als Spanien überraschend triumphierte - ist wieder mit dabei. So ein Spieler fehlte bei der WM. Die Mannschaft von Head Coach Sergio Scariolo wird wieder über mannschaftliche Geschlossenheit und Toughness kommen, dennoch fehlt vermutlich an der Spitze die Qualität.
FIBA-Ranking: 5
Die Vorbereitung der Boomers war stark, unter anderem wurden Frankreich und Serbien geschlagen und auch gegen die USA war man lange im Spiel. Josh Giddey wird mehr und mehr zum Fixpunkt, dazu verfügen die Australier über jede Menge athletische NBA-Spieler wie Josh Green, Dyson Daniels oder Dante Exum. Oldie Patty Mills hatte zuletzt zwar etwas Probleme, dafür ist im Vergleich zur WM Center Jock Landale wieder mit dabei und füllt so eine Lücke. Die Mischung aus alter (Ingles, Dellavedova, Mills) und neuer Garde (Giddey, Daniels, Green) ist interessant, die Aussies sind im erweiterten Favoritenkreis.
FIBA-Ranking: 9
Wo geht’s hin, Les Bleus? Die anfängliche Euphorie um den Gobert/Wembanyama-Frontcourt ist nach vier Testspiel-Pleiten in Serie etwas verflogen, dennoch ist mit Frankreich dank ihrer Defense zu rechnen. Es bleibt die Frage, wie gut die Offense sein kann? Auf Guard wird noch immer der alternde Nando de Colo (37) gebraucht, dazu ist Evan Fournier (31) nicht mehr der FIBA-Killer vergangener Tage. Die vergangenen beiden Turniere waren trotz Silber bei der EM vor zwei Jahren schwach, allerdings war da Wembanyama noch nicht mit dabei. Der 20-Jährige trägt inzwischen viel Verantwortung, auf ihm ruhen alle Hoffnungen, defensiv wie offensiv.
FIBA-Ranking: 7
Shai Gilgeous-Alexander, Jamal Murray und R.J. Barrett als Scorer, dazu Defensiv-Spezialisten wie Dillon Brooks oder Lu Dort. Kanada ist inzwischen gespickt mit guten NBA-Spielern und hat den Kader im Vergleich zum Vorjahr noch einmal aufgepimpt (Murray, Trey Lyles, Andrew Nembhard). Dünn wird es nur auf den großen Positionen, dazu bleibt die Frage, ob genügend Shooting zur Verfügung steht. Das kann ein Problem werden, allerdings wird SGA vieles mit seiner individuellen Klasse überdecken. Kanada ist ein klarer Medaillenkandidat.
FIBA-Ranking: 3
Der Weltmeister kommt mit Selbstvertrauen, Automatismen und einer nochmal tieferen Mannschaft als im Vorjahr. Fast alle Leistungsträger befinden sich im perfekten Basketball-Alter, dazu hat der DBB mit Franz Wagner (22) einen aufstrebenden Star, der die vergangene halbe WM verletzungsbedingt verpasste. Deutschland ist variabel, hat viele Antworten auf verschiedene Spielstile sowie eine bärenstarke Defense, die Grundlage für alles ist. Dennis Schröder bleibt der Fixstern, Andi Obst ist als X-Faktor von draußen schon wieder treffsicher. Die Starting Five steht und wenn dann auch von der Bank genügend kommt, ist auch diesmal eine Medaille drin.
FIBA-Ranking: 4
Im Vorjahr reichte es auch ohne Nikola Jokic zum WM-Finale, nun ist der womöglich beste Basketballer der Welt (auch wenn es nicht alle Serben so sehen) wieder mit dabei. Entsprechend groß sind die Erwartungen auf dem Balkan, auch weil mit Vasa Micic ein weiterer wichtiger Spieler wieder mit an Bord ist. Ähnlich wie Deutschland sind die Serben sehr lang und spielen meist mit zwei Bigs, die allesamt werfen können. Dazu kommt unter Coach Svetislav Pesic eine klare Rollenverteilung. Bogdan Bogdanovic und Jokic sind die Stars, alle anderen arbeiten für sie. Diese Mannschaft ist eine Maschine, auch wenn sie vor zwei Wochen von den USA deutlich in die Schranken gewiesen wurde.
FIBA-Ranking: 1
Ist diese Mannschaft besser als das Dream Team 1992? Eine müßige Diskussion. Fakt ist, dass dies ein absoluter Deluxe-Kader mit wenigen Schwächen ist, der aber auch nicht eingespielt ist. LeBron James hat sich mit 39 Jahren als Alpha herauskristallisiert, dazu überzeugte die Bank mit den Defensiv-Monstern Anthony Davis und Bam Adebayo. Es ist schwer vorstellbar, dass diese Truppe wirklich schlagbar ist. Es ist die Suche nach dem Haar in der Suppe: Es fehlen Automatismen, das Shooting von der Bank kommend ist nicht optimal, Kevin Durant ist noch immer verletzt und Joel Embiid muss sich erst zurecht finden. Das sind Dinge, die allen anderen elf Teams Hoffnung machen - doch selbst dann sind die USA qualitativ so gut besetzt, dass sie trotzdem mit großem Abstand der Favorit auf Olympisches Gold sind.
Robert Arndt