06.09.2025
Sieht sich als einer der besten Big Men
Offensiv ist Portugal die wohl limitierteste verbliebene Mannschaft im EM-Turnier. Der Schlüssel für das Erreichen des Achtelfinals war die Defensive - und Neemias Queta.

Fünf Spiele, fünf Siege. Dazu noch sehr deutliche. Die deutschen Basketballer sind durch ihre EM-Gruppe gepflügt und präsentierten sich dabei vor allem im neuen offensiven System als gut geölte Maschine. Die 105,8 Punkte pro Spiel sind ein deutlicher Bestwert unter allen Teilnehmern der Europameisterschaft (2. Slowenien 93,8 PPG).
Im Achtelfinale steht das DBB-Team mit Portugal nun einer Mannschaft gegenüber, die in dieser Hinsicht das komplette Gegenteil darstellt. In den fünf bisherigen Partien brachten die Iberer im Schnitt gerade einmal 63 Punkte zustande - der zweitniedrigste Wert aller Teams, nur vor Zypern.
Warum es Portugal zum ersten Mal seit 20 Jahren dennoch wieder ins Achtelfinale schafften? Eine solide Defensive und Anker Neemias Queta. Der 2,13 Meter große Center ragt aus einem, hauptsächlich aus Akteuren der ersten portugiesischen Liga zusammengestellten Kader nicht nur optisch heraus.
Ob Queta, der zweifellos die Anlagen eines dominanten Big Man mitbringt, sein Potenzial auch wirklich ausschöpfen kann, wurde aus gutem Grund bezweifelt. In seinen vier Jahren in der größten Basketballliga der Welt verpasste er schließlich fast zwei Drittel aller Spiele verletzungsbedingt. So richtig auf sich aufmerksam konnte er deshalb nie machen.
Wie Queta selbst kürzlich erklärte, liege diese Zeit nun aber hinter ihm: "Ich habe mich in dieser Offseason genug ausgeruht und ich glaube, dass ich in der Lage für eine Breakout-Saison bin. Ich habe das Potenzial, um mit den Besten mitzuhalten", sagte er gegenüber Eurohoops.
Dass sich Queta in einer Top-Verfassung befindet, stellte er in den bisherigen Spielen eindrucksvoll unter Beweis. Beim wichtigen EM-Auftakt gegen Tschechien wusste er gegen den deutlich kleineren Martin Kriz (2,00 Meter) sein klares Missmatch auszunutzen. Während sein Gegenspieler am Ende des Abends das schlechteste Net-Rating aller Tschechen verbuchte (-15), stand Queta mit einer Monster-Statline von 23 Punkten, 18 Rebounds und vier Blocks da.
Deutschland ist in dieser Hinsicht ähnlich wie Tschechien aufgestellt. Seit dem verletzungsbedingten Ausfall von Johannes Voigtmann lässt der deutsche Trainerstab klein spielen. Isaac Bonga auf der Vier, Daniel Theis auf der Fünf (beide 2,03 Meter).
Zweifelsohne ist das DBB-Team aber auch im Falle eines starken Queta der klare Favorit. Das weiß der Big Man ebenfalls: "Sie sind aus gutem Grund Weltmeister." Wie man Deutschland dennoch wehtun könne? "Wir müssen das Spiel langsam machen. Wir müssen physisch agieren und dürfen ihnen keine einfachen Punkte in Transition anbieten."
Die Chance, das Vorhaben in die Tat umzusetzen, bietet sich Neemias Queta und Co. heute ab 14.15 Uhr (MagentaSport und RTL).
Julius Ostendorf