vor 8 Stunden
Offseason der Suns in der Analyse
Die Phoenix Suns haben in der vergangenen Saison die Erwartungen übertroffen, schnell wurden sie aber von ihrer düsteren Realität eingeholt. Trotz einer aktiven Offseason ist die Franchise im Niemandsland gefangen und muss sich mit der Frage beschäftigen, ob ein Trade von Devin Booker die einzige Lösung ist.

Nach den vielen turbulenten Offseasons der vergangenen Jahre war es in diesem Sommer relativ ruhig um die Phoenix Suns. Der mit Abstand größte Move war dabei der Trade für Forward Miles Bridges, der wohl schon seit Jahren ein Wunschspieler der Verantwortlichen bzw. Besitzer Mat Ishbia (er ging ebenfalls auf die Michigan State University) war. Im Gegenzug mussten die Suns mit Grayson Allen und Royce O'Neale zwei Leistungsträger des Vorjahrs ziehen lassen.
In Phoenix ist er nun Teil einer relativ dünnen Forward-Rotation, die sich nach den Verlängerungen von Dillon Brooks und Haywood Highsmith in den nächsten Jahren zusammen weiterentwickeln soll. Hinter den drei genannten Veteranen folgen mit Ryan Dunn, Neuzugang Koa Peat und Rasheer Fleming drei sehr unerfahrene Spieler auf den Flügeln.
Im Backcourt sieht die Situation dagegen deutlich komfortabler aus. Devin Booker und Jalen Green sind gesetzt, dahinter wurde die Rotation durch Luke Kennard und Par Spencer sinnvoll ergänzt, dazu bekamen die beiden Youngster Collin Gillespie (4 Jahre, 48 Mio.) und Jordan Goodwin (3 Jahre, 19 Mio.) teamfreundliche Verlängerungen.
Zugänge: Luke Kennard (Lakers), Pat Spencer (Warriors), Miles Bridges (Hornets), Koa Peat (Mavericks)
Abgänge: Grayson Allen (Hornets), Royce O'Neale (Hornets)
Verlängerungen: Dillon Brooks (3 Jahre, 73 Mio.), Haywood Highsmith (1 Jahr, 3 Mio.), Collin Gillespie (4 Jahre, 48 Mio.), Jordan Goodwin (3 Jahre, 19 Mio.), Mark Williams (3 Jahre, 38 Mio.)
| PG | SG | SF | PF | C |
|---|---|---|---|---|
| C. Gillespie | D. Booker | D. Brooks | M. Bridges | O. Ighodaro |
| J. Goodwin | J. Green | L. Kennard | K. Peat | K. Maluach |
| J. Bouyea | R. Fleming | R. Dunn | D. Reath | |
| (M. Williams) |
Nachdem sie in der Vorsaison die meisten Erwartungen übertroffen und ein physisches, unangenehm zu spielendes Team waren, stehen sie in dieser Spielzeit vor einem Scheideweg. Der Kader sieht auf dem Papier ordentlich aus, hat aber das "Problem", im Westen zu spielen, der vor talentierten und jungen Teams nur so strotzt.
Auch durch den Trade für Bridges ist das Ceiling des Teams nicht besonders gestiegen, weshalb man sich in Phoenix fragen muss, wie es eigentlich weitergehen soll. Wollen sie über Jahre zum Mittelmaß der Liga gehören oder einmal komplett einreißen und neu aufbauen? Durch die ganzen Fehltritte mit KD, Beal und Co. sieht die Zukunft immer noch düster aus, erst 2032 haben sie wieder Kontrolle über ihren eigenen Erstrundenpick. Dazu kommen die finanziellen Verpflichtungen aufgrund des Dead Caps von Beal (19,4 Mio. jährlich bis 2030!).
Ishbia ist jedoch nicht dafür bekannt, gerne in den Rebuild zu gehen und langsam aufzubauen. Er wird wohl lieber ein einigermaßen kompetitives Team stellen wollen, wie es die Chicago Bulls über Jahre vorgemacht haben. Vielleicht nimmt Booker ihnen die Entscheidung aber ja auch ab und fordert einen Trade, zuletzt gab es immer wieder Gerüchte über das Interesse potenzieller Abnehmer (vor allem Golden State). Trotz seines dicken Vertrags ist der Shooter immer noch einer der besten auf seiner Position, der Gegenwert des bald 30-Jährigen dürfte in den kommenden Jahren aber eher niedriger als höher werden.
Dazu ist das Talent innerhalb des restlichen Teams nicht riesig. Brooks und Bridges sind überdurchschnittliche Flügel, beide sind aber Ü28 und nicht zwingend Teil der nächsten goldenen Suns-Generation (wann auch immer die kommt). Der Backcourt ist dagegen jung und hungrig, jedoch noch zu unerfahren. Vor allem Green ist auch immer noch den Beweis schuldig, dass er seine 35 Mio. jährlich wert ist.

Die größte Schwachstelle des Teams ist aber die Center-Position. Oso Ighodaro und Khaman Maluach wirken noch nicht bereit, Vollzeit auf der Fünf aufzulaufen. Diesen Job soll ja eigentlich auch Mark Williams übernehmen, der Big scheint aber von Verletzungen verfolgt zu sein und wird noch mehrere Monate fehlen.
Gleichzeitig ist Shooting ein großes Thema in Arizona. Mit Allen und O'Neale haben zwei der besten Schützen das Team verlassen, vor der voraussichtlichen Starting Five hat in der Vorsaison kein einziger Spieler mehr als 34 (!) Prozent von draußen getroffen (Booker: 33 %, Green: 31 %, Brooks: 34 %, Bridges: 33 %). Hier wird zwar die Bank um Kennard und Gillespie Abhilfe leisten, kann aber auch nicht das ganze Shooting alleine stemmen.
Unter Head Coach Jordan Ott sind die Suns ein unangenehmes Team geworden, was sie auch in dieser Saison wieder zeigen werden. Da sie ihre Picks nicht kontrollieren, werden sie wieder alles in die Wagschale werfen und um die hinteren Play-In-Plätze mitspielen, mehr ist realistisch aber nicht drin.
Wollen sie wirklich irgendwann den nächsten Schritt machen, ist ein kompletter Rebuild die einzig realistische Möglichkeit. Währenddessen sollten sie aber erstmal darauf hoffen, dass ihre jungen Spieler den nächsten Schritt machen und sich das Fundament der Zukunft dadurch abzubilden beginnt. Aktuell ist die Franchise nämlich im Niemandsland gefangen.
Gianluca Fraccalvieri