vor 10 Stunden
Orlando in der Offseason-Analyse
Nach der nächsten enttäuschenden Saison stehen die Orlando Magic vor der nächsten richtungsweisenden Position. Neu-Coach Sean Sweeney soll mit dem Team endlich den nächsten Schritt gehen, viel Zeit bleibt ihm aber nicht.

Die Offseason der Orlando Magic war in Sachen Spielerbewegung in diesem Sommer sehr ruhig. Moritz Wagner, der zu den Brooklyn Nets gewechselt ist, ist der einzige Abgang des Teams und wurde positionsgetreu durch Nikola Vucevic ersetzt.
Dadurch hat Orlando eine ihrer lautesten Stimmen von der Bank und einen absoluten Energiebolzen verloren, dazu spielt auch Franz Wagner das erste Mal in seiner NBA-Karriere ohne seinen Bruder. Aufgrund der finanziellen Situation war Wagners Gehalt aber schlichtweg nicht zu stemmen, weshalb mit Vucevic ein alter Bekannter seinen Job nun erledigen muss. Der Montenegriner ist ein deutlich besserer Schütze als Wagner, defensiv aber auch viel anfälliger.
Der große Knall erfolgt in Orlando hingegen neben dem Spielfeld. Nach fünf Saisons in Orlando war den Verantwortlichen klar, dass Jamahl Mosley nicht der Mann ist, der das Team als Head Coach auf die nächste Stufe tragen kann. Das hatte sich am Ende der Regular Season schon abgezeichnet, das Aus gegen die Detroit Pistons in Runde eins (zum dritten Mal in Folge!) hat sein Schicksal aber besiegelt.
Als Ersatz kam Sean Sweeney, der zuletzt der wichtigste Assistenzcoach der San Antonio Spurs war und in Orlando seine erste Chance als Head Coach erhält. Er soll die Bosse bei den Interviews begeistert haben und kommt mit hohen Erwartungen zu den Magic, schließlich stand er sowohl 2024 (mit den Mavs) als auch 2026 als Trainer in den Finals.
Zugänge: Nikola Vucevic (Celtics), Jevon Carter (Bulls)
Abgänge: Moritz Wagner (Nets)
| PG | SG | SF | PF | C |
|---|---|---|---|---|
| Jalen Suggs | Desmond Bane | Franz Wagner | Paolo Banchero | Wendell Carter Jr. |
| Jevon Carter | Anthony Black | Jamal Cain | Tristan da Silva | Nikola Vucevic |
| Jase Richardson | Noah Penda | Goga Bitadze | ||
| Alex Morales | Jonathan Isaac | Izaiyah Nelson | ||
| Colin Castleton |
Man kann ohne Frage (mal wieder) von einem Make-or-Break-Jahr bei den Magic sprechen. Die designierte Starting Five aus Wagner, Jalen Suggs, Desmond Bane, Paolo Banchero und Wendell Carter Jr. ist eine der teuersten der Liga, stand vergangene Saison aber gerade einmal 19 Spiele zusammen auf dem Parkett.
Dort überzeugten sie zwar (Net-Rating von +11,6), am Ende sprang aber dennoch nur eine enttäuschende Bilanz von 45-37 heraus, was das Problem des Teams über die vergangenen Jahre verdeutlicht. Auf dem Papier haben sie ein großes Potenzial, können dies in den entscheidenden Phasen bisher aber nicht auf den Court übertragen. Und langsam läuft ihnen die Zeit davon.
Vier ihrer fünf Starter verdienen noch mehr als 100 Millionen Dollar während ihres aktuellen Vertrags, kein anderes NBA-Team hat zudem vier Spieler, die 32 Mio. oder mehr pro Jahr einsacken. Dazu wird zur nächsten Saison auch noch Anthony Black kommen, der in sein letztes Vertragsjahr geht und sich mit seinen starken Auftritten einen Kontrakt im Bereich von Suggs verdient hat (150 Mio. über fünf Jahre).
Bereits jetzt sind die Magic aber schon das viertteuerste Team der Liga und zahlen ordentlich Luxussteuern. Das machen die meisten Besitzer zähneknirschend, wenn es entsprechend gut läuft, das kann man von den Magic aktuell aber nicht behaupten,
Unter Coach Sweeney muss das Team in diesem Jahr schlichtweg den nächsten Schritt machen und einen tiefen Playoff-Run zeigen, was im deutlich stärker gewordenen Osten aber wahrlich nicht einfacher geworden ist. Falls dieses Unternehmen erneut scheitert, dürfte das Team im Sommer 2027 auseinanderbrechen.

Da der Kader im Vergleich zur Vorsaison fast gleich geblieben ist, bleiben auch die gleichen Probleme. Wagner und Banchero sind individuell gesehen zwei der besten Flügel der Liga, sind aber immer noch den Beweis schuldig, dass sie zusammen das erhofft dominante Duo bilden können.
Beide sind körperlich starke Forwards, die am liebsten durch Drives in die Zone punkten und einen wackeligen Wurf haben. Sie würden von guten Schützen um sie herum profitieren, mit Ausnahme von Bane (39,1 Prozent) und Tristan da Silva (37,4 Prozent) traf in der Vorsaison aber keiner der wichtigen Rotationsspieler mehr als 35 Prozent von draußen.
Sweeney bringt zwar eine große Expertise für die Offensive und Defensive mit, kaum vorstellbar aber, dass er bessere Schützen aus dem Hut zaubern wird. Stattdessen wird er die Magic aber hoffentlich mit klarerer Hand führen, als das sein Vorgänger Mosley zu oft getan hat. Einbrüche wie in Spiel 6 gegen die Pistons oder im letzten Saisonspiel das B-Team der Celtics sind nicht tolerierbar.
Eine weitere Achillesferse des Teams bleibt die ganze große Position. Wendell Carter Jr. scheint seine Verletzungsprobleme zwar überstanden zu haben, spielt aber deutlich weniger Minuten als die Star-Bigs der Liga. Dahinter ist die Rotation mit Vucevic, Giga Bitadze und Jonathan Isaac ziemlich dünn, was zu Problemen gegen die dominanten Ost-Center (Embiid, Towns, Zubac, Barnes, Mobley) führen könnte.
Am Ende des Tages bleibt zu hoffen, dass die Magic endlich mal gesund bleiben und zeigen können, wie stark ihre Starting Five in Wirklichkeit ist. Sweeney wird dem Team gut tun und die starke Defensive durch eine mindestens Top-10-Offensive ergänzen. Im Osten wird der Kampf um die guten Plätze 2026/27 aber deutlich härter als im Vorjahr.
Vom Erreichen der Finals bis zum nächsten Ausscheiden in Runde eins ist erneut alles möglich, das Potenzial ist ja immer noch da. Allerdings hat das Team langsam das Vertrauen verspielt. dass es in dieser Besetzung wirklich den nächsten Schritt gehen kann.
gfr