vor 21 Stunden
Berlin limitiert Vechta bei unter 80 Punkten
Der Favorit lebt noch! In einem Do-or-Die-Spiel in Vechta hat ALBA Berlin seine Saison am Leben erhalten. Routinier Martin Hermannsson avancierte dabei zum Matchwinner - auch dank seiner Fähigkeiten als "Opa" der Mannschaft.

Mit 18 Punkten war der Isländer Topscorer aller Akteure in Spiel 4 zwischen Berlin und Vechta. Aber noch viel wichtiger: Hermannsson lieferte, als seine Mannschaft ihn am dringendsten brauchte. Mit acht Zählern führte er sein Team im Schlussabschnitt nicht nur an, sondern besorgte auch noch den Dagger in den Schlusssekunden.
Mittels eiskaltem Headfake entwischte er nicht nur seinen beiden Bewachern, sondern machte per offenem Leger dann auch noch den Deckel drauf. "Ich wollte den Ball im letzten Angriff in meinen Händen haben und dann den letzten Abschluss suchen. Ich bin froh, dass es funktioniert hat", ließ Hermannsson den Moment am Dyn-Mikrofon Revue passieren.
Auch dank seiner Punkte in der Schlussphase stellten die Albatrosse ihre Resilienz unter Beweis. Nach Zehn-Punkte-Vorsprung für Berlin war Vechta kurz vor Ende nochmal heißgelaufen, traf vier Dreier in Folge und stellte auf 79:79. Alba präsentierte sich jedoch völlig unbeeindruckt und gewann das Spiel, was allen voran dem 31-jährigen Point Guard zuzuschreiben ist. "Ja, das ist ein bisschen die Erfahrung", blieb Hermannsson bescheiden. "Ich bin so etwas wie der Opa in dieser Mannschaft, obwohl ich ja auch erst 31 bin. Ich fühle mich nicht alt, aber diese Jungs lassen es mich viel zu oft wissen", witzelte er.
Jack Kayil 19 Jahre, Michael Rataj 22, Malte Delow 25, Norris Agbakoko und Jonas Mattisseck 26 - der Kern Albas gilt in der Tat als einer der jüngeren. Hermannssons Ruhe wirkte da nicht nur in Spiel 4 in Vechta wie die perfekte Ergänzung. "Er ist unheimlich hilfreich", schwärmte später auch Kayil. "Man hat es ja am Ende gesehen. Er wollte den Ball haben, hat für uns alle Ruhe ausgestrahlt. Die Erfahrung hat man auf jeden Fall wahrgenommen."
Schlüssel für Berlin war aber nicht nur die gewonnene Schlussphase, sondern viel mehr die konstant gute Defensive gegen eine der heißesten Offensiven der Liga. Im gesamten Kalenderjahr 2026 war es für Vechta erst das zweite Spiel unter 80 Punkten. "Es war auf jeden Fall viel, viel besser als in den Spielen davor", so Kayil über die Defensivleistung seines Teams. "Man muss Vechta wirklich Respekt zollen. Sie haben bisher einen richtig guten Job gemacht. Deswegen bin ich sehr froh, dass wir es diesmal geschafft haben, sie bei so wenig Punkten zu halten."

Neben starker Flügelverteidigung (Tevin Brown 2/10 FG) dominierten die Berliner vor allem unter den Brettern. Angetrieben von starken 17 Offensivrebounds verbuchte Alba ein Plus von elf Boards. Zentral dabei war es auch den erfahrenen Center Tibor Pleiß weitgehend aus dem Spiel zu nehmen. Nach dessen 22/10-Spiel am vergangenen Freitag blieb der 35-Jährige diesmal mit neun Punkten und drei Rebounds eher unauffällig.
"Da kann man nur zu Gott beten", witzelte Hermannsson darüber, wie es gelingen konnte, das Zusammenspiel von Alonzo Verge Jr. und Tibor Pleiß zu limitieren. "Verge ist wirklich gut darin, in die Zone zu kommen. Wir haben es heute gut gemacht, vor ihm zu bleiben. Und wenn das gelingt, dann wird man dafür in der Regel belohnt."
Für die Albatrosse hieß diese Belohnung nun "Spiel 5"! Bereits in drei Tagen (Mittwoch, 18.30 Uhr) stehen sich Berlin und Vechta ein letztes Mal gegenüber. Aus Berliner Sicht besonders wichtig: der Heimvorteil wechselt wieder zu ihren Gunsten. Auch Kayil ist heiß darauf: "Ich freue mich sehr auf unser Heimpublikum. Sie sind mit die besten Fans, die ich je erleben durfte."
Julius Ostendorf