vor 20 Stunden
Offseason der Thunder in der Analyse
Die Oklahoma City Thunder sind nach dem bitteren Aus in den Playoffs in diesem Jahr auf Rache aus und wollen wieder nach der Krone der NBA greifen. Trotz einiger prominenter Abgänge stehen die Chancen dafür ziemlich gut.

Auf den ersten Blick war es ein merkwürdiger Sommer beim Champion von 2024. Mit Isaiah Joe (Detroit) und Aaron Wiggins (Atlanta) verließen zwei wichtige Rotationsspieler das Team, am schwersten wiegt aber sicherlich der Verlust von Defensivbollwerk und Fanliebling Lu Dort, der ebenfalls nach Atlanta verschifft wurde. Und im Gegenzug? Gab es "nur" sieben Zweitrundenpicks zurück, was ihre beeindruckte Pick-Sammlung wieder auf 28 Stück über die kommenden sieben Jahre aufgestockt hat.
Schaut man sich die Situation genauer an, ergeben die Moves allerdings jede Menge Sinn. Sportlich tun sie zwar weh, waren finanziell aber schlicht notwendig. Die Thunder gingen mit 250 Millionen Dollar an Gehältern in die Offseason, was schlappe 212 Mio. an Luxussteuern und einen sicheren Platz im Second-Apron-Strafenkatalog bedeutet hätte.
Ganz konkret sieht die Situation so aus: Der Trade des 9-Mio.-Vertrags von Wiggins hat dem Team knapp 60 Mio. an Steuern gespart, der Trade von Joe (12 Mio. jährlich) sogar 76 Mio. Durch die Verpflichtung ihrer beiden Rookies Aday Mara (#12) und Bennett Stirtz (#16) wuchs der Cap direkt wieder an, hier half aber die teamfreundliche Umstrukturierung von Isaiah Hartensteins Vertrag. Durch den Trade von Dorts Vertrag (17,7 Mio, UFA 2027) kamen schließlich noch Ersparnisse von 92 Mio. Dollar an Steuern hinzu, zudem sind die Thunder nun auch komfortabel unter der Second-Apron-Grenze.
Hinzu kam noch die Verlängerung von Kenrich Williams, der zu günstigeren Konditionen ein weiteres Jahr im Mittleren Westen bleibt.

Zugänge: Aday Mara, Bennett Stirtz (Rookies)
Abgänge: Isaiah Joe (Detroit), Aaron Wiggins (Atlanta), Lu Dort (Atlanta)
Verlängerungen: Isaiah Hartenstein (3 Jahre, 75 Mio.), Kenrich Williams (1 Jahr, 5 Mio.)
| PG | SG | SF | PF | C |
|---|---|---|---|---|
| Shai Gilgeous-Alexander | Cason Wallace | Jalen Williams | Chet Holmgren | Isaiah Hartenstein |
| Ajay Mitchell | Jared McCain | Alex Caruso | Kenrich Williams | Jaylin Williams |
| Bennett Stirtz | Aday Mara | |||
| Nikola Topic | Thomas Sorber |
Nach dem bitteren Playoff-Aus gegen die San Antonio Spurs in den Conference Finals ist die Marschroute für die Thunder klar: Mund abputzen, neu formieren und 2026/27 wieder voll angreifen. Auch wenn Wemby und die Spurs nach ihrem Finals-Einzug einen riesigen Hype erlebt haben, ist OKC immer noch das Team to beat. Das sehen übrigens auch die Buchmacher in Las Vegas so.
Man darf schließlich auch nicht vergessen, dass die Guard-Rotation der Franchise in den Conference Finals vor allem aus Shai Gilgeous-Alexander und Jared McCain bestand - der Rest war verletzungsbedingt kaum oder gar nicht einsatzbereit. Vor allem der Ausfall von Jalen Williams wog richtig schwer, der Gute war im Jahr davor schließlich ein All-NBA-Spieler!
Auch Chet Holmgren, der auf dem Papier der drittbeste Spieler seines Teams sein sollte, wird aus seinen verkorksten Playoffs gelernt haben und gestärkt in die neue Saison gehen. Er ist ja ganz nebenbei auch erst 24 Jahre alt und geht in seine vierte Saison.
Hinzu kommt, dass Cason Wallace durch den Trade von Dort endlich zum Vollzeitstarter befördert werden dürfte, was schon mindestens seit einem Jahr überfällig ist. Dort verdiente er sich seinen Platz in der ersten Fünf zuletzt vor allem durch seine Beliebtheit bei den Fans und seine Errungenschaften in der Vergangenheit. Leistungstechnisch gehörte er trotz seiner überragenden Defense dort nicht mehr rein. Nicht auszuschließen, dass die OKC-Offensive ohne ihn sogar flüssiger und noch gefährlicher wird.
Erinnert man sich dann noch daran, was für starke Playoffs Ajay Mitchell und McCain gespielt haben, dürfte die Liga schon zittern.

Schaut man sich den Kader der Thunder an, wird die Suche nach Schwächen schwer. Mit Joe und Wiggins sind zwei der besten Dreierschützen des Teams weggebrochen, auch Dort konnte - ausgenommen 2025/26 - das Feld mit seinem Dreier breit machen. Hier wird mehr Last auf Wallace, Mitchell und McCain zukommen, was die drei aber ohne Probleme stemmen können sollten.
Spannend wird auch sein, welche Rolle die beiden Rookies Aday Mara und Bennett Stirtz spielen werden, die von ihren Spielertypen gut in das System von Mark Daigneault passen dürften. Und selbst wenn nicht, wird OKC sicherlich wieder einen anderen Spieler aus dem Hut zaubern, der verteidigen und 40 Prozent Dreier aus dem Ärmel schütteln kann.
Das größte Fragezeichen bleibt aber die Gesundheit von J-Dub. Das letzte Jahr war ein Seuchenjahr, man darf nur hoffen, dass er sich im Sommer komplett erholt hat und wieder der zweitbeste Spieler des Teams sein kann. Auch ohne ihn können die Thunder eine Regular-Season-Maschine sein, in den Playoffs brauchen sie seine Produktion aber dringend.
Die Thunder sind in diesem Jahr auf Rache aus und dürften sich in der Regular Season mit den Spurs um die beste Bilanz im Westen streiten. Aus Fan-Sicht darf man sich wünschen, dass die beiden Teams dann erneut in den Playoffs aufeinandertreffen. Es dürfte dann aber auch niemanden überraschen, sollten die Thunder dieses Mal als Sieger aus dem Battle hervorgehen.
Gianluca Fraccalvieri