vor 3 Stunden
L.A. scheitert an sich selbst
Die Oklahoma City Thunder haben den Los Angeles Lakers in Spiel eins der Western-Conference-Halbfinals deutlich die Grenzen aufgezeigt. Obwohl Shai Gilgeous-Alexander offensiv ungewohnt ruhig blieb, kontrollierte OKC die Partie fast durchgehend. L.A. zerbrach vor allem wieder an eigenen Fehlern.

Eigentlich hatten die Los Angeles Lakers genau das geschafft, was gegen die Oklahoma City Thunder als wichtigste Aufgabe gilt: Shai Gilgeous-Alexander kontrollieren. Der MVP kam "nur" auf 18 Punkte, produzierte sieben Ballverluste und wurde bereits ab der Mittellinie regelmäßig gedoppelt.
Doch genau darin zeigte sich die wahre Stärke des Titelverteidigers. OKC ist inzwischen weit mehr als nur ein Team, das von SGA lebt. Sobald die Lakers aggressiv auf den Ball gingen, öffneten sich Räume für andere und besonders Chet Holmgren nutzte diese in Spiel 1 konsequent aus.
Ajay Mitchell sprang erneut stark für den verletzten Jalen Williams ein und erzielte 18 Punkte. Dazu kamen wichtige Minuten von Jared McCain, Isaiah Joe, Alex Caruso und Cason Wallace. Die Bank der Thunder gewann das Duell gegen die Lakers-Reservisten klar mit 34:15.
Die Lakers versuchten früh viel zu switchen, lieferten Holmgren dadurch aber immer wieder kleinere Verteidiger. Der Big Man bestrafte nahezu jedes Missmatch sofort. Am Ende standen 24 Punkte und zwölf Rebounds auf seinem Konto.
Insgesamt stopfte der 2,16-Meter-Mann sechs Dunks durch den Ring. Auch Isaiah Hartenstein spielte mit acht Punkten, neun Rebounds und vier Assists eine wichtige Rolle. Die Thunder holten neun Offensivrebounds und verwandelten diese in 21 Second-Chance-Punkte. "Wenn sie Offensivrebounds geholt haben, haben sie uns damit komplett zerstört", erklärte Lakers-Coach JJ Redick nach der Partie.
Vor allem aber defensiv dominierte Holmgren die Partie. Die Lakers kamen insgesamt nur auf 40 Punkte in der Zone. Ein extrem niedriger Wert für ein Team, das ohne den verletzten Luka Doncic eigentlich verstärkt über Drives und Abschlüsse am Ring kommen muss. Holmgren zerstörte Aktionen am Korb, half permanent aus und nahm L.A. praktisch jede einfache Option weg.
Dazu kommt ein weiteres Problem aus Lakers-Sicht, denn Oklahoma gewinnt aktuell fast automatisch den Transition-Kampf. Die Thunder bestrafen Ballverluste und schlechte Abschlüsse sofort mit Tempo und offenen Würfen. Genau diese Dynamik bekamen die Lakers nie kontrolliert.
Nach der Partie wurde LeBron James deutlich. Der Superstar sprach über taktische Fehler und Konzentrationsprobleme: "Wir hatten einige Fehler in der Umsetzung des Gameplans", erklärte James nach dem Spiel. "Sie testen dich permanent. Sie schauen, wie oft du die Disziplin verlierst und das ist uns zu häufig passiert."
Selbst an einem vergleichsweise schwachen Offensivabend der Thunder wirkte Los Angeles defensiv permanent unter Druck. Oklahoma City musste offensiv nicht einmal explodieren, weil die Lakers sich mit Fehlern selbst schadeten.
Auch Redick nahm seine Mannschaft in die Pflicht. "Du spielst gegen den amtierenden Champion. Deine Fehlertoleranz ist extrem klein", sagte er. "Basketball ist ein Spiel voller Fehler. Aber heute waren es einfach zu viele."

Im Fokus steht dabei auch Austin Reaves. Der Guard sollte neben Topscorer James (27 Punkte, 12/17 FG, 3/6 3PM) mehr offensive Verantwortung übernehmen, erwischte aber einen rabenschwarzen Abend. Reaves traf nur drei seiner 16 Würfe, verfehlte alle fünf Dreier und kam nur auf acht Punkte.
Nach dem Spiel zeigte sich er sich selbstkritisch: "Ein paar mentale Fehler", sagte Reaves. "Jedes Mal, wenn du dir gegen dieses Team mehrere Fehler hintereinander erlaubst, bestrafen sie dich sofort."
Gerade für Reaves wird diese Serie enorm wichtig. Ohne Doncic braucht Los Angeles dringend zusätzliche Shot Creation. Hier stellt sich die Frage, wie gut Reaves gegen physische Elite-Defensiven wirklich funktionieren kann. Schon in den vorherigen Duellen mit OKC in der Regular Season hatte er große Probleme.
Interessant war auch die Analyse von Redick. Der Lakers-Trainer erklärte nach der Partie, sein Team habe laut "Expected Score" eigentlich genug gute Würfe kreiert, um das Spiel theoretisch zu gewinnen.
Die Wurfqualität war also nicht das Hauptproblem. Das Problem war vielmehr, dass L.A. diese Chancen nicht verwandelte und Oklahoma City auf der anderen Seite jede Unsicherheit sofort bestrafte.
Darin zeigt sich momentan vielleicht der größte Unterschied zwischen beiden Teams. Die Thunder spielen extrem diszipliniert, tief und physisch. Selbst an einem ruhigen Abend ihres MVPs kontrollierten sie die Partie fast komplett. Die Lakers dagegen brauchen aktuell nahezu perfekte Spiele, um überhaupt auf Augenhöhe agieren zu können.
Lukas Hetterich