vor 6 Stunden
Jahrestag von Dirks legendärem Flu Game
15 Jahre ist es her, dass Dirk Nowitzki mit den Dallas Mavericks seine einzige Meisterschaft gewann. In Erinnerung bleiben die Jubelszenen, sein Gamewinner in Spiel 2, aber eben auch Spiel 4, als sich der Würzburger mit einer Grippe durch die Partie schleppte und die Mavs dennoch zum Sieg führte.

Wenn die Amerikaner etwas lieben, dann sind es gute Geschichten. Mythen entstehen, vor allem rund um Verletzungen wird gerne viel Pathos gestrickt. Die Rückkehr von Willis Reed in den NBA Finals 1970, Isiah Thomas‘ heroischer Kampf auf einem Bein, das "Flu Game" von Michael Jordan.
Solche Ereignisse brennen sich in die Gedächtnisse und auch Dirk Nowitzki erlebte solch einen Moment in den NBA Finals, die ebenfalls seine "Legacy" weiter schärfte. Als "zu weich" galt der Deutsche für viele Jahre. Die verspielte 2-0-Führung in den Finals 2006 gegen die Miami Heat, die zahlreichen weiteren Misserfolge mit Dallas in den Playoffs. Schnell geht die Schublade zu, die Meinung ist zementiert. Ob dies das auch wahr ist, ist dann immer eine ganze andere Frage.
Nowitzki arbeitete 2011 aber gegen diesen Ruf, vor jenem Spiel 4 der Finals verbuchte der Deutsche durchschnittlich 28,4 Punkte pro Spiel, alleine zehn davon im vierten Viertel. Dennoch führten die Miami Heat mit der Big Three um LeBron James, Dwyane Wade und Chris Bosh mit 2-1, Nowitzki plagte sich da schon mit einer Bänderverletzung im Finger herum.
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Und dann kam auch noch das Fieber. "Am Abend vor dem Spiel habe ich schon ein wenig gezittert", erinnerte sich der Würzburger. "Ich ging also ins Bett und dachte, dass es morgen schon wieder in Ordnung sein werde, aber das war nicht der Fall." Die Realität war eine andere: 38 Grad Fieber vor dem wohl größten Spiel seiner bisherigen Karriere.
"Er schwitzte aus allen Poren“, sagte Mitspieler Jason Terry später den Dallas Morning News. "Wir dachten nicht, dass er sich umziehen würde. Er war zwar beim Shootaround dabei, nahm aber keinen einzigen Wurf." Und auch Center Tyson Chandler meinte: "Der Durchschnittsmensch bleibt da im Bett, aber der Typ hat gegen die besten Athleten der Welt gespielt."
Und wie: 39 Minuten stand Nowitzki auf dem Feld, erzielte dabei immerhin 21 Punkte. Zehn davon wieder im vierten Viertel (mehr als LeBron im ganzen Spiel) inklusive Gamewinner 14 Sekunden vor Schluss, als er Udonis Haslem mit einem Drive düpierte. Dallas holte sich den wichtigen Ausgleich in der Serie.
"Ich hatte gute Würfe, aber absolut keine Kraft, um richtig abzuspringen", bilanzierte Nowitzki nach dem Spiel. Während der Auszeiten hatte der Forward stets ein Handtuch über dem Kopf, um sich abzukühlen. "Das sind die Finals, da muss man alles rauslassen", sagte der Superstar weiter.
Und wie er das tat. Doch der Gegner wollte ihm das nicht abkaufen. Am Tag von Spiel 5 wurden James und Wade gesehen, wie sie in den Katakomben künstlich husteten. Wade hatte die Krankheit des Gegners als "süße Geschichte" abgekanzelt, Nowitzki nannte das Verhalten der Superstars hingegen "kindisch." Es sollte die Beziehung über Jahre belasten, erst 2021 entschuldigte sich Wade öffentlich dafür.
Am Ende hatte ohnehin Nowitzki das Lachen auf seiner Seite, die Mavericks siegten als krasser Außenseiter in sechs Spielen und feierten ihre erste und einzige Meisterschaft.
Robert Arndt