11.04.2025
München muss in die Play-Ins
Play-Ins statt Playoffs. Das war das Motto des FC Bayern München nach der 77:89-Niederlage gegen Fenerbahce. Ein schwaches erstes Viertel war eine zu große Hypothek, Coach Gordon Herbert fand deutliche Worte. Wer nun in den Play-Ins wartet, ist noch unklar.

So hatten sich die Bayern das nicht vorgestellt. Schon Mitte des zweiten Viertels war der Frust der Münchner in ihrem "Endspiel" gegen Fenerbahce nicht zu übersehen. Carsen Edwards, der in der ersten Halbzeit überhaupt nicht zum Zug kam, versuchte nach einem Foul wütend einen Dunk und scheiterte. Kurz darauf schenkte Vladimir Lucic einem Gästespieler (kein Bayer in der Nähe) den Ball und boxte mit der Faust in die Korbanlage.
19:40 stand es da aus Sicht der Gastgeber, die ausgerechnet im wichtigsten Spiel der Saison ihre womöglich schwächste Halbzeit im SAP Garden zeigten. "Du kannst ein schlechtes offensives Spiel haben, aber es gibt keine Entschuldigung dafür, nicht kämpferisch rauszukommen, hart und intensiv zu spielen", meinte ein angefressener Gordon Herbert, der seinem Team die Toughness absprach. "Wir waren heute soft", so das Urteil. "So wie wir begonnen haben, haben wir es einfach nicht verdient."
Die Bayern kamen mit der physischen Verteidigung der Türken nicht zurecht, vor allem im Spielaufbau schlichen sich zu viele einfache Fehler ein. Nick Weiler-Babb erwischte einen Abend zum Vergessen (7 Zähler, 3 Turnover) und spielte nur 19 Minuten. Edwards erzielte zwar 26 Punkte, war in der ersten Halbzeit aber unsichtbar und bei Andreas Obst (3, 1/9 FG) wollte so gar nichts fallen. Im dritten Viertel traf der Nationalspieler aus der Ecke sogar mal nur die Seite des Bretts.
Es zog sich wie ein roter Faden durch dieses Spiel. Akteure, die dieses Team durch eine starke Saison (Endbilanz: 19-15) führten, konnten ihre Leistung nicht abrufen, dazu wurde kleine Runs immer wieder durch Turnover torpediert. Vier Ballverluste leisteten sich die Münchner in den letzten vier Minuten, obwohl sie hier erstmals etwas Oberwasser hatten (68:75 und 71:77), doch je zwei teils völlig unnötige Turnover von Edwards sowie dem schwachen Shabazz Napier (5 TO) waren einfach nicht zu kompensieren.
"Das war heute zu wenig", erklärte Johannes Voigtmann und auch Niels Giffey erkannte: "Das war eine krasse Chance hier." Genutzt wurde sie nicht, wobei der Forward noch einmal dem unerklärlichen Maccabi-Spiel in Belgrad von vor einer Woche hinterhertrauerte, als man eine 16-Punkte-Führung im vierten Viertel verspielte. "Das Spiel schmerzt noch viel mehr, weil wir es am Ende nicht kontrollieren konnten. Du denkst da drüber nach, was wir da eigentlich gemacht haben."

Er hat damit einen Punkt. Gegen Fenerbahce kann man verlieren, die Türken sind einer der Top-Favoriten auf den Titel und doch wurde man das Gefühl nicht los, das mehr möglich gewesen wäre. Gleichzeitig gewannen die Bayern in dieser Saison - gerade zuhause - so viele knappe Spiele, dass es zwangsläufig mal in die andere Richtung gehen musste.
Und noch lebt der Traum von den Playoffs gewissermaßen, auch wenn der Weg dahin sehr steinig werden wird. "Wir müssen aus dem ersten Viertel lernen", forderte Herbert. "Wir müssen dagegenhalten und nicht soft spielen, sondern hart. Wenn wir das annehmen und verstehen, was wir besser machen müssen, hast du die Chance, stärker zu werden."
Unklar ist hingegen, auf welchem Platz die Bayern letztlich landen und der Gegner sein wird. Klarheit darüber wird es erst gegen 22.30 Uhr am Freitag geben, wenn Barcelona sein Spiel gegen Virtus Bologna über die Bühne gebracht hat. Zwischen Platz sieben und zehn ist weiter alles möglich, vieles deutet aber auf Rang neun hin. Mögliche Gegner sind Paris, Barcelona und Roter Stern, in sechs von acht möglichen Fällen wird es ein Heimspiel.
Sollte Bayern allerdings nur Neunter werden, müssten sie schon zwei Spiele gewinnen - zunächst im SAP Garden und dann auch noch auswärts beim Verlierer des "7-8-Spiels". Ach ja: Und wenn sich die Bayern tatsächlich durchsetzen, dann wartet im Viertelfinale Top-Seed Olympiakos Piräus.
Vor gerade einmal acht Tagen träumte man an der Isar noch vom Heimvorteil, nach diesen zwei Niederlagen ist etwas Ernüchterung eingetreten, weil man es sich unnötig selbst schwer gemacht hat. Damit muss das Team nun leben und am kommenden Dienstag die richtige Reaktion zeigen. Und übrigens: Am Sonntag gastieren die Bayern nebenbei auch noch in Oldenburg in der BBL. Geschenkt gibt es in diesen Wochen einfach nichts.
rar