vor 2 Stunden
NBA-Profi als einziger Weltmeister im Kader
Viele bekannte Gesichter fehlen im Trainingslager der deutschen Basketball-Nationalmannschaft. Dennis Schröder nicht. Der Kapitän verzichtet auf Teile der Sommerpause und reist zur WM-Qualifikation. Beim Medientraining in Berlin erklärt der 32-Jährige, warum für ihn auch diese Spiele dazugehören - und weshalb er trotzdem Verständnis für die zahlreichen Absagen hat.

Von der Mannschaft, die Deutschland 2023 zum Weltmeistertitel führte und vergangenen Herbst Europameister wurde, ist bei den anstehenden WM-Qualifikationsspielen gegen Israel und Zypern kaum jemand dabei. Genauer gesagt zwei: Der dritte Center Leon Kratzer sowie Dennis Schröder.
Der Kapitän bereitet sich mit der Nationalmannschaft vor - obwohl viele andere Leistungsträger in diesem Sommer pausieren. Für den 32-Jährigen ist das eine Selbstverständlichkeit.
"Es ist für mich eine Ehre", sagt Schröder. "Das war es, als ich angefangen habe, und das ist es heute immer noch."
Dabei hält Schröder das Qualifikationssystem durchaus für fragwürdig. Dass der amtierende Weltmeister überhaupt um ein WM-Ticket spielen muss, kann der Point Guard nicht nachvollziehen.
"Wir müssen die Quali natürlich gewinnen", sagt er. "Was eigentlich auch Schwachsinn ist in meinen Augen. Wir haben die Weltmeisterschaft gewonnen, da sollten wir eigentlich qualifiziert sein."
Trotzdem stand für ihn nie zur Debatte, auf die Länderspiele zu verzichten. Bundestrainer Alex Mumbru erzählt, das Telefonat mit seinem Kapitän sei entsprechend kurz ausgefallen. "Als ich Dennis angerufen habe, hat er sofort gesagt: 'Ja Coach, natürlich komme ich.'" Das Commitment des NBA-Profis gegenüber der Nationalmannschaft sei "großartig für Deutschland".

Für Schröder ist die WM-Qualifikation nicht weniger relevant als ein großes Turnier. "Ich will den Leuten zeigen, dass jedes Spiel wichtig ist für die Nationalmannschaft - auch die Qualifikation", findet er. "Man kann nicht einfach nur zu den großen Turnieren kommen. Das ist meine Meinung. Was der Coach da macht, ist sein Ding."
Für Schröder ist diese Haltung grundlegend für die Entwicklung der Nationalmannschaft. "So haben wir es überhaupt erst hierher geschafft", sagt er. "Dass die Leute Lust haben und dass es eine Ehre ist, hier wirklich aufzutreten und jeden Tag mit dem Adler auf der Brust rumzulaufen."
Seine Worte könnten als Kritik an den zahlreichen Absagen verstanden werden. Auf Nachfrage von basketball-world zeigt Schröder aber auch Verständnis. "Am Ende des Tages will jeder auch seine Freizeit haben. Das ist ihr gutes Recht und ich respektiere das natürlich", erklärt er.
Franz Wagner sei gerade erst von einer Verletzung zurückgekehrt, Andreas Obst habe "gefühlt vor zwei Tagen noch gespielt". Auch die Belastung in der EuroLeague sei enorm. "Aber die, die nicht hier sind, haben die letzten drei, vier Jahre mitgeholfen, dass wir überhaupt hier stehen dürfen. Das darf man auch nicht vergessen."
Für sich selbst hat Schröder trotzdem eine klare Linie gefunden. Er möchte mit gutem Beispiel vorangehen - unabhängig davon, ob Weltmeisterschaft, Europameisterschaft oder WM-Qualifikation auf dem Spiel steht. "Ich will einfach nur, dass die Leute sehen, dass ich ein Commitment abgegeben habe und für Deutschland stehe. Jedes Spiel, bei dem ich helfen kann zu gewinnen, ist wichtig für mich."
Franziska Staupendahl