vor 7 Stunden
Ein Freiwurf bis zu drei Punkte wert
Die G-League hat es schon seit einigen Jahren, derzeit wird in der NBA Summer League mit einer neuen Freiwurfregel experimentiert. Hoffentlich bleibt es beim Experiment.

Sind wir ehrlich. Es ist nicht besonders spannend, im zweiten Viertel einen Freiwurf nach dem anderen zu sehen. Nicht selten vergeht fast eine Minute zwischen dem Pfiff und der Ausführung des letzten Versuchs. In Zeiten, in denen Menschen immer weniger Geduld und immer mehr Möglichkeiten zur Ablenkung haben, ist das kein gutes Konzept.
Deswegen testet die NBA gerade in der Summer League eine neue Freiwurfregel, die bereits seit einigen Jahren in der G-League so umgesetzt wird. Ja, niemand schaut die G-League, deswegen war dies vielen auch gar nicht bekannt. Es geht so: Wenn Freiwürfe zugesprochen werden, dann nimmt ein Schütze nur einen Versuch, der aber entweder einen, zwei oder drei Punkte wert ist.
Heißt: Wird ein Spieler beim Dreier gefoult, zählt sein Freiwurf drei Punkte, wenn er ihn trifft (oder eben Null bei einem Fehlwurf). Für die letzten zwei Minuten einer Partie sowie in der Verlängerung gelten dann wieder die alten Regeln.
Die Intension dahinter ist klar: Die Liga möchte Spiele schneller machen, weniger Zeit vergeuden. Das ist grundsätzlich der richtige Ansatz, allerdings an der falschen Stelle. Zunächst einmal: Jede Regel, die eine Einschränkung für einen bestimmten Zeitraum hat, ist schon fraglich und macht Dinge unnötig kompliziert. Entweder sie gilt das komplette Spiel oder eben gar nicht.
Freiwürfe gehören zum Spiel dazu, nicht umsonst heißt es bei einem "guten" Foul, dass man sich seine Punkte "verdienen" müsse. Freiwürfe sind auch eine Form von Skill, ebenso der Umgang mit einer Drucksituation. Dies jetzt zu verkürzen, ist ein massiver Einschnitt, sollte dies jemals in der "echten" NBA kommen. Ein Boxscore wäre so kaum noch zu lesen bzw. nachzuvollziehen.
Wenn die Liga Zeit sparen will, dann kann an vielen anderen Stellen angesetzt werden. Spiele könnten zum Beispiel pünktlich beginnen, Reviews sollten schneller umgesetzt oder gar begrenzt werden. Oder wenn es radikaler sein sollte: Man könnte die Zeit, die ein Schütze an der Linie hat, auf acht Sekunden reduzieren und dies auch wirklich ahnden. Auch so könnte ein Spiel schneller abgewickelt werden.
Gleichzeitig: Für die Summer League darf es gerne so bleiben, weil es im Prinzip um nichts geht und der Fokus darauf liegen sollte, wie sich die besten Nachwuchsstars in der neuen Umgebung so präsentieren. Wenn es aber um "richtigen", kompetitiven Basketball geht, sollte ein solch elemantar wichtiger Baustein wie das Verwandeln von Freiwürfen nicht verändert werden.
Robert Arndt