vor 11 Stunden
Trade nach nur zwei Jahren
Zwei Jahre verbrachte Zaccharie Risacher bei den Atlanta Hawks. Der Top-Pick von 2024 enttäuschte in seiner bisherigen NBA-Karriere, allerdings zeigt es auch, dass Top-Pick nicht immer Top-Pick heißen muss.

Anthony Edwards, Cade Cunningham, Paolo Banchero, Victor Wembanyama, Zaccharie Risacher, Cooper Flagg und zuletzt AJ Dybantsa - dies sind die Top-Picks der vergangenen Jahre. Verzichten wir mal auf den frisch gedrafteten Dybantsa, haben alle diese Spieler schon gezeigt, dass in ihnen All-Stars oder gar waschechte Franchise-Stars schlummern - mit einer Ausnahme.
Auch Risacher war Top-Pick und doch ist Erster Pick nicht gleich Erster Pick. Jener Draft 2024 war kompliziert. Er galt an der Spitze als beispiellos schwach und über Wochen hielten sich die Gerüchte hartnäckig, dass Atlanta Trades suchte, um nicht selbst die Wahl treffen zu müssen. Letztlich blieb es bei Risacher, bei dem sich viele einig waren, dass der Franzose nur bedingtes Star-Potenzial hätte, dafür aber die Fähigkeiten, ein richtig guter Komplementärspieler zu werden.
| Pick | Spieler | Team |
|---|---|---|
| 1 | Zaccharie Risacher | Hawks |
| 2 | Alex Sarr | Wizards |
| 3 | Reed Sheppard | Rockets |
| 4 | Stephon Castle | Spurs |
| 5 | Ron Holland | Pistons |
| 6 | Tidjane Salaün | Hornets |
| 7 | Donovan Clingan | Blazers |
| 8 | Rob Dillingham | Wolves |
| 9 | Zach Edey | Grizzlies |
| 10 | Cody Williams | Jazz |
Das war auch das, was sich Atlanta vorstellte. Sie wählten nicht den besten Spieler aus, sondern den ihrer Meinung nach besten Akteur, der für ihre Situation am besten passte.
Nun, zwei Jahre später ist das Experiment vorbei. Das Label "Ex-Top-Pick" klebt weiter am 21-Jährigen, was irgendwie ein bisschen unfair ist. Blickt man auf die Draft-Klasse, sticht Stephon Castle (San Antonio Spurs, #4) als möglicher All-Star heraus. Dazu kommt ein ganzes Sammelsurium an potenziell interessanten Rollenspielern, von denen bisher einige mehr, andere weniger überzeugt haben.
Risacher gehört in die zweite Kategorie, so fair muss man sein. In 142 Einsätzen verbuchte der Forward für die Hawks 11,1 Punkte und 3,7 Rebounds im Schnitt, allerdings gingen die Werte in der zweiten Saison deutlich in den Keller. Risacher verlor seinen Platz als Starter, das Team performte plötzlich besser und in den Playoffs hagelte es in drei von sechs Partien ein DNP - Coach’s Decision. Übersetzt: 48 Minuten Bank.
Coach Quin Snyder deutete mehrfach an, dass Risacher nicht immer mit dem nötigen Einsatz zur Sache gehen würde. Für einen Forward mit Gardemaß sind durchschnittlich 3,7 Rebounds zu wenig, aber das ist nur eine Randnotiz. Vielmehr stellt sich derzeit die Frage, worin Risacher überdurchschnittlich gut ist. Das Ballhandling des Franzosen ist verbesserungswürdig, sein Wurf ist noch nicht verlässlich (36 Prozent) und defensiv konnte er trotz guter Anlagen bisher selten positiv auffallen.
Womöglich ist auch deshalb der Neustart in Dallas eine gute Option. Die Mavs mussten dafür nur einen Zweitrundenpick sowie Guard Ryan Nembhard abgeben und sammeln auf diese Weise Talent, welches ohne eigene Draft-Picks immer schwieriger wird. Dass die Texaner derzeit ein Überangebot auf dem Flügel haben? Geschenkt - und gleichzeitig gut möglich, dass noch weitere Trades folgen werden.
Die Mavs sind weiterhin im Rebuild, es wird Minuten geben und derzeit wirkt es nicht so, als ob die Texaner mit aller Macht so schnell wie möglich wieder die Playoffs ansteuern. Das gibt Risacher Zeit, wieder Selbstvertrauen aufzubauen. Der Franzose mag kein klassischer Top-Pick sein, doch mit seinen Anlagen bringt er eben doch vieles mit, um ein zumindest guter Flügelspieler zu sein.