29.01.2026
So gut ist der 19-Jährige wirklich
Mit 19 Jahren dominierte Hannes Steinbach Deutschlands Basketballligen aus dem Stand. Seit Sommer geht er in der NCAA auf Korbjagd. Das College soll aber nur eine Zwischenstation sein, denn er darf sich große Hoffnungen machen, als nächster Würzburger eine NBA-Karriere einzuschlagen.

Steinbach nahm den Profibasketball im Sturm. Für Würzburgs Erstligateam fungierte er zunächst häufig als Lückenfüller. In der Abstinenz von Fabian Bleck und Zac Seljaas erhielt der reboundstarke Youngster früh regelmäßige BBL-Minuten. Parallel sorgte er für Würzburgs Drittligamannschaft gelinde gesagt für Furore: Bei seinem ProB-Debüt kam der Big-Man gleich auf 30 Punkte, 19 Rebounds und sechs Blocks.
Obwohl er zuvor lediglich im Jugendbereich und in der vierten Liga spielte, war er als Neueinsteiger unterfordert. In der ProB kam er in zwölf Einsätzen auf astronomische 25,2 Punkte, 12,5 Rebounds, 3,3 Assists und 2,5 Blocks. Mit einem Effektivitätswert von 32,9 stellte er mit erst 18 Jahren einen Drittliga-Rekord für den Aufzeichnungszeitraum seit 2014 auf.
| Alter | 19 Jahre (01.05.2006) |
| Geburtsort | Würzburg |
| Größe | 2,11m |
| Position | Forward |
| Aktuelles Team | Washington Huskies |
| Möglicher NBA-Draft | 2026 |
Doch als wäre dies für sein Profidebüt nicht genug gewesen, so ließ Steinbach weitere Superlative folgen. Nachdem in der BBL-Mannschaft Starting-Center Owen Klassen bis Saisonende ausfiel, übernahm Steinbach seine Rolle. Wenige Wochen nach seinem 19. Geburtstag legte der spielintelligente akribische Arbeiter in zehn Playoff-Spielen im Schnitt ein Double-Double auf (14,8 Punkte, 10,4 Rebounds).
Im fünften Viertelfinalspiel gegen Braunschweig rettete er die Unterfranken zwei Sekunden vor dem Ende mit seinem ersten Playoff-Dreier in die Verlängerung und führte sie somit wenig später ins Halbfinale. Er avancierte zum effektivsten Spieler der gesamten BBL-Playoffs und dominierte auf einem Level, auf dem in diesem Jahrhundert statistisch in der BBL noch kein Spieler seiner Altersklasse agierte.
Ein Wechsel an ein College wäre noch vor wenigen Jahren nach diesen Leistungen im Profibereich als nächster Schritt kaum denkbar gewesen. Schon als Franz Wagner 2019 nach fünf Punkten in 12 Minuten pro Spiel als 17-Jähriger für ALBA Berlin nach Michigan wechselte, gab es in der deutschen Basketballszene kritische Stimmen dahingehend, ob dieser Wechsel nicht ein Rückschritt darstelle.

Steinbach wechselte im Sommer 2025 zu den Washington Huskies. Die Konditionen seines Wechsels sind nicht bekannt. Seit wenigen Jahren können sich jedoch Toptalente in der US-amerikanischen College-Liga NCAA über sogenannte NIL-Deals (name, image, and likeness) vermarkten und sechs- bis siebenstellige Summen verdienen, die in Europa primär gestandene EuroLeague-Spieler abrufen können.
Im November machte Steinbach im Podcast Dyn Timeout kein Hehl daraus, dass NIL auch für ihn eine Rolle spielte. "Man muss schon sagen: Klar, NIL ist natürlich ein riesiger Aspekt, den man auch als junger Mensch dann einfach sieht und sich denkt: Okay, das ist schon sehr krass", erklärte der 19-Jährige, der anfügte: "Aber wenn es sportlich nicht gepasst hätte, hätte ich es auch nicht gemacht."
In Bezug auf die Vorzüge des Colleges für die Entwicklung junger Spieler nannte er die Gegenspieler, die "athletischer als in der BBL" sind, und die Tatsache, "dass man den Ball in der Hand hat, dominieren kann". Mit Blick auf seine persönliche Situation führte er die Infrastruktur mit "acht Assistant-Coaches" und den "Trainingsfacilities" an. "Vor allem wollen wir sehr viel Zeit für Individualtraining haben, für körperliche Verbesserung im Kraftraum, was einfach sehr individuell angepasst ist und mit einem kleineren Trainerstab nicht so einfach möglich ist", erläutert der Shootingstar, dessen Trainer als nächste Entwicklungsziele eine Steigerung im Scoring und im Beschützen des Rings ausmachten.
Auf einen Zeitplan möchte er sich nicht festlegen. In Dyn-Timeout schloss er einen längeren Verbleib im College-System nicht aus: "Wenn der Abschluss früher gelingt, ist das natürlich gut, aber ich hätte auch nichts gegen mehrere Jahre College. Man muss gucken, was dann nach der Saison ansteht."

Ein Novum besteht für den U18-Europameister von 2024 darin, dass er nun erstmals nicht mit seinem Vater zusammenarbeitet: "Mein Dad war immer seit der U12 mein Co- oder mein Haupttrainer. Deshalb hat er natürlich einen riesigen Einfluss auf mich gehabt." Vater Burkhard Steinbach spielte einst selbst für Würzburg in der zweiten und ersten Liga - unter anderem zusammen mit Dirk Nowitzki, auf den Hannes Steinbach 2025 während der U19-WM traf. Dort war Steinbach mit weiteren Toptalenten wie Christian Anderson, Eric Reibe und Jack Kayil ein Garant für die deutsche Silbermedaille.
Mit Nowitzki schrieb er nach der Begegnung sogar nochmal, wie er ebenfalls in Dyn Timeout erzählte: "Er hat mir vor allem einfach gesagt: Wenn ich irgendwas brauche, kann ich mich bei ihm melden. Und dass er mir Dinge, die er mit seiner Erfahrung schon weiß, auch weitergeben kann." Die Zeichen stehen gut dafür, dass Steinbach nach Nowitzki und Kleber der dritter Würzburger in der NBA sein wird.
Dafür sammelte er in seinen ersten 17 College-Spielen weitere Argumente. Der Tweener zwischen den Positionen Vier und Fünf führt die prestigeträchtige Big-Ten-Conference fast schon standesgemäß bei den Rebounds (11,2) an. Hinzu kommen in 32,4 Minuten 17,5 Punkte, womit er auf dem zehnten Platz rangiert. Vor ihm liegen nur Spieler, die schon ein und zumeist mehrere Jahre in der NCAA verbrachten.
Steinbach dominiert mit seiner unbändigen Energie und zeigt offensiv vielseitige und teils besondere Ansätze wie als gelegentlicher Ballhandler und umsichtiger Spielmacher im Fastbreak. Insgesamt existieren im Spiel des Senkrechtstarters nahezu keine eklatanten Lücken, auch wenn ihm bislang vielleicht etwas die herausragenden Stärken und Möglichkeiten, einfache Abschlüsse zu kreieren, fehlen.
Anfang Dezember sagte UCLA-Trainer Mick Cronin laut US-Reporter Ben Bolch über Steinbach, der ihm gerade ein fast standesgemäßes Double-Double von 29 Punkten und 10 Rebounds einschenkte: "Ich weiß nicht, wie man seinen Namen ausspricht. Ich nenne ihn einfach Lottery-Pick." Im Draft-Big-Board aus dem Dezember siedelt ESPN Steinbach an Position 17 knapp hinter der Lottery (erste 14 Picks) an.
Im jüngsten Mock-Draft aus dem Januar rangiert er an 21. Stelle. ESPN-Draft-Analyst Jeremy Woo hob in verschiedenen Artikeln für ESPN und TSN das Spielverständnis und die Produktivität des 19-Jährigen hervor und verwies darauf, dass ihm zugutekommen könnte, dass mehrere NBA-Teams inzwischen wieder mit zwei Big-Men agieren - beispielsweise Houston mit Steven Adams neben Alperen Sengün oder Oklahoma mit Isaiah Hartenstein neben Chet Holmgren. In beiden Fällen jedoch handelt es sich um einen defensiven Anker (Adams, Hartenstein), der neben einem offensiv versierteren Big-Man agiert.
| Team | SP | PTS | FG | 3PT | REB | BLK |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Washington Huskies | 17 | 17,5 | 52,4% | 32,1% | 11,2 | 0,9 |
| Würzburg Baskets (BBL) | 41 | 9,1 | 61,8% | 31,6% | 6,9 | 1,0 |
| Würzburg Acadamy (Pro B) | 12 | 25,2 | 55,8% | 32,1% | 12,5 | 2,5 |
Rollentechnisch bestehen bei Steinbach noch Fragezeichen. Für einen Vierer fehlen bisher Wurfkonstanz und -volumen. Laut RealGM kommt der Würzburger in 112 Karrierespielen nur auf 1,1 Dreierversuche pro Spiel, die er mäßig (31,7 Prozent) trifft. Für die Ringbeschützer-Rolle fehlen vielleicht etwas Größe und Athletik. Zu seiner Größe, die Sports Reference mit 2,11 m bei schmalen 99 kg bemisst, bestehen abweichende Angaben. Beim Adidas Eurocamp 2024 wurde er noch mit 2,06 m gelistet.
Draft-Analyst Lukas Spinnler vom Podcast Jeden Tag NBA lobt ebenfalls die geradezu historische Dominanz von Steinbach im Profibereich, verweist aber mit Blick auf die Statistiken des Portals Hoop Explorer darauf, dass er am College bisher Probleme hat, als alleiniger Big-Man den Ring zu beschützen. In Bereichen wie Blocks, Finishing und im körperlichen Bereich entspreche Steinbachs Profil jenes eines Vierers, doch seine präferierten Abschlussarten, Steals und Assists eher dem Profil eines Fünfers.
In 17 College-Spielen knüpft der Big-Man mit 0,9 Blocks bisher nicht an die Werte an, die er auf die gleiche Minutenzahl gerechnet in der BBL (1,5) und in der allerdings wenig athletischen ProB (2,6) auflegte. Dennis Janßen, Draft-Analyst für Swish Theory und Host des Gathering Intel-Podcasts, sieht ebenfalls ein positionelles Dilemma. Jedoch prognostiziert er: "Das wird ein langjähriger Rollenspieler sein. Der kann am Ende sogar Top-10-Wert zurückbringen bei einer langen Karriere."
Dabei verweist Dennis Janßen auf Steinbachs "rundes" Offensivpaket und auf seine "Intangibles". Es sei schwierig, einen passenden Vergleichsspieler in der NBA zu finden. Mit Intangibles gemeint sind immaterielle Qualitäten, die nur bedingt messbar sind. Janßen erläutert: "Coaches lieben das und wollen diese High-Motor-Spieler aufs Feld schicken. Viele können alleine daraus eine Karriere machen." In Bezug auf solche Qualitäten verweist Janßen exemplarisch auf Indianas Spielmacher T. J. Connell, der Limitationen im Wurf und in der Athletik aufweist, aber "seine Karriere damit absolut maximiert".
Über Hannes Steinbach kann bilanziert werden: Der Big-Man bewies in seiner jungen Karriere bereits seine Einzigartigkeit und bringt neben seiner ansteckenden Energie ein hohes Spielverständnis und vielseitige Ansätze mit. So dürfte er früher oder später zum nächsten Würzburger in der NBA reifen.
Lukas Feldhaus