vor 6 Stunden
Die Baskets im Kadercheck
Nach dem Halbfinaleinzug setzen die Telekom Baskets Bonn vor allem auf Kontinuität und verstärken ihren eingespielten Kern punktuell. Neben der Rückkehr in die Champions League soll auch in der BBL wieder ein Platz in der Spitzengruppe herausspringen.

Von der Vizemeisterschaft bis zum Schnuppern am Tabellenkeller war in Bonn zuletzt alles dabei - die vergangenen Jahre glichen einer sportlichen Achterbahnfahrt. Nach Platz eins in der Hauptrunde, der Vizemeisterschaft und dem Gewinn der Champions League 2023 verpassten die Baskets in den beiden folgenden Spielzeiten jeweils die Top Five - 2024/25 stürzte der Klub sogar bis auf Rang 14 ab. In der vergangenen Saison gelang jedoch die erhoffte Trendwende: Bonn beendete die Hauptrunde auf dem vierten Platz, setzte sich im Viertelfinale gegen Würzburg durch und musste sich erst im Halbfinale dem FC Bayern geschlagen geben.
Der Erfolg zahlt sich dennoch aus. Durch den Einzug unter die besten vier Teams der BBL sind die Baskets nach einem Jahr Pause direkt für die Champions League qualifiziert. Dort warten in der Gruppenphase Joventut Badalona, Bnei Herzliya und der FC Porto. Für Bonn ist es bereits die 25. internationale Saison der Vereinsgeschichte.
Anders als in vielen vergangenen Sommern musste Bonn seinen Kader nicht grundlegend umbauen. Mit Grayson Murphy, Joel Aminu, Alijah Comithier, Jeff Garrett und Kapitän Michael Kessens bleibt das Gerüst der erfolgreichen Vorsaison zusammen. Auch Melvin Jostmann, Patrick Heckmann sowie die jungen deutschen Spieler Kenan Reinhart und Benjamin Sadikovic gehören weiterhin zum Aufgebot.
Diese Kontinuität könnte sich besonders zu Saisonbeginn auszahlen. Die Baskets kennen das System von Headcoach Marko Stankovic. Bonn dürfte erneut versuchen, seine Identität über aggressive Verteidigung, hohes Tempo und eine ausgeglichene Rollenverteilung zu finden. Mit Birts, Aminu und Garrett besitzt das Team gleich mehrere vielseitige Verteidiger, während Murphy weiterhin für die Organisation des Spiels zuständig sein soll.

Die prominenteste Verpflichtung ist John-Michael Wright. Der 25 Jahre alte Combo-Guard kommt vom kroatischen Erstligisten KK Dubrava und unterschrieb in Bonn einen Vertrag bis 2028. In der vergangenen Saison führte er seine Mannschaft sowohl in der kroatischen Liga mit 17,2 Punkten pro Spiel als auch international in der ENBL mit 16,8 Punkten an. In den Playoffs steigerte er seine Ausbeute sogar auf durchschnittlich 20,0 Zähler.
Mit seinem Distanzwurf (50 Prozent in den Playoffs), seiner Physis und der Fähigkeit, beide Guard-Positionen zu besetzen, soll Wright die Offensive variabler machen. Gleichzeitig muss er beweisen, dass er seine Leistungen aus Kroatien auch auf das höhere Niveau der BBL und Champions League übertragen kann. Nach den Abgängen von Jalen Finch und Zach Cooks wird vor allem von Wright erwartet, dass er im Backcourt Verantwortung als Scorer übernimmt.
Zugänge: John-Michael Wright (KK Dubrava Zagreb/Kroatien), Justin Onyejiaka (RheinStars Köln, Doppellizenz mit den Dragons Rhöndorf)
Abgänge: Jalen Finch (Ziel unbekannt), Zach Cooks (Ziel unbekannt), Jonathan Bähre (Ziel unbekannt)
| # | SPIELER | POSITION | NATIONALITÄT | JAHRGANG |
|---|---|---|---|---|
| Justin Onyejiaka | PG | GER | 2004 | |
| John-Michael Wright | PG | USA | 2001 | |
| 7 | Grayson Murphy | PG | GER | 1999 |
| 8 | Kenan Reinhart | SG | GER | 2007 |
| 21 | Joel-Sadu Aminu | SG | GER | 1997 |
| 2 | Alijah Comithier | SF | USA | 2001 |
| 5 | Tylan Birts | SF | USA | 1996 |
| 4 | Jeff Garrett | PF | GER | 1994 |
| 33 | Patrick Heckmann | PF | GER | 1992 |
| 6 | Michael Kessens | C | GER | 1991 |
| 12 | Melvin Jostmann | C | GER | 2000 |
| 15 | Kur Jongkuch | C | CAN | 1999 |
| 16 | Benjamin Sadikovic | C | GER | 2003 |
Der größte Vorteil der Baskets ist ihr eingespielter Kern. Während zahlreiche Konkurrenten ihre Rotation neu zusammensetzen müssen, kann Bonn auf den Strukturen der erfolgreichen Vorsaison aufbauen. Die Mannschaft ist defensiv vielseitig, athletisch und unter dem Korb tief besetzt. Entscheidend wird sein, ob Wright sofort als verlässlicher Scorer funktioniert und ob die Baskets trotz der zusätzlichen Belastung durch die Champions League konstant bleiben.
Ein erneuter Einzug in die Playoffs sollte mit diesem Kader das Mindestziel sein. Läuft die Guard-Rotation stabil und bleibt das Team weitgehend gesund, ist auch eine Platzierung unter den besten fünf Mannschaften der Hauptrunde realistisch. Für einen erneuten Halbfinaleinzug muss Bonn allerdings offensiv noch variabler und in engen Partien konsequenter auftreten.
Sam Müller