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    NBA

    vor 9 Stunden

    Warum es Milwaukee härter treffen könnte als die Clippers

    Nächster Gehaltsskandal? Trent Jr. und der mögliche Bucks-Niedergang

    Kaum hat die NBA den Fall Kawhi Leonard hinter sich gelassen, droht bereits das nächste Drama. Ein verdächtiger Deal zwischen den Milwaukee Bucks und Guard Gary Trent Jr. wirft Fragen auf, die von der nächsten prominenten Anwaltskanzlei beantwortet werden sollen. Aber ist das wirklich möglich?

    Gary Trent Jr.
    Gary Trent Jr. unterschrieb einen überraschend hoch dotierten Vertrag im Sommer. picture alliance / ASSOCIATED PRESS

    Als die Bucks am 16. Juli die Vertragsverlängerung mit Gary Trent Jr. offiziell machten, vergingen keine zwei Stunden, ehe die Liga eine Untersuchung einleitete. Ein NBA-Sprecher bestätigte ESPN-Insider Shams Charania, dass der Deal auf eine mögliche Umgehung der Gehaltsobergrenze geprüft wird. Warum der Verbleib des Scharfschützen genau beobachtet wird? Trent Jr. unterschrieb den größten Vertrag seiner Karriere ausgerechnet nach der schlechtesten Saison seiner Karriere.

    Und der Verdacht erhärtet sich, wenn man einen Blick auf seine Vertragshistorie wirft. 2024 kam Trent für das Veteranenminimum nach Milwaukee, obwohl er zuvor in Toronto 13,7 Punkte pro Spiel aufgelegt hatte. 2025 folgte ein Zweijahresvertrag über insgesamt 7,5 Millionen Dollar, der ihm in der Saison 2025/26 nur 3,7 Millionen einbrachte, den Bucks aber seine Early-Bird-Rechte sicherte. Diese Rechte erlauben es einem Team, den eigenen Spieler nach zwei Jahren auch oberhalb der Cap deutlich besser zu bezahlen.

    Genau das geschah: Trent schlug seine Spieleroption über 3,9 Millionen Dollar aus und verdient in der kommenden Saison satte 15,2 Millionen Dollar. Und das nach einer Spielzeit mit 8,1 Punkten und einer Wurfquote von 38,7 Prozent - beides Karrieretiefstwerte. Manager anderer Teams hatten laut ESPN seit Monaten mit genau dieser Verlängerung gerechnet. ESPN-Reporter Tim MacMahon fand dafür ein Wort: Der Vertrag "stinkt".

    Die Bucks halten gegen die Befürchtungen. "Er ist ein Elite-Schütze", sagte General Manager Jon Horst am Media Day und verwies auch auf Trents Alter von 27 Jahren, seine Dreierquoten als Bankspieler und seine Auftritte in den Playoffs. Gegenüber anderen Teams argumentiert Milwaukee laut The Athletic, interne Prognosen hätten Trent stets als 15-Millionen-Dollar-Spieler ausgewiesen. Zudem gibt es einen hauseigenen Präzedenzfall: Bobby Portis unterschrieb zweimal kurze Verträge mit Spieleroption, ehe er 2022 vier Jahre und 48 Millionen Dollar erhielt. Portis kam damals allerdings aus einer starken Saison mit 14,6 Punkten und 9,1 Rebounds.

    Kawhi Leonard
    Der Fall Trent Jr. ist nur bedingt mit dem von Kawhi Leonard vergleichbar. IMAGO/ZUMA Press

    Was den Fall von Kawhi Leonard unterscheidet

    Der Vergleich mit den Clippers drängt sich auf, weil das Urteil erst wenige Wochen alt ist. Die NBA hatte den Los Angeles die Erstrundenpicks von 2029 bis 2033 entzogen, verhängte eine Geldstrafe von 30 Millionen Dollar und suspendierte Besitzer Steve Ballmer für ein Jahr. Auch die Clippers-Präsidenten Gillian Zucker (ein Jahr) und Lawrence Frank (sechs Monate) wurden gesperrt. Leonard selbst muss 700.000 Dollar zurückzahlen, sein Onkel Dennis Robertson darf fünf Jahre lang nicht mit NBA-Teams verkehren. Es ist die härteste Strafe der Ligageschichte.

    Inhaltlich liegen die Fälle jedoch weit auseinander. Bei den Clippers ging es um Zusatzeinnahmen, die das Team seinem Star über verschiedene Geschäftspartner verschaffte, darunter Aspiration. Allein der Werbevertrag mit dieser inzwischen insolventen Firma war 28 Millionen Dollar schwer. Bei Trent floss nach allem, was bekannt ist, kein Cent am offiziellen Gehalt vorbei: Berichte über externe Werbedeals gibt es nicht. Die Frage lautet allein, ob der Vertrag vor zwei Jahren schon versprochen war. Während die Geschäftsbeziehungen im Fall Leonard dokumentiert waren, ist bei den Bucks bislang kein Beleg für eine Absprache öffentlich geworden. Hinzu kommt die Fallhöhe: einerseits ein Besitzer, dem die Liga ein Muster wiederholter, schwerer Regelverstöße attestierte, andererseits ein einzelner Vertrag für einen Bankspieler.

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    Die Blaupause heißt Joe Smith

    Viel näher liegt ein Fall aus dem Jahr 2000. Die Minnesota Timberwolves hatten Joe Smith damals heimlich zugesichert, ihn nach drei günstigen Einjahresverträgen und dem Erwerb seiner Bird-Rechte mit 86 Millionen Dollar zu entlohnen. Commissioner David Stern strich Minnesota fünf Erstrundenpicks, verhängte 3,5 Millionen Dollar Strafe und annullierte Smiths Verträge, womit auch dessen Bird-Rechte verfielen. Besitzer Glen Taylor wurde gesperrt und Manager Kevin McHale musste eine Zwangspause einlegen. Zwei Picks bekamen die Wolves später zurück, drei blieben verloren. Smith ging daraufhin nach Detroit.

    Die Mechanik ist dieselbe, die die Liga nun in Milwaukee vermutet: unter Marktwert unterschreiben, Bird-Rechte aufbauen, später kassieren. Der entscheidende Unterschied ist die Beweislage. In Minnesota existierten damals handfeste Beweisstücke in Form von schriftlichen Vereinbarungen. Stern sprach von "nicht weniger als fünf geheim gehaltenen Verträgen", ans Licht kamen sie erst durch den Streit zweier Spielerberater. Im Fall Trent ist kein solches Papier bekannt. Warriors-Forward Draymond Green hält eine harte Strafe deshalb für unwahrscheinlich: Absprachen dieser Art halte niemand schriftlich fest, also sei kaum etwas nachzuweisen.

    FallVorwurfBeweislageStrafe
    Joe Smith / Timberwolves (2000)Geheime Zusage eines Großvertrags nach drei günstigen EinjahresverträgenSchriftliche Geheimverträge3,5 Mio. Dollar, fünf Erstrundenpicks (zwei später zurück), Verträge annulliert, Sperren für Taylor und McHale
    Kawhi Leonard / Clippers (2026)Zusatzeinnahmen über Deals mit Geschäftspartnern des TeamsDokumentierte Geschäftsbeziehungen, einjährige Untersuchung30 Mio. Dollar, fünf Erstrundenpicks (2029-2033), Sperren für Ballmer, Zucker und Frank
    Gary Trent Jr. / Bucks (seit Juli 2026)Mögliche Vorab-Zusage des 64-Millionen-VertragsBislang nur Indizienoffen

    Warum fünf Picks Milwaukee härter träfen als Los Angeles

    Findet Hecker Fink doch einen Beleg, steht der gesamte Strafenkatalog im Raum. Die Liga könnte den Vertrag annullieren, Verantwortliche sperren und Draftpicks einziehen. The-Athletic-Reporter Joe Vardon hält eine Strafe für möglich, die jener der Clippers gleichkommt oder sie sogar übertrifft.

    Für Milwaukee wäre der Verlust von Picks aus mehreren Gründen verheerender. Erstens ist der Bestand ohnehin dünn. Die Bucks schulden ihren eigenen Erstrundenpick in jedem der nächsten vier Drafts, dreimal über Tauschrechte, 2029 komplett und ungeschützt. Was sie besitzen, stammt aus dem Trade von Giannis Antetokounmpo nach Miami: die ungeschützten Heat-Picks 2031 und 2033 sowie ein Tauschrecht 2030. Eine Strafe träfe also genau jene Picks, die der Gegenwert für den besten Spieler der Franchise-Geschichte sind. Die Clippers, im Falle von Kawhi Leonards Fall, haben dagegen ein Polster: Für den Forward erhielten sie aus Toronto unter anderem zwei ungeschützte Erstrundenpicks und ein Tauschrecht.

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    Zweitens fehlt Milwaukee der Ausweg über den Markt. Los Angeles bleibt Los Angeles, und Ballmer bleibt der reichste Besitzer der Liga. "Kein Free Agent geht nach Milwaukee", machte Draymond Green deutlich. Die Bucks müssten zweitklassigen Spielern Maximalgehälter zahlen, um sie überhaupt zu locken, glaubt er, und spekulierte sogar über einen Verkauf der Franchise. Belastbare Hinweise auf Verkaufsabsichten gibt es allerdings nicht. Die Historie stützt Greens Kern: Den Titelkader von 2021 baute Milwaukee über Draft und Trades auf, bezahlt mit Erstrundenpicks für Jrue Holiday und Damian Lillard.

    Können die Bucks tatsächlich überführt werden?

    Drittens stehen die Bucks ganz am Anfang. Sie befinden sich im ersten Schritt eines Rebuilds, ohne jungen Eckpfeiler, auf den sich bauen ließe. Die Hoffnungen ruhen auf Kel'el Ware, Jaime Jaquez Jr., Tyler Herro sowie den Rookies Brayden Burries und Nate Ament. Dazu belasten bis 2029/30 jährlich rund 22,5 Millionen Dollar aus dem gestreckten Lillard-Vertrag die Bücher. Selbst gezieltes Verlieren hilft nicht, solange die eigenen Picks anderen gehören. Ein Team ohne Star, ohne Marktvorteil und ohne Kontrolle über den eigenen Draft hätte nach einem Pick-Entzug kaum noch Handlungsspielräume.

    Noch ist all das nur ein Szenario ohne tatsächliches Urteil. Die Untersuchung im Fall Leonard dauerte rund ein Jahr, auch in Milwaukee könnte sich das Verfahren bis weit ins kommende Jahr ziehen. Am Ende zählt, ob die Ermittler eine Zusage nachweisen können. Gelingt das nicht, bleibt den Bucks ein überteuerter Vertrag. Gelingt es, droht einer Franchise im Neuaufbau ein Rückschlag, der sie auf Jahre zurückwirft.

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    Julius Ostendorf