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    NBA

    vor 7 Stunden

    Einzigartiges Problem in San Antonio

    Muss Fox getradet werden? Spurs vor einer kniffligen Offseason

    Die San Antonio Spurs haben in den NBA Finals mehr als nur einmal Lehrgeld gezahlt und sind am Ende ziemlich bitter, aber auch deutlich an den New York Knicks gescheitert. Für die ambitionierten Texaner steht nun ein spannender Sommer mit richtungsweisenden Entscheidungen bevor.

    De'Aaron Fox
    De'Aaron Fox konnte in den Playoffs nicht vollends überzeugen. Dustin Safranek

    Am Ende waren die Knicks der verdiente Champion, da sie eine ziemlich fehlerfreie Serie gespielt haben und im Gegensatz zu den Spurs mental bereit für den finalen Schritt waren. Ob sie auch das bessere bzw. talentiertere Team waren, ist mal dahingestellt, genau wie die Frage, ob eine Revanche in den Finals 2027 ähnlich ausgehen würde.

    Beim ersten tiefen Playoff-Run direkt auch den Titel zu holen, ist einfach unheimlich schwierig. Da gibt es nichts dran zu rütteln. Das haben OKC, Boston, Milwaukee oder auch Denver in den vergangenen Jahren ebenfalls schmerzlich erfahren.

    Das Gute dabei ist, dass es keinen besseren Ort als die größte NBA-Bühne gibt, um Schwachstellen zu erkennen und den Kader für die Zukunft zu schärfen. Die Nuggets erkannten in Aaron Gordon das fehlende Puzzlestück für den Titel, die Bucks in Jrue Holiday, die Celtics merkten, dass Marcus Smart für Kristaps Porzingis weichen musste, und die Thunder landeten mit Isaiah Hartenstein und Alex Caruso sowieso einen Homerun.

    Nun sind es die Spurs, die in der komfortablen Situation sind, dass ihre Schwächen von den Wolves, Thunder und vor allemden Knicks deutlich offenbart wurden und dem Front Office die Arbeit für den Sommer erleichtern. Einfach wird es aber trotzdem nicht.

    Hartenstein und Caruso gewannen 2025 den NBA-Titel.
    Hartenstein und Caruso gewannen 2025 den NBA-Titel. Getty Images

    San Antonio Spurs: Die klaren Schwachstellen

    Wie wichtig die Playoffs als Maßstab für die Balance des Kaders und die Wichtigkeit einzelner Spieler sind, hat sich in diesem Jahr bei den Spurs so eindrucksvoll gezeigt wie selten.

    Blicken wir als erstes Mal auf Keldon Johnson. Der bullige Swingman ist der dienstälteste Spur und spielte seine bis dato stärkste Regular Season, an deren Ende er verdient zum Sixth Man of the Year gewählt wurde. Dazu ist er das Herz des Teams und eine wichtige Stimme im Locker Room.

    In den Playoffs folgte dann aber die Ernüchterung. Mit zunehmender defensiver Intensität nahm die Effizienz seiner eigentlich gefürchteten Drives auf einmal massiv ab. In direkter Korbnähe fiel seine Feldwurfquote um fast 20 (!) Prozent, worunter sein gesamtes Spiel litt. Er wirkte in vielen Situationen verunsichert, reboundete deutlich schlechter und sammelte deutlich mehr Fouls.

    Ähnlich erging es Luke Kornet. Das Big Man hatte die gesamte Saison über Victor Wembanyama stark vertreten bzw. einen überdurchschnittlichen Backup gegeben. Mit Ausnahme des jetzt schon legendären Blocks in Spiel 7 gegen die Thunder war er aber kaum spielbar. Er wurde defensiv gnadenlos attackiert und war offensiv aufgrund seines fehlenden Wurfs kaum ein Faktor.

    Besonders gegen die Knicks wurde dann auch das Fehlen eines echten Forwards deutlich. Wembys defensive Außergewöhnlichkeit erlaubt es den Spurs, um ihn herum faktisch vier Guards starten zu lassen (Julian Champagnie ist mit 2,01 Meter der zweitgrößte Starter). Das klappt natürlich auch nur, weil mit Ausnahme von De'Aaron Fox alle drei überdurchschnittliche Perimeter-Verteidiger sind, gegen bullige Forwards wie OG Anunoby hätte ein größerer Defender aber sehr gutgetan.

    San Antonio Spurs: Was passiert mit Fox?

    Und dann gibt es natürlich noch den großen Elefanten im Raum: Was passiert mit De'Aaron Fox? Der Ex-All-NBA-Spieler hat längst nicht mehr das Niveau von früheren Jahren, war in der Regular Season aber nach Wemby der wichtigste Baustein auf dem Weg zu 60+ Siegen. In den Playoffs sah das etwas anders aus.

    Fox war früher ein überragender Driver mit unglaublicher Athletik, der über jeden dunken konnte und wollte. Um seine Karriere zu verlängern (man denke an Derrick Rose), hat er diesen Teil seines Spiels aufgegeben und konzentriert sich mehr auf die Mitteldistanz und clevere Layups. Das klappte zum Beispiel in Spiel 3 der Finals, als er die Seinen in den Schlusssekunden zum Sieg warf, viel zu oft fiel er aber negativ auf. Am deutlichsten war das in der zweiten Halbzeit von Spiel 4 zu sehen, als er viele schlechte Entscheidungen traf und sich unnötige Turnover erlaubte, die die Knicks wieder ins Spiel brachten.

    Das Problem ist dabei, dass Fox weder ein guter Verteidiger ist noch ein besonders effizienter Shooter. In den gesamten Playoffs traf er 41,4 Prozent aus dem Feld und 29,4 Prozent von draußen, in den Finals sogar nur katastrophale 34,3 FG% und 25 3P%. Er machte zwar einen guten Job darin, die Turnover seines Teams zu verringern und die Ballhandling-Aufgaben von dem oft überforderten Stephon Castle zu nehmen, für einen Spieler mit seinem Vertrag ist das aber schlichtweg zu wenig.

    Im Sommer beginnt erst der neue Vierjahresvertrag des 28-Jährigen über 221 Mio. Dollar, was den Spurs ordentlich Cap Space kostet, ohne dass der Ertrag entsprechend ist. Auf dem Papier soll er der zweite Star neben Wemby sein, in der Realität war er in den Playoffs wahrscheinlich nur der viert- oder fünftbeste Spur.

    Das bringt die Spurs in eine verzwickte Situation. Zum Zeitpunkt des Trades passte die Fox-Verpflichtung perfekt. Der Fit an der Seite von Wemby ergibt Sinn, genau wie seine Erfahrung dem jungen Team weiterhilft. Dass dann aber Castle und Dylan Harper so einschlagen und die Spurs direkt bis in die Finals führen, konnte schlichtweg niemand voraussehen.

    Fox könnte getradet werden.
    Fox könnte getradet werden. Dustin Safranek

    San Antonio Spurs: Wer wandert auf die Bank?

    Castle war gegen die Wolves und Thunder wohl der zweitbeste Spieler seines Teams, Harper kann man diesen Titel dann guten Gewissens für die Finals verleihen. Die beiden spielten oft wie gestandene Veteranen und nicht wie Spieler in ihrem zweiten bzw. ersten NBA-Jahr. Nicht ohne Grund kam Harper immer nach wenigen Minuten bereits in die Partie und stand dann auch zumeist in der Crunchtime auf dem Feld.

    Während er in der regulären Spielzeit noch sehr ordentlich unterwegs war, reifte er in den Playoffs Stück für Stück zum Star. In schwierigen Phasen übernahm er immer wieder entscheidend und sorgte im Alleingang für wichtige Punkte. Dennoch entschied sich Mitch Johnson, ihn weiterhin von der Bank zu bringen, was bei ihm offenbar jetzt schon für Unzufriedenheit gesorgt hat.

    Man muss kein Prophet sein, um zu erkennen, dass Harper in der kommenden Spielzeit nicht mehr von der Bank kommen wird. Dafür ist er schlichtweg zu gut. Was bleibt dann aber als Alternative? Johnson könnte Castle auf die Bank verbannen. Sportlich wäre das schon schwer zu rechtfertigen, dazu würde es auch sicherlich am Ego des Guards kratzen, der ja schließlich einer der Grundpfeiler der glorreichen Zukunft sein soll.

    Die einzig echte Option ist dann, Fox als 6th Man kommen zu lassen. San Antonio hat bekanntlich eine ruhmreiche Vergangenheit mit starträchtigen Bankspielern, einen Max-Spieler in die zweite Reihe zu verbannen, wäre aber auch für sie ein starkes Stück. Ganz nüchtern betrachtet, wäre es also das Sinnvollste, sich mal auf dem Trade-Markt nach möglichen Abnehmern umzuschauen.

    Es ist ja auch nicht so, als wäre Fox jetzt auf einmal ein schlechter Spieler, nur weil er etwas redundant mit den jungen Guards der Spurs wirkt. Er gehört immer noch zu den besseren Point Guards der Liga und kann viele Teams auf Anhieb besser machen. Man schaue nur mal nach Minnesota, Toronto oder Miami, die allesamt stark von den Fox' Fähigkeiten profitieren würden. Lediglich das Finanzielle ist mal wieder ein Thema.

    Spurs-Backcourt: Luxusproblem auf der Eins

    SpielerPunkteReboundsAssistsFG%
    De’Aaron Fox18,63,86,248,6 %
    Dylan Harper11,83,43,950,5 %
    Stephon Castle16,75,37,447,1 %

    San Antonio Spurs: Mögliche Trade-Ziele

    Das gilt auch für die anderen Baustellen des Teams. Cap Space ist in San Antonio knapp, sollten sich einen cleveren Deal für Johnson einfädeln, könnten sie aber um die 20 Mio. freischaufeln. Dieses Geld könnten sie nutzen, um einen wurfstarken Big Man an Land zu ziehen, der in den Nicht-Wemby-Minuten das Feld breit machen kann. Nikola Vucecvic wäre eine wohl günstige Lösung, Kristaps Porzingis eine teurere und deutlich interessantere.

    Was aber auf jeden Fall ansteht, sind die Verlängerungen von Champagne und Oldie Harrison Barnes, die elementar für den Erfolg des Teams sind. Barnes wird sich dabei mit dem Minimum zufriedengeben, Champagnie kann man für 20+ Mio. pro Saison einplanen.

    Spannend wird dann zu sehen sein, ob San Antonio sich aktiv um einen Power Forward bemüht oder auf die Entwicklung von Carter Bryant vertraut. Der Rookie hat sein Potenzial in den Playoffs angedeutet, wirkte aber zu oft noch sehr roh. Aufgrund der Rookie-Verträge von Bryanr, Harper und Castle sind die Spurs in den kommenden zwei Jahren noch richtig billig und flexibel, was auch das Fenster für die Verantwortlichen ist, um das Team für die Zukunft aufzustellen.

    Die Traumlösung aus Spurs-Sicht wäre hier wohl Aaron Gordon, der das Ceiling des Teams noch mal deutlich anheben würde. Es scheint jedoch ausgeschlossen, dass die Nuggets ihren direkten Konkurrenten so explizit stärken wollen. Andere spannende Trade-Ziele wären Trey Murphy III oder auch Michael Porter Jr., die wohl auch leichter zu haben wären.

    So oder so scheint es so, als wären die Spurs nur noch ein paar kleine Anpassungen davon entfernt, auch den letzten Schritt auf dem Weg zum Titel bald zu gehen. Vielleicht braucht es dafür nicht mal neues Personal, sondern einfach mehr Erfahrung.

    • Knicks nicht in den Top-3: Die Quoten auf den Titel 2027
    • Harper offenbar unzufrieden mit Spielzeit
    • Der ewige Zweite: Verrückter Wemby-Lauf geht weiter

    Gianluca Fraccalvieri