vor 5 Stunden
Defense trifft auf Offense
Die Detroit Pistons und Cleveland Cavaliers haben beide ein Spiel 7 in der ersten Runde überstanden und treffen jetzt in den Conference Semifinals aufeinandern. Vor allem für den Backcourt um Donovan Mitchell und James Harden ist dies eine echte Bewährungsprobe.

Auch wenn beide Teams am Ende bis ins Spiel 7 mussten, starteten sie komplett unterschiedlich in die Postseason. Während bei den Detroit Pistons nach der Niederlage in Spiel 1 bereits früh der Haussegen schiefhing, lief bei den Cleveland Cavaliers zunächst alles nach Plan. Sie gewannen Spiel 1 und 2 deutlich und fuhren mit viel Selbstvertrauen nach Toronto, um dort die Serie bereits frühzeitig zuzumachen.
Die Raptors hatten aber etwas dagegen und machten den starken Offensive der Regular Season (Platz 6) das Leben richtig schwer. Nach einem weiteren Heimsieg roch in Spiel 6 dann endgültig alles nach nächster Runde, R.J. Barrett verwandelte sich spontan aber in Kawhi Leonard und verwandelte in der Overtime einen verrückten Gamewinner zum Sieg. In Spiel 7 behielt Cleveland dann aber die Nerven und machte den Sieg dann eines überragend Jarrett Allen perfekt.
Bei den Pistons war der Weg bis in die Conference Finals noch deutlich steiniger. Nach vier Spielen lagen sie 1-3 zurück, gewannen dann Spiel 5 und hatten sich nach dem 22-Punkte-Rückstand zur Halbzeit in Spiel 6 vielleicht schon gedanklich aus der Serie verabschiedet. Dann legten die Magic aus dem Nichts aber die schlechteste Halbzeit der Playoff-Geschichte hin und Detroit war auf einmal der Favorit in einem Spiel 7 in der heimischen Little Caesars Arena, in der sie auch endlich wie ein solcher auftraten.
Anders als in der Serie gegen Orlando stehen sich in den Semifinals zwei komplett unterschiedliche Teams gegenüber. Cleveland kommt über Finesse und offensive Firepower, die Pistons ganz klar über ihre Defensive. Das muss auch in dieser Serie der Fokus des Teams von J.B. Bickerstaff. Sie haben die Magic in den Spielen 5 bis 7 teilweise mit ihrer Physis erdrückt und in den entscheidenden Momenten Stopps generiert. Ja, Orlando war offensiv die Serie über nicht gut, Detroit defensiv aber zumeist auch hervorragend.
Vor allem auf Ausar Thompson werden viele Augen gerichtet sein. Er soll seine unglaubliche Athletik dazu nutzen, dem talentierten Backcourt der Cavs das Leben zur Hölle zu machen. James Harden und Donovan Mitchell haben schon oft genug gezeigt, dass man ihnen mit harter Defensive zusetzten kann, Thompson und Co. werden genau das probieren. Ähnliches gilt für den Frontcourt um Jalen Duren und Isaiah Stewart. Gegen Allen und Evan Mobley müssen sie sich behaupten und dürfen sich nicht an den Brettern dominieren lassen, wie es den Raptors passiert ist.
Gleichzeitig muss die Offensive der Pistons aber trotzdem besser funktionieren. In Spiel 7 bekam Cade Cunningham zwar endlich mal Unterstützung (Tobias Harris 30 Punkte, Daniss Jenkins 16 Punkte), viel zu oft in der ersten Runde war das aber einfach nicht der Fall. Vielmehr hatte man den Eindruck, Cunningham müsste vorne alles alleine machen, wenn etwas gehen soll. Duncan Robinson ist in den Playoffs noch überhaupt nicht angekommen, genau wie Duren (trotz eines guten Spiel 7). Die Pistons haben in ihm und Thompson ohnehin schon zumeist ein schlechtes Spacing, da muss der Rest liefern. Robinsons 36,5 Prozent von draußen müssen sich schleunigst verbessern, genau wie der Rest der Mannschaft (außer Cunningham hat keiner der designierten Scorer über 30 3P%).

Das Ziel der Cavs wird sein, die Pistons in Grund und Boden zu schießen. Das Team hat nach den schwachen Leistungen in den vergangenen Playoffs etwas zu beweisen - genau wie Neuverpflichtung Harden. Er und Mitchell müssen das Herz der Offensive sein und das Spiel an sich reißen, schließlich haben sie zusammen schon 250 Playoff-Spiele auf dem Buckel. Auch wenn die Pistons ekelige Defense spielen werden, müssen sie einfach einen Weg finden, das Scoring aufrechtzuerhalten. Auf dem Papier sind sie eines der besten Guard-Duos der Liga, jetzt müssen sie das auch beweisen.
Cleveland ist einer der anpassungsfähigsten Offensivteams der Liga und muss das zeigen. Sie haben fünf Spieler, die aktuell über 35 Prozent von draußen treffen (Mitchell ist gar nicht dabei), wodurch sie es in jedem Spiel regnen lassen können. Gleichzeitig haben sie pfeilschnelle Spieler, die die Zone durch Drive attackieren können, und ihre beiden Bigs, die unterm Korb und aus dem Post für Chaos sorgen.
Ihre Erfahrungen müssen sich dann auch in der Defensive ausspielen. Sie müssen auf den Ball aufpassen und dürfen Detroit nicht ins Laufen kommen lassen, sondern müssen sie ins Halbfeld zwingen. Einfache Punkte in Transition zuzulassen, ist gegen die Pistons tödlich, gleichzeitig müssen sie zusehen, Cunningham so gut es geht einzudämmen. Franz Wagner hat ihn über 4 Spiele ordentlich beackert, was den Pistons große Probleme bereitet hat, das wird auch das Ziel der Cavs sein.
In der regulären Spielzeit gaben die beiden Teams sich kaum etwas (2-2), weshalb wir uns potenziell erneut über sieben Spiele freuen dürfen. Detroit muss zusehen, dass es seine Offensive zum Laufen bekommt, sonst werden sie kaum genug scoren, um mit den Cavs mitzuhalten. Diese haben jedoch schon in den vergangenen Jahren gezeigt, dass sie gegen harte Defensive Probleme bekommen, und Harden hat zu selten in den Playoffs bewiesen, dass er in den wichtigen Momenten zur Stelle sein kann.
Am Ende werden Kleinigkeiten diese Serie entscheiden, die Chancen stehen aber nicht schlecht, dass Mitchell zum ersten Mal in seiner Karriere Conference-Finals-Luft schnuppern kann, Detroit hat offensiv bisher schlichtweg zu wenig gezeigt.
Prognose: Cavs in 7
Gianluca Fraccalvieri