vor 18 Stunden
Brooklyn in der Offseason-Analyse
Nach einer Saison mit nur 20 Siegen setzen die Brooklyn Nets ihren langsamen Neuaufbau fort. Einige erfahrene Neuzugänge sollen den zahlreichen Talenten helfen - ein klares Gerüst für die Zukunft ist jedoch weiterhin nicht zu erkennen.

2025 nutzten die Nets noch alle ihre fünf Erstrundenpicks, in diesem Sommer kamen in Nr.6-Pick Mikel Brown Jr. und Joshua Jefferson (#28) noch zwei dazu. Ergo stehen gleich sieben recht unerfahrene Spieler im Kader. In der Offseason wurde nun etwas Erfahrung hinzugefügt. Die Nets nahmen unter anderem Julius Randle von den Timberwolves auf und holten in Moritz Wagner und Keon Ellis zwei Free Agents, die auf der Suche nach Minuten waren.
In Brooklyn sollten diese verfügbar sein, noch ist keinerlei Gerüst für die Zukunft zu erkennen. Auf der Abgangsseite sticht niemand heraus, Nic Claxton war zwar viele Jahre der Starter auf der Fünf, doch der Big Man spielte ein schwaches Jahr und war entsprechend entbehrlich.
Zugänge: Julius Randle (Timberwolves), Moritz Wagner (Magic), Keon Ellis (Cavaliers), Mikel Brown Jr., Joshua Jefferson (beide Draft)
Abgänge: Nic Claxton (Bulls), Ochai Agbaji, Ziaire Williams (Lakers), Jalen Wilson (Hawks), Malachi Smith (Raptors)
| PG | SG | SF | PF | C |
|---|---|---|---|---|
| M. Brown Jr. | E. Demin | M. Porter Jr. | J. Randle | D. Sharpe |
| N. Traore | K. Ellis | J. Minott | N. Clowney | M. Wagner |
| B. Saraf | D. Powell | T. Mann | J. Jefferson | D. Wolf |
Es wird weiterhin langsam neu aufgebaut. Die Hoffnungen ruhen auf Brown Jr., ein Combo-Guard, der in seiner College-Saison aber mit Verletzungen zu kämpfen hatte. Dazu zeigte auch Egor Demin in seiner Rookie-Spielzeit gute Ansätze. Der Russe dürfte fest in den Planungen der Franchise verankert sein.
Dass nun Veteranen wie Randle, Ellis oder Wagner hinzukommen, kann nur helfen. Tanking spielt in Brooklyn in dieser Saison ohnehin keine Rolle. Einerseits verschärfte die NBA die Regeln, andererseits besitzen die Nets ihren Erstrundenpick nicht. Im Zuge des Trades von James Harden ist noch ein Pick-Swap mit den Houston Rockets fällig.
Nach einer 20-62-Saison werden die Fans der Nets sich weiterhin in Geduld üben müssen, große Sprünge scheinen weiterhin nicht möglich zu sein. Dazu können Porter Jr. und Randle im kommenden Sommer Free Agents werden, weswegen Trades während der Saison nicht auszuschließen sind.
Brooklyn fehlen gestandene NBA-Spieler, vor allem im Backcourt. Brown Jr. und auch Demin werden viele Fehler machen. Ein erfahrener Spielmacher hätte der Franchise sicherlich gutgetan. Nolan Traore zeigte ein paar solide Ansätze, während der Ex-Ulmer Ben Saraf bisher jegliche NBA-Tauglichkeit schuldig blieb.
Mit Randle bekommt das Team zumindest einen spielintelligenten Forward, dazu wird Wagner dringend benötigtes Scoring von der Bank bringen. Gleichzeitig muss die Frage erlaubt sein, wer in dieser Mannschaft außer Keon Ellis und Day’Ron Sharpe eigentlich verteidigt? Im Vorjahr waren nur fünf Teams in der Verteidigung schlechter, viel mehr dürften es auch 2026/27 nicht sein.

Coach Jordi Fernandez hat bewiesen, dass er mit seinen oft limitierten Mannschaften durchaus für Überraschungen sorgen kann. Was in dieser Saison wegfallen dürfte, ist das offensichtliche Tanking, weil es von der Liga bestraft wird und auch für Brooklyn in dieser Spielzeit keinen Sinn ergibt. So ist es möglich, dass mit etwas mehr Erfahrung mehr als 20 Saisonsiege herausspringen.
Da die Eastern Conference aber noch einmal eine ganze Ecke dorniger geworden ist, sind große Sprünge nicht zu erwarten. Vielmehr werden die Nets auch in dieser Spielzeit im Keller des Ostens stecken bleiben. Der Fokus liegt stattdessen darauf, die passenden Puzzleteile für die Zukunft zu finden. Denn klar ist auch: Alle Youngster, die man in den letzten Jahren zog, werden sicherlich nicht auf ewig bei den Nets spielen.
Robert Arndt