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    NBA

    vor 9 Stunden

    Wagner und da Silva schwärmen vom neuen Coach

    Mit DBB-DNA: Wie Sweeney Orlando eine neue Offense-Identität verpassen will

    Seit 2012 hat Orlando keine Offense mehr in der oberen Hälfte der NBA gestellt, drei Erstrunden-Aus in Serie waren die Quittung. Jetzt soll ausgerechnet ein Defensivspezialist die Angriffsmaschine der Magic zum Laufen bringen. Franz Wagner und Tristan da Silva erkennen in den ersten Wochen unter Sean Sweeney etwas Vertrautes - und das hat mit dem deutschen Nationalteam zu tun.

    Sean Sweeney, Franz Wagner
    Sean Sweeney will mit Franz Wagner die Spitze angreifen. Brad Penner

    35 Assists, 14 Ballverluste: Das erste Preseason-Spiel der neuen Ära endete am 7. Oktober mit einem 122:118 bei den Memphis Grizzlies. Viel wichtiger als das Ergebnis war die Assist-Zahl, die Orlando in der gesamten vergangenen Hauptrunde nur dreimal erreicht hatte. Der neue Coach Sean Sweeney konstatierte "großartiges Tempo und großartige Ballbewegung über den gesamten Angriff hinweg".

    Die Statistik ist ein Testspiel-Wert, und Testspiel-Werte haben eine kurze Halbwertszeit. Aber sie passt zu dem, was in Orlando seit Wochen zu hören ist: Die Magic wollen sich offensiv neu erfinden. Nötig ist das allemal, denn die Mannschaft um Paolo Banchero, Franz Wagner und Desmond Bane ist seit Jahren für ihre Defense gefürchtet und für ihre Offense eher bemitleidet worden.

    Nach dem 3:4 in der ersten Runde gegen die Detroit Pistons zog die Klubführung im Mai die Reißleine und trennte sich nach fünf Jahren von Jamahl Mosley. Am 1. Juni stellte Orlando den 41-jährigen Sweeney als 16. Cheftrainer der Franchise-Geschichte vor. Er kam von den San Antonio Spurs, wo er die erfolgreiche Defense um Victor Wembanyama gebaut hatte - zuvor war er Assistent in Dallas, Detroit, Milwaukee und Brooklyn.

    Die Altlast: ein Angriff im Dauerstau

    Wie groß die Baustelle ist, zeigt der Blick auf die Offensive Ratings der vergangenen drei Jahre. 2023/24 landete Orlando auf Rang 22, ein Jahr später auf Rang 27, mit der schlechtesten Dreierquote der Liga (31,8 Prozent). In der vergangenen Saison ging es immerhin auf Rang 18 hoch, doch von außen trafen die Magic weiterhin nur besser als drei andere Teams.

    Hinzu kam das Personal-Lotto: Wagner bestritt wegen einer hartnäckigen Knöchelverletzung und Wadenproblemen nur 34 von 82 Hauptrundenspielen und fehlte auch in den letzten drei Partien gegen Detroit. Ohne ihn erzielte Orlando in der Serie nur 99 Punkte auf 100 Ballbesitze. In Spiel 6 verspielten die Magic eine 24-Punkte-Führung und kamen in der zweiten Halbzeit auf magere 19 Zähler.

    Zwar hatte Orlando schon unter Mosley das Tempo angezogen und war bei den Transition-Ballbesitzen von Rang 26 auf Rang 12 geklettert. Doch der Halbfeld-Angriff galt weiter als statisch und berechenbar. Präsident Jeff Weltman verwies darauf, dass sein Team in gesunder Besetzung eine Top-10-Offense gewesen sei - ein Konjunktiv, der die vergangenen Jahre ziemlich treffend zusammenfasst.

    Orlandos Offense in den vergangenen Jahren

    SaisonBilanzOffensive RatingRang Offensive RatingPacePlayoffs
    2023/2447-35114,422.96,9Aus in Runde 1
    2024/2541-41109,527.96,1Aus in Runde 1
    2025/2645-37115,118.100,0Aus in Runde 1

    Raum ist keine Verhandlungssache

    Sweeneys Antwort auf die Enge ist so simpel wie kompromisslos: Platz. "Spacing ist keine Wahl. Es ist nicht optional", sagte der Coach zum Trainingslager-Auftakt. Man sei lieber "zu hoch, zu breit, zu weit auseinander, zu gespreizt". Je nach Lineup bedeutet das eine Four-Out- oder sogar Five-Out-Aufstellung. Heißt: Alle fünf Spieler stehen an der Dreierlinie und ziehen ihre Verteidiger damit ebenfalls nach außen, was wiederum Räume in der Zone eröffnet.

    Für Tristan da Silva folgt daraus ein klarer Arbeitsauftrag: "Ich glaube, dass es zu Recht die erste Message ist, dass ich werfen soll, dass ich viel werfen soll, weil es nicht nur mir hilft, aggressiv zu sein, sondern auch das Spacing für die restliche Mannschaft öffnet", sagte der Münchner in einer kürzlichen Medienrunde gegenüber basketball-world.news.

    Franz Wagner beschreibt den Effekt von der anderen Seite. "Das Spacing soll bestimmten Spielern - ich glaube, ich bin einer dieser Spieler - Raum geben, um zu attackieren und Plays zu machen", sagte der Berliner in derselben Runde. In der Preseason habe er bereits Aktionen gehabt, "wo gar kein Pass nötig war, sondern wo man direkt Driving Lanes hat".

    Tristan da Silva
    Tristan da Silva geht in seine dritte Saison in Orlando. IMAGN IMAGES via Reuters Connect

    Positionslos statt Point Guard

    In Memphis brachte Wagner den Ball auffallend oft selbst nach vorne und führte sein Team mit sieben Assists in nur knapp 14 Minuten an. Ein Umschulungsprogramm zum Spielmacher sei das aber nicht, stellte er klar: "Ich glaube, wir spielen relativ positionslos. Unsere Angreifer sollen den Ball haben und dann soll schnell gespielt werden." Gebe es früh die Chance, in die Zone zu kommen, wolle man sie sofort nutzen.

    Wie das aussieht, zeigte schon der erste Angriff der Preseason: ein Pick-and-Roll, in dem Wagner initiiert, Banchero blockt und Bane nach seinem Block für den Blocksteller an die Dreierlinie ausweicht. Sweeney formuliert das Ziel so: Jede Entscheidung solle ein echter, lebendiger Wurf-Look werden, den die Defense respektieren muss.

    Frei fließend heißt dabei nicht formlos. Wagner beschreibt den Trainingsalltag als "auf die Sekunde getimt". Nach fünf Jahren mit denselben Calls sei die neue Terminologie aktuell die größte Umstellung: "Gerade wenn man schnell spielt, muss man natürlich auch schnell schalten und schnell kommunizieren können." Da Silva spricht von neuen Systemen, Prinzipien und "Automatics" - der neue Coach habe "einen frischen Wind reingebracht, den alle gebraucht haben".

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    Ein Hauch von Nationalmannschaft

    Schon nach der ersten Einheit am 29. September zog Wagner einen bemerkenswerten Vergleich: Das Training habe ihn "ein bisschen an die Nationalmannschaft erinnert". Da Silva, der im Sommer anders als Wagner für das DBB-Team auflief, liefert die Übersetzung. Gemeint seien der Zusammenhalt und "ein Trainer, der sehr schnell spielen will, sehr strukturiert spielen will", dazu sehr kompetitive Trainingseinheiten.

    Die Parallele hat Substanz. Das DBB-Team ging bei der EuroBasket 2025 mit 101,4 Punkten pro Spiel als beste Offensive des Turniers ins Finale, verlor im Schnitt nur 9,4 Bälle und hatte das beste Assist-zu-Turnover-Verhältnis aller Teams. Bundestrainer Alex Mumbru ließ den Ball nach gegnerischen Körben sofort einwerfen und suchte frühe Abschlüsse in den ersten Sekunden des Angriffs.

    Auch die Positionsfrage stellte sich beim Europameister nur noch auf dem Papier. Genau diese Flexibilität soll nun in Orlando greifen, wo Wagner, Banchero und Bane die Aufgaben teilen, die früher ein klassischer Point Guard übernommen hätte.

    Die ersten Saisonspiele der Magic

    Der nächste Schritt beginnt am 21. Oktober

    Ob aus dem Preseason-Versprechen eine Saison-Wahrheit wird, muss sich ab dem 21. Oktober zeigen, wenn die Atlanta Hawks zum Hauptrundenauftakt ins Kia Center kommen. Die Dreierquote bleibt das große Fragezeichen, und auch Wagner traf in Memphis keinen seiner drei Distanzwürfe. Für da Silva waren es in zwei Spielen dagegen starke acht Treffer. Spacing ist letztlich jedoch nur so viel wert wie die Bereitschaft der Gegner, die Schützen ernst zu nehmen.

    Die Ambitionen sind dennoch hoch. Da Silva will nach dem Umweg über das Play-In möglichst weit oben abschließen, "idealerweise mit Heimvorteil", und im NBA Cup an das Halbfinale des Vorjahres anknüpfen. Wagner formuliert vorsichtiger: Er wolle am Ende das Gefühl haben, "alles rausgeholt" zu haben, was drin war.

    Der Stil, so viel steht für Wagner schon fest, "taugt uns als Gruppe sehr gut". Für eine Franchise, die seit 2012 offensiv im Keller wohnt, wäre schon der Umzug ins Erdgeschoss ein Fortschritt. Sweeneys Bauplan sieht allerdings mehr vor: offene Räume und kurze Entscheidungswege.

    Julius Ostendorf

    Orlando Magic
    ORLOrlandoOrlando Magic
    22.10.
    01:00
    Atlanta Hawks
    ATLAtlantaAtlanta Hawks
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    24.10.
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    Minnesota Timberwolves
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    New York Knicks
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    Orlando Magic
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