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    NBA

    vor 2 Stunden

    Die Guard-Situation der Portland Trail Blazers

    Mehrere Stars auf der Eins: Ein (un)mögliches Puzzle um Morant und Lillard?

    Die Portland Trail Blazers hoffen, den alten Ja Morant wieder herauszukitzeln - und gleichzeitig einen neuen kennenzulernen. Währenddessen muss Neu-Coach Micah Nori überlegen, wie er den Point Guard mit Rückkehrer Damian Lillard kombiniert; respektive, ob beide überhaupt kompatibel sind. Und dann wären da noch Scoot Henderson, Jrue Holiday, Deni Avdija, eine seltsame Vertragskonstellation und ein komplizierter Besitzer. Wie bekommt Nori all das zusammen?

    Morant wurde im Sommer via Trade nach Portland geschickt.
    Morant wurde im Sommer via Trade nach Portland geschickt. USA TODAY Sports

    Wer ist Ja Morant? "One" solle man ihn schon mal nicht nennen in Portland, wo er die Nummer 12 gegen die 1 tauschte. Er bleibe "Twelve", sagte er dem Social-Media-Team der Blazers grinsend auf Nachfrage. Ein Aspekt geht also seinen gewohnten Gang. Die anderen? Denn tatsächlich stellt sich für Portland die Frage, wie viel Ja aus Memphis anreist - und: wie viel Ja aus Memphis anreist.

    Einerseits hätten viele gern, dass der Point Guard möglichst schnell wieder so spielt wie noch vor wenigen Jahren, als er zu den spektakulärsten Spielern der Liga zählte. Andererseits wünschen sich nicht wenige, dass Morant geläutert ist und nicht mehr die Dinge tut, die die Atmosphäre des Teams stören.

    Wer ist da also in den Nordwesten der USA gezogen? Ein explosiver Point Guard, der sich mit Vorliebe über Ringniveau aufhält, Defenses terrorisiert, der zudem aus seinen Fehlern gelernt hat und die Chance eines Neuanfangs nutzen möchte? Oder ein nicht mehr ganz explosiver Point Guard, der das Werfen immer noch nicht so richtig verinnerlicht hat und trotz allem seinem Status als echter Superstar nachhängt?

    Starten? Von der Bank? Morant: "Habe so oder so kein Problem"

    Die Wahrscheinlichkeit ist nicht gering, dass die Wahrheit irgendwo in der Mitte liegt. Entscheidend dürften zwei Dinge sein: Einerseits, dass Morant seinem Spiel neue Nuancen hinzufügt, sich einen mindestens soliden Wurf, vielleicht auch nur aus dem Dribbling aus der Mitteldistanz, aneignet.

    Andererseits, dass Ja verstanden hat. Dass er weiß, dass die Wahrheit am Ende - anders als es manche Weisheit aus anderen Sportarten vermuten lassen möchte - eben nicht nur auf dem Platz liegt. Dass es darum geht, wie er mit unangenehmen Situationen umgeht, wie er sich gibt, wenn Dinge anders laufen als er es gern hätte. Erste Signale lassen sich durchaus positive interpretieren.

    "Ich glaube, gewinnen ist für mich das Wichtigste", sagte der Point Guard beim Media Day. "Deshalb werde ich die Rolle spielen, die es braucht, damit es funktioniert. Ich glaube, danach wird niemand sauer sein. Wenn ich starte, wenn ich nicht starte. Es ist dasselbe. Ich meine, es ist Tag eins. Ich glaube es ist eine Frage für den Coach. Aber wenn es nach mir geht: Ich habe so oder so kein Problem."

    Ein wenig klingt es nach Läuterung. Dass es Morant ernst meint, ist auch entscheidend. Denn der Neue ist nicht der einzige, den die Blazers erst (neu) kennenlernen müssen.

    Morant könnte bei den Trail Blazers von der Bank kommen.
    Morant könnte bei den Trail Blazers von der Bank kommen. picture alliance / ASSOCIATED PRESS

    Portlands Damian-Lillard-Rätsel

    Wer ist Damian Lillard 2026? Immer noch gnadenloser Driver zum Korb mit tödlichem Wurf? Oder doch ein 36-jähriger, eher kleiner Guard, dessen Achillessehnenriss ihm zu viel Explosivität raubte? Wieder dürfte weder das eine noch das andere vollumfänglich zutreffen. Gleichzeitig illustrieren die Extreme, welche Aufgabe vor Neu-Coach Micah Nori liegt.

    Als er sich in Portland vorstellte, war auch Lillard dabei. Der größte Star, den die Franchise seit Clyde Drexler gesehen hatte, der nach zwei Jahren Milwaukee wieder zurück war, lauschte Noris Präsentation und vernahm dabei irgendwann, dass sein vielleicht neuer Coach vorhatte, ihn von der Bank zu bringen. Laut The Athletic soll Lillard daraufhin lautstark ausgeatmet haben. Noch gar nicht angefangen, und schon den größten Namen der Franchise irritiert.

    Den Job bekam Nori dennoch. Gleichzeitig bekräftigte er später, nicht gewusst zu haben, wie weit Lillard in seiner Reha bereits gewesen sei. Nori sagte sogar, Lillard werde starten, wenn er fit sei. Dame besitzt in Portland einen großen Namen - und große Namen kommen nur selten (dazu äußerst ungern) von der Bank.

    Nur stehen Nori nicht nur zwei, sondern vier Guards zur Verfügung: Lillard und Morant, dazu Jrue Holiday und Scoot Henderson, ehemals Nummer-2-Pick, heute immer noch mit Potenzial für einen größeren Sprung. Die einen sehen ein Überangebot, andere Chancen; Chancen, unterschiedliche Dinge zu kreieren.

    Blazers-Guards: Offensives Potenzial trifft defensive Fragezeichen

    Spielen Morant und Lillard, haben die Blazers zwei Guards, die für sich und andere kreieren können. Einer von ihnen besitzt einen tödlichen Distanzwurf, der andere einen explosiven Zug zum Ring. Dazu kommt Deni Avdija, der vergangene Saison zum Star aufstieg, weil er sich auf dem Weg in die Zone, wenn überhaupt, von Fouls aufhalten ließ.

    Drei balldominante Spieler auf einmal. Kann das so funktionieren, dass sie sich gegenseitig bestmöglich maximieren und dabei das Team mitziehen? Gut möglich, gleichzeitig nur eine Frage. Defensiv provoziert die Gemengelage eine deutlich größere. Lillard und Morant sind klein. Gleichzeitig besitzen sie nicht die Fähigkeit, als Verteidiger Druck am Ball zu erzeugen. Sie sind angreifbar. Spielen sie gemeinsam, entstehen damit gleich zwei riesige Lücken.

    "Die Sache, die mir am meisten Sorgen bereitet", sagt auch Nori, "ist die Defense, am Point of Attack, dass Gegner einen Vorteil daraus ziehen, dass wir etwas klein sind. Ich weiß, dass sie uns verteidigen müssen, aber wie können wir die Zone beschützen, den Ring, die Guards? Das ist für mich wahrscheinlich das Wichtigste."

    Umso besser, dass mit Toumani Camara und Donovan Clingan gleich zwei gute bis herausragende Verteidiger bereit stehen, um zu schützen, was eventuelle Guard-Kombinationen nicht zu schützen im Stande sind. Vor allem in Camara setzt Nori dabei große Hoffnung. "Ich habe noch mit keinem konstanteren und besseren Verteidiger als Tou zusammengearbeitet", sagt der Coach. "Das schließt (Minnesotas, Anm. d. Red.) Jaden McDaniels ein. Tou wird den besten Spieler verteidigen. Und Donovan ist elitär. Deshalb habe ich das Gefühl, dass wir auch dann überleben, wenn wir sehr klein spielen."

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    Blazers: Welche Rollen bleiben Holiday und Henderson?

    Gleichzeitig muss Portland nicht sehr klein spielen. Die Blazers haben Möglichkeit. Spielten Clingan, Camara und Holiday zusammen, produzierte das Team vergangene Saison nach dem All-Star Break beispielsweise das drittbeste Defensive Rating der Liga (109,3). Entsprechend ergäbe es durchaus Sinn, Lillard und/oder Morant Holiday an die Seite zu stellen; und das wird passieren.

    Nori kündige bereits an, testen zu wollen: Wer passt zu wem? Welcher Guard harmoniert mit welchem Big? Welche Kombinationen ergeben Sinn? Holiday dient dabei auch deshalb als Joker, weil sein Spiel nicht viel Raum braucht, um maximalen Raum einzunehmen. Bestens findet sich der ehemalige Celtic ohne Ball zurecht. Bekommt er ihn, trifft Holiday schnelle Entscheidungen, gern auch den Dreier. Zudem ist er als Defender, das bewies er während der Playoffs, immer noch in der Lage, den Besten ein großes Stück ihrer Magie zu rauben.

    Wäre Holiday acht bis zehn Jahre jünger, dazu etwas weniger verletzungsanfällig, Portlands Ceiling erschiene noch ein gutes Stück höher. So müssen die Blazers experimentieren. Dass sich Holidays Ego selbst in Derek Zoolanders "Center for Ants" fühlen würde, als stünde es in einer riesigen Lagerhalle, hilft Nori. Wobei der Coach seinem Guard nicht weniger Minuten geben möchte, nur weil der mutmaßlich am besten damit umgeht.

    Und dann wäre da noch Henderson, der einerseits immer noch haarsträubende (Pass-)Fehler begeht, während Playoff-Runde eins gegen San Antonio gleichzeitig zeigte, dass in ihm womöglich doch noch Starpotenzial schlummert. Hendersons Vorteil: Auch er demonstrierte bereits Fähigkeiten, als Verteidiger Ballführende unter Druck zu setzen. Das macht ihn einerseits zu Holidays Lehrling, andererseits zu einem möglichen Partner für Lillard und Morant.

    Jrue Holiday (re.) wurde 2024 NBA-Champion mit den Boston Celtics.
    Jrue Holiday (re.) wurde 2024 NBA-Champion mit den Boston Celtics. IMAGN IMAGES via Reuters Connect

    Trotzen die Blazers all den möglichen Konfliktherden?

    Viel wird davon abhängen, wie groß die beiden großen Namen spielerisch noch sein können. Morant müssen und wollen die Blazers testen. Sonst hätten sie ihn nicht ertraden brauchen. Interessant wird außerdem die Frage, ob sich Lillard mit einer kleineren Rolle zufrieden geben kann, sollte er nach seiner schweren Verletzung nicht mehr an alte Zeiten anknüpfen können.

    Gut möglich, dass Dinge zusammenfinden. Talent haben die Blazers. Ebenso gut kann es stürmisch werden. Konfliktherde finden sich an vielen Ecken und Enden. Wie reagieren unzufriedene Spieler beispielsweise auf die Tatsache, dass Noris Vertrag für die Saison 27/28 nicht garantiert ist? Bringt Besitzer Tom Dundon weitere Unruhe von außen, nachdem er als neuer Chef der Franchise erstmal Mitarbeiter entließ, Two-Way-Spieler nicht mit zu den Playoff-Spielen in San Antonio reisen ließ, sich im Sommer mit der Stadt wegen einer neuen Halle stritt, dabei versuchte, eine Drohkulisse zu errichten und einen neuen TV-Kommentator anstellte, um ihn wegen alter Social-Media-Posts umgehend wieder zu entlassen? Setzt Nori das Guard- und Lineup-Puzzle gewinnbringend zusammen? Ist es überhaupt möglich?

    Einfach wird es nicht in Portland. Viel dürfte davon abhängen, wer Ja Morant 2026 wirklich ist.

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    Max Marbeiter