vor 2 Stunden
Pünktlich in Topform?
Team USA hat Ungarn im Viertelfinale nicht nur deutlich bezwungen, sondern dabei eine Botschaft an die verbliebene Konkurrenz gesendet. Der Topfavorit spielte trotz der frühen Entscheidung konsequent weiter - und scheint rechtzeitig zur entscheidenden Turnierphase seinen Rhythmus gefunden zu haben.

Bereits nach zehn Minuten führten die Amerikanerinnen mit 36:12. Der hohe defensive Druck führte zu zahlreichen Ballgewinnen, aus denen immer wieder einfache Abschlüsse im Umschaltspiel entstanden. Allein in der ersten Halbzeit erzielte Team USA 25 Punkte nach ungarischen Turnovern. "Unsere Aktivität in der Defensive hat das Ganze ins Rollen gebracht", erklärte Headcoach Kara Lawson.
Im Mittelpunkt stand Napheesa Collier, die Ungarns Defensive mit ihrer Bewegung abseits des Balles vor große Probleme stellte. Bereits Mitte des dritten Viertels hatte sie 19 Punkte und sechs Rebounds gesammelt. "Vor allem meine Cuts haben gut funktioniert. Ich habe einfach mein gewohntes Spiel gespielt", sagte die 29-Jährige, die am Ende als beste Scorerin der USA feststand.
Doch nicht nur Colliers individuelle Klasse machte den Unterschied. Nach dem offensiven Einbruch gegen Italien lief der Ball diesmal deutlich besser, zudem fielen zwölf Dreier. "Man hat es an unseren Assists und daran gespürt, wie wir den Ball bewegt haben", sagte Collier. Deshalb habe sich die Leistung "nicht nur wegen des Ergebnisses gut angefühlt, sondern vor allem wegen der Art und Weise, wie wir unsere Punkte erzielt haben". Mit 31 Assists stellten die Amerikanerinnen einen neuen WM-Viertelfinalrekord auf.

Die zahlreichen US-Stars lernen zunehmend, wie sie ihre Stärken miteinander verbinden können. Viele von ihnen würden seit Jahren gegeneinander spielen, erklärte Collier. Gemeinsam aufzulaufen sei jedoch etwas völlig anderes: "Man muss wissen, wo die Mitspielerinnen den Ball haben wollen und an welchen Positionen sie sich wohlfühlen. Genau das lernen wir gerade." Auch die Kommunikation verbessere sich mit jedem Training und jedem Spiel.
Gleichzeitig ließ Team USA trotz der früh entschiedenen Partie nicht nach. "Es geht um unseren Standard", betonte Kahleah Copper. Die Amerikanerinnen wollten ihre Intensität weder vom Gegner noch vom Spielstand abhängig machen. Entscheidend seien der eigene Anspruch und die Frage, "wie aggressiv wir auftreten wollen".
Lawson führte die disruptive Defensive nicht nur auf die enorme Athletik ihres Kaders zurück. "Dafür braucht man Intelligenz und nicht nur Athletik", erklärte die Trainerin. Ihre Spielerinnen müssten die defensiven Systeme verstehen und gleichzeitig instinktiv reagieren. Zudem gelang es ihnen gegen Ungarn, körperlich zu verteidigen, ohne den Gegner regelmäßig an die Freiwurflinie zu schicken.
Im Halbfinale wird der Widerstand deutlich größer. "Wir wissen, dass wir besser spielen müssen als heute. Die kommenden Aufgaben werden schwieriger", warnte Lawson. Collier richtete den Blick sogar schon etwas weiter: Team USA wolle sich von Partie zu Partie steigern, um im Endspiel seinen besten Basketball abzurufen. Nach der Machtdemonstration gegen Ungarn wirkt dieses Ziel realistischer denn je.
Sam Müller