vor 23 Stunden
Vom Parkett auf die Tribüne
Die "Wilde 13" sorgt bei den Spielen der deutschen Basketball-Nationalmannschaften für Stimmung - und verkörpert dabei eine Szene, in der Spielerinnen und Fans häufig alte Weggefährten sind. Mit Capo Leander "Schweezy" Schwalm und Max Stölzel stehen schließlich sogar zwei ehemalige Nationalspieler im Block.

Wenn die "Wilde 13" trommelt, singt und im Fanblock die nächsten Gesänge anstimmt, stehen dort nicht nur gewöhnliche Zuschauer. Viele Mitglieder haben selbst Basketball gespielt, kennen sich aus gemeinsamen Mannschaften, von Turnieren oder aus früheren Duellen. Leander Schwalm gewann mit Alba Berlin die Meisterschaften in der JBBL und NBBL sowie mit der deutschen 3x3-U23-Nationalmannschaft Bronze bei der Weltmeisterschaft 2023. Auch Max Stölzel wurde mit Alba NBBL-Meister und lief für Deutschland im 3x3-Basketball auf. Heute unterstützen beide ihre Freunde und ehemaligen Weggefährten von der Tribüne aus.
"Natürlich ist es etwas Besonderes, dass man eine gewisse Bindung zu den Spielern hat", sagt Stölzel. Entscheidend sei jedoch nicht nur die persönliche Nähe zu den Aktiven, sondern auch die Verbindung innerhalb des Fanclubs. Die Wilde 13 bestehe aus alten und neuen Freunden, die der Basketball zusammengebracht habe. "Jeder hat seine Geschichte mit einem Spieler oder einer Spielerin auf dem Feld. Aber auch mit einem oder einer in der Kurve. Ich glaube, genau dieses Zusammenspiel macht uns so gut.”
Der Anspruch der Gruppe geht über gelegentliche Besuche bei Länderspielen hinaus. Sie will eine Fankultur schaffen, die man aus anderen Sportarten und Basketballnationen kennt: laut, leidenschaftlich und über 40 Minuten präsent. "Wir wollen den deutschen Basketball ein bisschen auflockern und verändern", erklärt Schwalm. Statt ausschließlich zu klatschen, solle die Halle spüren, dass hinter der Nationalmannschaft ein echter Fanblock steht. Im Idealfall lassen sich davon auch die übrigen Zuschauer mitreißen.
Dass diese Unterstützung bei der Mannschaft ankommt, zeigte sich nach dem deutschen WM-Gruppensieg gegen Mali. Lina Sontag wandte sich anschließend direkt an die Wilde 13 und machte deutlich, welchen Anteil die lautstarke Begleitung an der besonderen Atmosphäre hatte. Der Moment steht sinnbildlich für die Beziehung zwischen Mannschaft und Tribüne: Man kennt und schätzt sich - und feiert gemeinsam.
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Diese Nähe ist eine Besonderheit des deutschen Basketballs. Die Sportart wächst, die Hallen werden voller und die Nationalteams erfolgreicher, trotzdem ist die Szene weiterhin überschaubar und eng miteinander verbunden. Viele Mitglieder der Wilden 13 haben jahrelang mit- oder gegeneinander gespielt und treffen sich heute bei Länderspielen wieder. "Die Community-Arbeit wird großgeschrieben", sagt Stölzel. Genau das habe viele einzelne Bekanntschaften zu einer "großen Basketball-Familie" gemacht.
Die familiäre Struktur kann allerdings nicht das Endziel sein. Stölzel glaubt, dass der deutsche Basketball noch mehr Menschen erreichen müsse, um den nächsten Schritt zu machen. Die "Wilde 13" will dabei mitwachsen, ohne ihren eigenen Charakter zu verlieren. Ihr Ziel ist ein Fanblock, der Wiedererkennungswert besitzt und sowohl die Männer als auch die Frauen des DBB verlässlich begleitet - unabhängig davon, ob gerade ein großes Turnier oder ein gewöhnliches Qualifikationsspiel ansteht.
Laut Schwalm sollen deshalb in einigen Jahren nicht mehr einige Dutzend, sondern möglichst "500 Menschen gemeinsam im Block stehen" und die gesamte Halle zum Mitmachen bewegen. Gleichzeitig soll die Verantwortung innerhalb des Fanclubs auf mehr Schultern verteilt werden. "Wir wollen gemeinsam wachsen, Titel gewinnen und unseren Beitrag dazu leisten, dass der deutsche Basketball einen gewissen Wiedererkennungswert hat", sagt Stölzel. Und dann nennt er den vielleicht wichtigsten Punkt: "Ganz platt gesagt wollen wir auch einfach Spaß haben."
Sam Müller