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Reaves will mit Weißenfels den Titel
Der Syntainics MBC spielt eine Saison, die durchwachsener kaum sein könnte. Sieben Siege in Folge zu Saisonbeginn in BBL und ENBL, dann eine monatelange Durstrecke in der Bundesliga, die den Pokalsieger des Jahres 2025 in akute Abstiegsgefahr manövrierte. Nach der Übernahme durch Trainer Milenko Bogicevic haben sich die Sachsen-Anhalter zuletzt wieder gefangen. Das große Highlight der Restsaison ist jedoch von internationaler Natur.

"Es ist eine Achterbahnfahrt der Emotionen", gestand Spencer Reaves gegenüber basketball-world.news ein. "Wir hatten drei verschiedene Trainer, die Verletzung von Khyri Thomas auf unbestimmte Zeit hat sicherlich auch nicht geholfen." In der Rückschau auf die Niederlagenserie zeigte sich der Guard fast ungläubig: "Ich habe mit meinen Freunden, die auch hier in Europa spielen, gesagt, dass wir von einer zur anderen Länderspielpause kein einziges Spiel gewonnen haben - ich dachte davor nicht, dass das überhaupt möglich wäre."
Nicht nur sportlich sorgte der Klub in dieser Saisonphase für zahlreiche Negativ-Schlagzeilen. Binnen weniger Wochen verlor man in Trainer Marco Ramondino, BBL-Legende John Bryant sowie Geschäftsführer Konstantin Krause gleich drei Schlüsselpersonalien innerhalb des Vereins. "Das war wirklich keine gute Zeit", erinnert sich Reaves. "Es hat sich nicht gut angefühlt."
Die Wende gelang erst nach dem erneuten Trainerwechsel. Mitte Februar übernahm der Serbe Milenko Bogijevic die Verantwortung an der Seitenlinie und sorgte auf Anhieb für einen Stimmungswechsel. "Das, was das Team am meisten gebraucht hat, waren Verbindlichkeit und Verantwortung. Er hat das vom ersten Tag an reingebracht."
Bereits in der ersten Trainingseinheit habe der Assistenztrainer der serbischen Nationalmannschaft zusammen mit dem Team die Fehler aus dem vorherigen Spiel analysiert und dabei kein Blatt vor den Mund genommen. "Er meinte von Beginn an: 'Ich werde euch alle zur Rechenschaft für eure Fehler ziehen. Wenn mir etwas auffällt, dann werde ich es euch ins Gesicht sagen.'"
Bis das Team den Bock umstoßen konnte, dauerte es zwar ein paar Wochen - dann aber so richtig. Exakt einen Monat nach Bogijevics Anstellung putzte der MBC den deutschen Topklub Alba Berlin mit 31 Punkten Vorsprung (99:68). Es folgten sieben weitere Siege, mit denen man nicht nur den Abstiegskampf in der BBL hinter sich lassen würde, sondern zugleich auch den Einzug ins Final Four der ENBL perfekt machte.
Alle Kritiker, die die Doppelbelastung als Mitgrund für die lange Ergebniskrise sahen, ließ man damit zugleich verstummen. Auch Reaves widerspricht diesen Aussagen: "Ich glaube nicht, dass es jemals unser Problem war, müde zu sein."
Vielmehr sei man selbst für die Fehler verantwortlich gewesen. Auch dass die ENBL-Spiele den MBC an einige exotische Orte in Europas Osten führten, änderte daran nichts: "Die Reisen waren wirklich nicht schlecht. Um ehrlich zu sein: Mit Bamberg bin ich im Europe Cup schon schlechter gereist."
Folgerichtig ist es Reaves zufolge nun, auch das Final Four in Weißenfels auszutragen - aller Kritik des DBB zum Trotz. "Nachdem wir das Final Four im BBL-Pokal letztes Jahr ausgerichtet haben, war es ein No-Brainer. Wir freuen uns wirklich sehr darauf."
Im Halbfinale empfangen Reaves und Co. den britischen Klub Manchester Basketball. In einem möglichen Finale am Donnerstag würde man auf den Sieger des Duells CSO Voluntari (Italien) und Dziki Warszawa (Polen) treffen. Zu unterschätzen seien all diese Gegner nicht: "Wann immer man die Chance hat, eine Trophäe in die Luft zu recken, muss man diese Chance ergreifen. Es sind ein paar wirklich gute Teams dabei. Sollten wir nicht unseren besten Basketball aufs Parkett bringen, sind wir in Gefahr."
Julius Ostendorf