vor 3 Stunden
Center muss sich beweisen
Zwei All-Stars stellten die Detroit Pistons in dieser Saison. Während Cade Cunningham mit wenigen Ausnahmen dies voll unter Beweis stellt, enttäuscht Center Jalen Duren bislang auf ganzer Linie. Es könnte nicht nur das Team, sondern auch ihn selbst teuer zu stehen kommen.

Drei Minuten dauerte es in der zweiten Halbzeit, als Pistons-Coach J.B. Bickerstaff die Reißleine zog. Orlando hatte gerade per Dunk auf 71:60 gestellt, als Bickerstaff mit Paul Reed Center Nummer drei ins Rennen schickte. Isaiah Stewart hatte sich durch einige Unbeherrschtheiten vier Fouls eingehandelt und Starter Jalen Duren war wie in den ersten beiden Spielen kaum ein Faktor.
9,0 Punkte und 8,3 Rebounds legt der 22-Jährige in dieser Serie im Schnitt auf, weit unter seinen Zahlen der Regular Season (19,5 PPG, 10,5 RPG), die seinen Durchbruch darstellten. Duren ist bislang die Enttäuschung der Pistons, während Reed seine Chance beim Schopfe ergriff und im ersten Angriff sofort scorte.
"Paul hat sich das verdient, als wir einen Impuls brauchten", meinte Bickerstaff. "Er ist immer bereit, wenn wir ihn brauchen und in diesem Moment hatte ich das Gefühl." Das galt vor allem für die Offense, die weiterhin lahmt und der Hauptgrund dafür ist, dass Orlando in dieser Serie vorne ist.
Cade Cunningham ist bisweilen Alleinunterhalter, zuletzt brachten Tobias Harris und etwas überraschend auch Ausar Thompson etwas Entlastung, doch gerade Durens Präsenz fehlt. Das Pick’n’Roll mit Cunningham ist kaum ein Faktor, der Center wirkt seltsam passiv und trifft bislang auch nur 41,7 Prozent aus dem Feld. Das ist für jemanden, der drei Viertel seiner Abschlüsse am Ring nimmt, eine miserable Ausbeute.
Seine Mitspieler glauben dennoch weiter an den Youngster: "Bislang ist es für ihn nicht so gelaufen, wie er sich das vorgestellt hat", meinte Cunningham. "Wir als Team glauben aber daran, dass er Lösungen finden wird." Orlando macht es auch clever. Wenn Duren den Ball in der Zone fängt, ist stets ein zweiter Verteidiger zur Stelle. Es ist eine Defense, die der Center so nicht kennt, da in den Playoffs gezielt Schwächen gesucht werden.
Im Vorjahr war sein Einfluss noch geringer, nun ist es der Gameplan der Magic, ihn aus dem Spiel zu nehmen - und bislang geht dies voll auf. Duren hat keinen Rhythmus, seine Entscheidungsfindung ist noch ausbaufähig. Das Zusammenspiel mit Cunningham ist quasi kein Faktor, in der Regular Season war es dagegen noch das beste Mittel für Erfolg.

"Sie konzentrieren sich voll auf uns", weiß auch Cunningham. "Sie machen Druck auf mich, aber sie haben auch immer einen Mann, der die Lobs verhindert. Dazu switchen sie viel, kämpfen mit viel Leidenschaft gegen J.D." Das funktioniert, weil Orlando nicht daran glaubt, dass die Pistons sie von der Dreierlinie schlagen kann. Bislang behielten sie recht, Detroit trifft nur neun pro Partie und steht bei einer mageren Quote von 30 Prozent.
Da reicht es nicht, defensiv weiter stabil zu stehen. Duren verbuchte in Spiel 3 fünf Blocks, gab gleichzeitig aber auch zahlreiche Offensiv-Rebounds gegen Wendell Carter Jr. ab, der in dieser Serie klar die Oberhand hat. In Spiel 1 hatte Carter seinen Gegenspieler immer wieder nach draußen gezogen, Detroit reagierte und nahm Dreier in Kauf, wohlwissend, dass der Magic-Center ein eher wackliger Schütze ist.
So hatte sich Duren das nicht vorgestellt, schließlich steht auch für ihn einiges auf dem Spiel. In der vergangenen Offseason konnte man sich nicht auf einen neuen Vertrag einigen, stattdessen setzte der 22-Jährige auf sich selbst. Der Plan schien aufzugehen, schließlich spielte Duren eine starke Regular Season und legte in Abwesenheit von Cunningham über 20 Punkte pro Spiel auf.
| Bewerb | MIN | PTS | FG% | FT% | REB | BLK |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Hauptrunde | 28,2 | 19,5 | 65,0 | 74,7 | 10,5 | 0,8 |
| Playoffs | 30,7 | 9,0 | 41,7 | 63,6 | 8,3 | 2,0 |
Die Playoffs zeigen die Lücken in seinem Spiel jedoch schonungslos auf, offensiv hat er zu wenige Konter und das könnte ihn in der Restricted Free Agency teuer zu stehen bekommen. Denn eigentlich schien klar, dass er einen Maximalvertrag, oder nahe an einem, erhalten würde. Geht die Serie in die Binsen oder bleibt Duren nur ein Nebendarsteller, dürfte dies in Frage gestellt werden.
Noch bleibt Zeit, die dicken Fragezeichen wegzuradieren, doch Detroit braucht recht bald eine Antwort und kann sich nur noch einen Ausrutscher gegen den 8-Seed erlauben. Der Druck wächst. Auf die Pistons - und auch auf Jalen Duren.
Robert Arndt