vor 13 Stunden
Mit großem Abstand tiefster Kader der Liga
Der FC Bayern verfügt über einen Kader, der in der BBL momentan wie das Maß aller Dinge wirkt und auch in der EuroLeague für Überraschungen sorgen kann. Für Trainer Anton Gavel besteht die Herausforderung darin, Rollen und Einsatzzeiten zu verteilen - und aus der großen individuellen Qualität dauerhaft eine funktionierende Einheit zu formen.

Beim deutlichen 95:61-Erfolg gegen Alba Berlin setzte Gavel erneut zwölf Spieler ein, weitere Profis mussten zuschauen. Dieses Mal erhielten unter anderem Johannes Voigtmann und Rokas Jokubaitis eine Pause. Angesichts des eng getakteten Programms ist eine breite Rotation notwendig, doch für ehrgeizige Profis ist es naturgemäß nicht leicht, regelmäßig auf Minuten oder sogar einen Platz im Kader zu verzichten.
Gavel muss deshalb nicht nur Belastungen steuern, sondern auch Erwartungen moderieren. Woche für Woche wird der Bayern-Coach etablierten Spielern erklären müssen, weshalb sie weniger eingesetzt werden oder ein Spiel komplett aussetzen. Diese Entscheidungen werden nicht jedem gefallen - innerhalb eines ambitionierten Teams müssen sie dennoch akzeptiert werden.
| Position | 1. Option | 2. Option | 3. Option | Weitere Optionen |
|---|---|---|---|---|
| Point Guard | Duane Washington Jr | Rokas Jokubaitis | Justus Hollatz | Kamar Baldwin |
| Shooting Guard | Andreas Obst | Justinian Jessup | Tobias Jensen | |
| Small Forward | MarJon Beauchamp | Vladimir Lucic | Niels Giffey | |
| Power Forward | Miles Norris | Oscar da Silva | ||
| Center | Austin Wiley | Johannes Thiemann | Johannes Voigtmann |
Wie außergewöhnlich tief Bayern besetzt ist, zeigte ausgerechnet die Dominanz gegen den deutschen Meister. Die Münchner gewannen mit 34 Punkten Vorsprung, obwohl Andreas Obst lediglich sieben Zähler erzielte und offensiv keine herausragende Rolle spielte. Fünf andere Bayern-Profis punkteten zweistellig.
Damit besitzt München in der BBL eine Variabilität, die derzeit kein Konkurrent annähernd bieten kann. Fällt bei einem Leistungsträger der Wurf nicht oder bekommt ein Star weniger Minuten, können mehrere andere Spieler übernehmen. Die entscheidende Frage lautet deshalb weniger, ob ein anderes Team Bayern an einem guten Tag ärgern kann, sondern ob jemand über eine gesamte Serie mit dieser Tiefe, Physis und Athletik mithalten kann.
Doch ein großer Name und viel Talent garantieren noch keine Titel. Gavel beobachtet deshalb genau, wie seine Spieler mit ihren Rollen und Einsatzzeiten umgehen - und zeigte sich nach dem Alba-Spiel mit der Körpersprache einzelner Akteure unzufrieden. "Mit manchen Spielern bin ich nicht so happy", erklärte der Coach. "Wenn man die Minuten bekommt, dann sollte man das auch gut nutzen." Welche Spieler er konkret meinte, ließ Gavel offen.
Der Saisonstart weckt dennoch Euphorie: Bayern bezwang zum EuroLeague-Auftakt das stark besetzte Hapoel Tel Aviv und dominierte wenige Tage später Meister Alba Berlin. In Europa dürfte die Mannschaft trotzdem eher als gefährlicher Herausforderer denn als Topfavorit gelten. Gelingt es Gavel, die vielen individuellen Interessen einem gemeinsamen Ziel unterzuordnen, kann der tiefe Kader in der BBL zur großen Überlegenheit und in der EuroLeague zu einem echten Überraschungsfaktor werden.
sgm, jos