05.05.2025
16. Aufeinandertreffen in den Playoffs
Boston gegen New York - dieses Duell trieft nur so vor Tradition und ist seit Urzeiten eine Rivalität. Erstmals seit zwölf Jahren treffen beide Teams in den Playoffs wieder aufeinander, die Favoritenrolle ist dabei klar verteilt.

Im Sommer rüsteten die Knicks mit den Trades für Mikal Bridges und Karl-Anthony Towns gewaltig auf, auch um den Boston Celtics im Osten Paroli bieten zu können. Nun gibt es dieses Matchup bereits in der zweiten Runde und trotz dieser Moves gehen die Celtics als klarer Favorit in die Serie. Zwar gewann Boston fünf Spiele weniger als im Vorjahr, doch das Team besitzt weiterhin die gleiche Qualität.
In Runde eins tat sich das Team von Head Coach Joe Mazzulla zwar überraschend schwer, letztlich reichten aber fünf Spiele und Orlando erzielte nie mehr als 100 Punkte. Dabei setzte Jayson Tatum mit einer Verletzung am Handgelenk ein Spiel aus, während Jaylen Brown seit gut zwei Monaten Knieprobleme plagen. Im Vorfeld der Serie versicherte der amtierende Finals-MVP aber noch einmal, dass es ihm inzwischen deutlich besser gehe und das Knie kein Problem darstelle.
| Celtics | Stat | Knicks |
|---|---|---|
| 61-21 | Bilanz | 51-31 |
| 119,5 (2.) | Offensiv-Rating | 117,3 (5.) |
| 110,1 (4.) | Defensiv-Rating | 113,3 (13.) |
| +9,4 (2.) | Net-Rating | +4,0 (8.) |
| 4-0 | Direkter Vergleich | 0-4 |
Die Knicks haben dagegen andere Probleme. Mit Müh und Not setzte sich New York gegen ein unangenehmes Pistons-Team durch, die letzten drei Siege wurden mit zusammengerechnet sechs (!) Punkten eingefahren. Das Team um Superstar Jalen Brunson könnte also auch schon im Urlaub sein, am Ende setzte sich aber die individuelle Klasse durch.
Auf dem Papier haben die Knicks eine exquisite Starting Five, doch zu selten bringen die Knicks ihre PS auf die Straße und sind meist von Einzelaktionen von Brunson abhängig. Head Coach Tom Thibodeau steht ob der oft ideenlosen Offense im Big Apple in der Kritik, es ist alles andere als gesichert, dass Thibs auch noch im kommenden Jahr an der Seitenlinie steht. Ein Seriensieg gegen den amtierenden Champion würde sicherlich helfen.

- Der Grund, warum sich Boston gegen die Orlando Magic so schwer tat, war der Umstand, dass die Magic kein klares Ziel in ihren Reihen hatten, das Boston attackieren konnte. Gegen New York wird das anders sein, entsprechend werden die Celtics Brunson sowie Towns jagen und in sämtliche Aktionen im Angriff verwickeln. So entstehen reihenweise gute Würfe, was gegen Orlando nur bedingt gelang.
- Das Ganze ist wie eine Kettenreaktion. Finden die Celtics ihr Mismatch muss der Gegner helfen und rotieren, so kommt das gefürchtete Drive-and-Kick-Spiel der Celtics ins Rollen. Gegen Orlando nahmen die Celtics so wenige Dreier wie noch nie in der Saison, eben weil Orlando stur Eins-gegen-Eins-Basketball spielte. New York hat schlichtweg nicht das Personal dafür und wird mit einigen offenen Dreiern leben müssen. Man kann davon ausgehen, dass die Celtics wieder mehrfach über 40 Versuche pro Spiel vom Perimeter nehmen werden.
- Knieprobleme? Wischte Brown gegen Orlando vom Tisch. Der Finals-MVP spielte mit durchschnittlich 23 Punkten und 7,6 Rebounds eine gute Serie, dazu traf er 44,4 Prozent seiner Dreier. Neben Tatum ist er der Mann, der die Vorteile der Celtics-Offense kreieren soll und wird.
- Fragezeichen gibt es dagegen um Jrue Holiday. Der Guard verpasste die letzten drei Partien der Orlando-Serie, laut Mazzulla ist sein Einsatz wegen einer Oberschenkelverletzung weiter fraglich. Der 34-Jährige ist mit seiner Defense weiter ein Bestandteil der Top 6, auf dem höchsten Niveau fehlen Boston hinter der Achter-Rotation weitere Alternativen. Umso wichtiger wäre es, wenn Holiday wieder ins Geschehen eingreifen könnte.
| PG | SG | SF | PF | C |
|---|---|---|---|---|
| J. Holiday | D. White | J. Brown | J. Tatum | K. Porzingis |
| P. Pritchard | B. Scheierman | S. Hauser | A. Horford | L. Kornet |
| J.D. Davison | - | T. Craig | J. Walsh | N. Queta |
| - | - | - | - | X, Tillman |

- In der Regular Season waren die Knicks weitestgehend chancenlos, eben weil New York defensiv keine Antworten fand. Zumeist ließ sich Towns im Pick’n’Roll absinken, das ist gegen Boston mit zahlreichen guten Dreierschützen keine siegbringende Strategie. Es wird darum gehen, wie gut die Knicks-Verteidiger um die Blöcke kommen und wie clever die Knicks im Zweifel Hilfe senden. Gelingt das nicht, wird in der Serie wenig zu holen sein.
- Gleichzeitig muss der eigene Angriff diversifiziert werden. Das Offensiv-Rating war gegen Detroit um gleich acht Punkte schlechter als in der Regular Season. Das verwundert nicht, schließlich gewannen die Knicks gegen die Top 10 der Liga nur sechs von 22 Partien und die Offense litt merklich. Zu abhängig ist das Team von Brunson, zu wenig passiert um den Spielmacher herum.
- Vor allem Towns ist oft nicht genug involviert. Der Big Man ist in erster Linie ein Offensiv-Center und sollte auch so eingesetzt werden. Dass dieser nur in zwei Spielen gegen die Pistons mehr als 14 Würfe nahm, ist nicht das, wofür er geholt wurde. Allerdings ist das Celtics-Matchup auch offensiv nicht gerade schmeichelhaft. Boston hat zahlreiche gute Post-Verteidiger, auch auf den kleineren Positionen (Holiday).
| PG | SG | SF | PF | C |
|---|---|---|---|---|
| J. Brunson | M. Bridges | J. Hart | O.G. Anunoby | K. Towns |
| M. McBride | L. Shamet | P. Dadiet | P. Achiuwa | M. Robinson |
| C. Payne | D. Wright | - | P.J. Tucker | A. Hukporti |
| T. Kolek | - | - | - | - |
Wenig spricht für die Knicks, in der Regular Season gegen die Top 3 (Boston, OKC, Cleveland) alle zehn Spiele verloren. Auf dem Papier haben die Celtics alle Tools, um die beiden besten Spieler des Gegners (Brunson, Towns) zu limitieren und gleichzeitig die Waffen, um die Schwächen der Knicks gnadenlos zu bestrafen.
Thibodeau ist zudem nicht dafür bekannt, ausgefuchste Offensiv-Systeme zu präsentieren oder seinen Stil in der Postseason gravierend zu verändern. Auch das spielt dem Meister in die Karten, der auch in dieser Runde leichtes Spiel haben sollte.
Tipp: Celtics in 5.
Robert Arndt