vor 10 Stunden
Miami-Trainerlegende blieb standhaft
Erik Spoelsta steht seit mittlerweile 18 Jahren an der Seitenlinie bei den Miami Heat. Zwei Meisterschaften gewann der ehemalige Point Guard der TuS Herten mit Miami und überlebte dabei auch einen Machtkampf mit LeBron James.

Heutzutage gilt Erik Spoelstra als nahezu unantastbar und als einer der cleversten Coaches ligaweit, doch das war nicht immer so. Vor der Formung der Big Three mit LeBron James, Dwyane Wade und Chris Bosh hatte Spoelstra gerade einmal zwei Saisons auf dem Buckel und sich über die Jahre aus dem Videokeller zum Schüler von Coaching-Legende Pat Riley hochgearbeitet.
Jener Riley hatte 2006 mit Miami um Wade und Shaquille O’Neal noch einen Ring gewonnen und wollte mit 63 Jahren im Sommer kürzertreten, sich voll auf seinen Job als Präsident zu konzentrieren. Riley selbst wählte Spoelstra, eine überraschende Wahl zur damaligen Zeit. "Wir brauchen einen jungen Coach, der innovativ ist und neue Ideen hat", sagte Riley damals. "Erik ist das und er ist eine Persönlichkeit, die geboren wurde, um zu coachen."
Doch in jenem Juli 2010 änderte sich in Miami alles. LeBron kam und mit ihm ein absurder Medienrummel und sowie Erwartungen, die eigentlich nicht zu erfüllen waren. Die neuen "Heatles" zündelten bei ihrer Vorstellung auch selbst, als man "nicht drei, nicht vier, nicht fünf" usw. Meisterschaften gewinnen wollte.
Doch der Start war wacklig, die Kritik an Spoelstra wuchs. Nach 17 Spielen standen die Heat bei 9-8 und bei einer weiteren Niederlage bei den Dallas Mavericks (man sollte sich im Juni 2011 wiedersehen) war die Aufregung groß, als James seinem Coach einen kleinen Schultercheck verpasste. Spoelstra ließ es sich nicht anmerken, spielte den Vorfall herunter. "So muss es sein. Wir waren in den Auszeiten frustriert und das war auch richtig so. Es soll keinen Spaß machen, wenn man so ein schlechtes Spiel wie wir absolviert."

Es war die vierte Niederlage aus fünf Spielen und kurz zuvor hatte es bereits ein Spielermeeting gegeben. Die Luft für Spoelstra schien dünn zu werden und auch Riley sollte später zugeben, dass LeBron indirekt den Kopf seines Coaches forderte. "Ich erinnere mich, wie er mich anschaute und fragte: 'Hast du denn nicht mehr dieses Kribbeln?' und ich verneinte das umgehend", berichtete Riley im Buch "The Soul of Basketball".
"Ich wusste natürlich, was er meint, und ich frage mich bis heute, was er damals wirklich gedacht hat. Als er gegangen ist, hat er sich dann am Bein gekratzt, als ob es jucken würde." Riley hielt also zu seinem Zögling, die Heat gewannen danach 21 von 22 Spielen.
Darüber hinaus ranken sich auch andere Gerüchte rund um diese Zeit. So erzählte Reporterlegende Vic Lombardi einmal die Anekdote, dass Riley während einer kleinen Krise alle seine Spieler an die Wand der Kabine stellte und dann folgendes sagte: "Wagt es ja nicht, noch einmal in mein Büro zu kommen und mir zu sagen, dass ich einen Coach entlassen soll. Euer Job ist es, Basketball zu spielen."
Ob es wahr ist? Man kann es sich bei Riley, der die Vorbereitung der Heat auch auf Militärbasen durchführen ließ, gut vorstellen. Spoelstra gewann damals den Machtkampf und ist seither nahezu unumstritten. Schon jetzt saßen nur zwei Trainer über so einen langen Zeitraum auf der Bank - Gregg Popovich mit San Antonio (29 Jahre) und Jerry Sloan mit den Utah Jazz (23 Jahre). Und wenn es nicht einmal LeBron schafft, erfolgreich am Stuhl von Coach Spo zu sägen, wer denn dann?
Robert Arndt