02.05.2025
LA vor großen Fragezeichen
Früher als erhofft schieden die Los Angeles Lakers aus den Playoffs aus. Zu groß waren die Schwachstellen. Entsprechend klar ist der Sommerfahrplan. Einiges soll sich ändern. Doch wie bekommt Luka Doncic die nötige Hilfe? Was macht LeBron James? Und welche Optionen haben die Lakers, um den Kader zu verbessern?

Um auf seine 12 Punkte pro Spiel zu kommen, blieben Rudy Gobert während der Regular Season im Schnitt gut 7 Wurfversuche. In Spiel 3 der Playoff-Serie gegen die Lakers hatte der Franzose überhaupt nicht auf den Korb geworfen. Seine Gesamtausbeute der ersten vier Partien: 18 Punkte. Dann kam Spiel 5. 27 Zähler schenkte Gobert den Lakers ein und offenbarte damit, was eigentlich alle wussten, von dem viele hofften, LA könne es irgendwie kaschieren: trotz Luka Doncic, trotz LeBron James, trotz Austin Reaves mangelte es Purple and Gold für den Moment an etwas Entscheidendem.
Auf allen Positionen waren die Lakers irgendwie groß, vor allem unter dem Korb klaffte jedoch ein 2,13 bis 2,20 großes Loch. Kein Big, keine Chance. So ließe sich die erste Runde retrospektiv zusammenfassen. Gerade die Timberwolves, die mit Ausnahme von Mike Conley jederzeit und überall Länge und Physis aufstellen können, ließen die Lakers von Spiel zu Spiel mehr schrumpfen, bis sie in Game 5 schlussendlich bei Zwergengröße angelangt waren. Dass Minnesota nur 14,9 Prozent seiner Dreier traf, spielte keine Rolle. Klatschte der Ball auf den Ring, durfte meistens irgendein Wolf zupacken, um seinem Team eine weitere Wurfgelegenheit zu servieren.
Jaxson Hayes, LA’s einzig verbliebenen "echten" Big, hatte Coach JJ Redick hatte für Spiel 5 aus der ersten Fünf genommen und angekündigt, er würde auch sonst nicht spielen. Klingt nach radikaler Abkehr von Gewohntem. War am Ende nur eine seichte Anpassung. 30 Minuten hatte Redick Hayes während der ersten vier Spiele gegönnt. Insgesamt. Auch da waren die Wolves bereits groß.
"Vielleicht ist es für einen Coach oder Spieler manchmal hart zuzugeben, aber wir haben gegen ein besseres Team verloren", gab Redick nach dem Saisonende der Lakers zu. Tatsächlich hatte Minnesota die Lakers spätestens ab Spiel 4 entschlüsselt. Mangels Größe blieben LA wenig Möglichkeiten auf Anpassungen der Wolves zu reagieren.
Die Lakers mussten Anthony Edwards doppeln, um den Ball aus seinen Händen zu zwingen. Bewegte Minnesota den Ball, blieb dahinter aber kaum Defense übrig, um Zone und Ring zu bewachen. LA konnte auf Zonenverteidigung umstellen. Zogen die Wolves sie auseinander, und durchbrach Edwards die erste Defense-Linie, war der Weg zum Korb ziemlich frei. Auch Aggressivität am Ball konnte Minnesota mit Fortgang der Serie relativ "einfach" bestrafen. Man stelle sich vor, die Wolves hätten in Spiel 5 nur 28 Prozent ihrer 47 Dreier getroffen…
Zum Unglück gezwungen. Dass es LA vor allem an Bigs fehlte, war bereits Thema, als Anthony Davis noch Purple und Gold trug. Entsprechend befanden sich die Lakers nach dem Doncic-Trade mit einem Mal in einer Zwischendimension. Ganz ohne spielbaren Big wird es in einer Conference mit Nikola Jokic, Chet Holmgren, Isaiah Hartenstein, Julius Randle, Ivica Zubac, Alperen Sengün und ja, auch Gobert, kompliziert. Zumal Doncic das Spiel mit einem Großen genießt, der nach dem Blockstellen aggressiv Richtung Ring rollen und dort ein Lobanspiel durch die Reuse drücken kann.
Adressieren wollten die Lakers die Schwachstelle durch Mark Williams. Der Trade war bereits durch. Doch dann enthüllte der Medizincheck offenbar noch größere gesundheitliche Probleme als ohnehin bekannt. Die Lakers annullierten den Deal und gingen mit Hayes in die Playoffs. Ein Problem. Oder doch nicht? Die Wochen zwischen Doncic-Trade und Postseason-Start hatten Hoffnungen geweckt, das Team können dank Luka, LeBron und Reaves, dank guter Länge auf allen anderen Position einen tiefen Run hinlegen. Immerhin spielten die Lakers konstant auf hohem Niveau, verteidigten immer wieder effektiv und beendeten die Regular Season auf Rang drei im Westen.
Dann kamen die Wolves. Deren Physis und Länge war das Eine, die Last, die Luka und LeBron schultern mussten, das andere. Spätestens in Spiel 5 wirkte es, als könnten die beiden nicht mehr zulegen. Mit 30,2 Punkten über die Serie und 29 in Game 5 dominierte Doncic statistisch zwar irgendwie - irgendwie jedoch auch nicht. Dass er sich während des Spiels am Rücken verletzte, half sicher nicht. Gleichzeitig mangelte es an Unterstützung, was für Luka beinahe unterirdische 5,8 Assists pro Spiel illustrieren.
Es fehlten die Optionen im Orbit. Es fehlte der Lob-Partner. "Eines unserer Hauptziele wird sein, im Frontcourt auf der Center-Position an Größe zu gewinnen", gab Vice President of Basketball Operations Rob Pelinka daher für den Sommer vor. LA wolle "eine vertikale Bedrohung, die defensiv die Zone beschützen kann." Nach dem Luka-Trade sei für derlei Maßnahmen schlicht zu wenig Zeit geblieben. "Jetzt haben wir sie."

Veränderungen dürften also folgen. Zumal Pelinka auch den "defensiven Kern auf dem Flügel" stärken will. "Das ist ein essenzieller Bedarf. Wir sehen, wie es in den Playoffs läuft, und wann immer du deinen defensiven Kern rund um die Dreierlinie verbessern kannst, hilft dir das, denke ich."
Zumal es auch Last von Doncic nimmt, der defensiv während der Serie häufig überfordert wirkte. Nun gilt Luka ohnehin nicht als herausragender Defender, diesmal schienen ihm Physis und Belastung aber bereits in Runde eins zuzusetzen. Diverse Verletzungen, ein Trade aus den Untiefen des Unvorstellbaren könnten für die Saison tiefen Spuren hinterlassen haben. Die Hoffnung bleibt daher, dass ein von Aussagen und Handlungen seiner einstigen NBA-Heimat angestachelter Doncic mit neuem Feuer in die Offseason und danach die neue Saison geht.
Coach Redick forderte bereits nach dem Aus, alle Spieler müssten sich während der Offseason in "Championship-Form" bringen. "Natürlich hatten wir einige, die in herausragender Form waren. Ebenso sicher gab es andere, die besser in Form hätten sein können." Aus guter Tradition kommt nun direkt Doncic in den Sinn. Ob sein Coach in implizit ansprach, weiß nur Redick. Dass die Lakers nun plötzlich in Nico Harrisons Gedankenmuster abrutschen und den Trade bereuen, ist jedoch höchst unwahrscheinlich.
Pelinka taxierte das Vertrauen in sein Star-Trio aus Doncic, James und Reaves auf ein "Allzeithoch". Alle drei hätten gezeigt, wie gut sie zusammenspielen können, "und wir werden kollektiv einen besseren Job machen, um sicherzustellen, dass wir sie mit den richtigen Teilen umgeben, um den ultimativen Erfolg zu haben."
Dass Doncic seinen Vertrag verlängert, gilt als maximal wahrscheinlich. Ab 2. August dürfte er laut ESPN-Experte Bobby Marks über 4 Jahre und 229 Millionen Dollar unterschreiben. Kein Supermax, wie die Mavs hätten anbieten könne, aber immer noch eine Menge Sicherheit. Gleichzeitig besteht die Möglichkeit, eine kürzere Laufzeit inklusive Player Option für die Saison 2028/29 zu wählen. Dann wäre Doncic zehn Jahre in der Liga und damit berechtigt, ab 28/29 ein Gehalt in Höhe von 35 Prozent des Salary Caps zu verdienen. Kurzfristig verlöre er so etwas Geld, langfristig bliebe der Verlust über die nächsten sechs Jahre im Vergleich zum Supermax aus Dallas jedoch bei "nur" 5 Millionen Dollar.
| Saison | Gehalt in Mio. Dollar | Option? |
|---|---|---|
| 2024/25 | 48,7 | - |
| 2025/26 | 52,6 | Spieler |
Wie lange LeBron Doncic auf seinem Weg begleitet, weiß dagegen niemand. Nach guter Tradition sprach James auch diesmal von persönlicher Unwissenheit, als Journalisten nach dem Playoff-Aus wissen wollten, ob ein Jahr 23 in der NBA realistisch sei. "Ich werde mit meiner Familie sprechen und dann werden wir weitersehen. Und dann muss ich natürlich auch in mich hineinhorchen und überlegen, wie lange ich noch weitermachen möchte. Wir werden sehen.“
Fest steht, dass LeBron für die kommende Saison eine Player-Option über 52,6 Millionen Dollar besitzt. Zieht er sie, bliebe den Lakers eine Mini-Mid-Level-Exception, mit der sie einen neuen Spieler verpflichten könnten und gleichzeitig unter beiden Aprons blieben. Ein wichtiger Punkt. Denn nur so hätten sie weiterhin maximale Trade-Freiheit, die sie auch brauchen, um einen potenten Big zu verpflichten.
Das Paket, das eigentlich für Mark Williams nach Charlotte wandern sollte, steht weiterhin zur Verfügung. LA kann seinen 2031er Pick traden, Pick-Swaps für die Jahre 2026, 2028, 2030 und 2032, zudem junge Spieler anbieten. Nur weiß die Liga mittlerweile, dass Dalton Knecht erst getradet werden sollte, danach aus der Rotation fiel. Vielleicht drückt das Interesse und Wert.
Am Ende muss es auch kein Star sein. Die Lakers benötigen einen soliden Center, der halbwegs mobil den Ring beschützen und gleichzeitig hart zum Brett rollen kann. Vielleicht fragen sie in Atlanta wegen Clint Capella an, vielleicht - und das ist deutlich wahrscheinlicher - verfolgen sie auch eine kreativere Idee.
Verlängern sollte LA mit Dorian Finney-Smith, der seine Player-Option für kommende Saison mit großer Wahrscheinlichkeit verstreichen lassen dürfte. Zu groß ist sein Wert für die Lakers, zu gut damit seine Verhandlungsposition. Für eine Verlängerung verfügbar sind außerdem Maxi Kleber und Austin Reaves. Wobei letzterer angesichts seiner guten Leistungen während der Saison wohl ohne neuen Vertrag in die neue Saison gehen, danach seine Spieleroption verstreichen lassen und einen neuen, besser dotierten Vertrag aushandeln dürfte.
Vielleicht verzichtet LeBron auch auf seine Player Option, um für weniger zu unterschreiben und den Spielraum zu vergrößern. Passieren dürfte in jedem Fall einiges. Die Lakers wollen sichergehen, dass nie wieder ein Szenario entsteht, in dem ihnen Gobert fast im Vorbeigehen 27 Punkte einschenken kann.
Max Marbeiter