vor 9 Stunden
Das Ende der Wirrungen und Irrungen
Nach 53 Jahren sind die New York Knicks wieder NBA Champion. Zwar waren die Spiele gegen die San Antonio Spurs eng, dennoch sind die Knicks unbestritten der verdiente Meister.

Es waren die engsten Finals seit 15 Jahren. Letztlich gewannen die Knicks die Serie zwar mit 4-1, die durchschnittliche Punktedifferenz betrug aber nur magere acht Zähler. Zweimal entschied ein einziger Punkt, beide Male schenkten die Spurs New York quasi den Sieg, weil sie irrationale (mancher würde sagen dumme) Entscheidungen trafen.
Die Knicks machten dies nicht. Sie waren die reifere, tiefere, flexiblere Mannschaft, die weniger Fehler machte und sich nicht aus dem Konzept bringen ließ. Innerhalb von zwei Jahren hat dieses Team fünf Playoff-Spiele gewonnen, in denen sie mit mindestens 20 Punkten hinten waren. In den Conference Finals und den Finals gelang dies sogar in zwei Partien - jeweils im vierten Viertel.
Es zeigt die Mentalität dieser Mannschaft, die all die Nebengeräusche und den Hype im Big Apple ausschalten konnten und sich auf das Wesentliche konzentrierten. Zumeist war es zwar stinklangweilig und mit Phrasen getränkt, was die Beteiligten von sich gaben („Es geht bei 0-0 los“ oder „Das nächste Spiel wird noch schwerer“), doch wie es schien, war dies tatsächlich das Mindset der Knicks.
Es war einfach spürbar, dass die Knicks in diesen Finals viel mehr Erfahrung hatten und diese voll ausspielten. Das ist eine Qualität, die die absoluten Spitzenteams auszeichnet, und genau das waren die Knicks in dieser Saison. Es war nicht nur das Scoring von Finals-MVP Jalen Brunson, jeder hatte seinen Anteil an dieser Meisterschaft.
Man kann die Spiele alle durchgehen, jeder der fünf Starter hatte seinen Moment, dazu leisteten auch Bankspieler wie Landry Shamet oder Jose Alvarado ihren Beitrag. Zwar ist Mike Brown erst ein Jahr Coach im Big Apple, doch der Kern kennt sich schon seit einigen Jahren und ist zusammengewachsen. Egos wurden hinten angestellt, der große Preis blieb immer im Blick.

Es ist ein Titel ohne jegliche Sternchen, ein Run mit nur drei Niederlagen, der mit einer Bilanz von 15-1 in den letzten 16 Spielen abgeschlossen wurde. Mit Ausnahme der Spurs-Serie wurden die Gegner aus Atlanta, Philadelphia und Cleveland nicht nur geschlagen, sondern auseinandergenommen.
San Antonio gewann während der Saison ebenfalls über 60 Siege, auch sie waren ein völlig verdienter Finalist, doch offensichtlich noch nicht bereit für die größtmögliche Bühne. Die Knicks waren es - nach so vielen Jahren voller Wirrungen und Irrungen sowie diverser Playoff-Enttäuschungen in den vergangenen Spielzeiten (Miami, 2x Indiana).
Es härtete diese Mannschaft ab, machte sie noch hungriger und es entwickelte sich ein Verständnis für das Wesentliche. Es wurden keine Schritte übersprungen, stattdessen Stück für Stück die Treppe nach oben gestiegen. Und nun, nun ist New York dort, wo man seit 53 Jahren nicht mehr war. An der Spitze der NBA.
Robert Arndt