vor 1 Stunden
DBB-Frauen erfüllen ihre Pflicht
Die deutsche Frauen-Basketball-Nationalmannschaft steht erstmals bei einer Weltmeisterschaft im Viertelfinale. Das ist historisch, nüchtern betrachtet wurde bisher aber nur die Pflicht erfüllt. Die echten Aufgaben kommen erst noch. Ein Kommentar.

Vorneweg: Es ist dieser Mannschaft zu gönnen und man kann sich durchaus mit ihr freuen. Nach einer holprigen Vorbereitung mit Verletzungen, drei Niederlagen und dem herben Dämpfer zum Auftakt gegen Spanien hat das deutsche Team rechtzeitig in die Spur gefunden und all die Schwarzmaler widerlegt, die schon Szenarien aufmalten, in denen Deutschland Probleme haben werde, die Vorrunde zu überstehen.
Vier Tage später steht das Viertelfinale mit drei deutlichen Siegen gegen Japan, Mali und Südkorea. Bei den Ambitionen der Mannschaft - der Kampf um die Medaillen war das auserkorene Ziel - war es aber auch die Pflicht, diese Mannschaften zu dominieren. Auch wenn es erst die zweite gesamtdeutsche WM-Teilnahme ist (beide Male ein Heim-Turnier), sind die Ansprüche der Mannschaft deutlich höher. Der einzige echte Test, das Spiel gegen Spanien, ging in die Binsen.
Die Entwicklung im deutschen Frauen-Basketball war bislang rasant, es ging stetig nach oben. Platz sechs bei der EM 2023, Olympia-Viertelfinale in Paris, dann Platz fünf bei der EM im Vorjahr ohne Leistungsträger wie die Sabally-Schwestern und nun das Viertelfinale - wieder ohne Satou Sabally, Deutschlands vermeintlich beste Spielerin. Das DBB-Team ist nahe an der Weltspitze, hat aber noch nicht bewiesen, dass sie die Großen auch wirklich ärgern können - mit einer Ausnahme.
Bei Olympia wurde jenes Belgien geschlagen, welches nun Deutschland erneut im Weg steht. Der Europameister ist ausgebufft, besitzt mit Emma Meesseman oder Julie Allemand exzellente Individualkönnerinnen, kommt aber langsam auch in die Jahre. Im Vorjahr war das DBB-Team chancenlos, wie sieht es jetzt aus?
Bei dieser WM ist klar ersichtlich, dass es die Top-Nationen und die Außenseiter gibt. Deutschland pendelt ein wenig dazwischen. Wie nah ist die Lange-Auswahl wirklich dran? Kann diese Truppe, von denen die meisten Spielerinnen in den kommenden Jahren ins beste Basketball-Alter kommen, schon mit den ganz großen Nationen mithalten?
Bei diesem Turnier sind wir noch nicht schlauer geworden. Der Frauen-Basketball wird derzeit von den USA, Frankreich, Australien, Belgien und Spanien dominiert, noch ist Deutschland etwas in der Warteschleife. Es bleibt die Frage, wie lange. Mit Heimvorteil und einer nicht unbedeutenden Euphorie rund um die Mannschaft stehen die Chancen so gut wie nie, diesen Bock mal umzustoßen.
Robert Arndt