12.03.2026
Ist der NBA-Rekord zu brechen?
Bam Adebayo erzielte in der Nacht auf Mittwoch mit 83 Punkten die zweitmeisten Punkte in einem Spiel in der Geschichte der NBA. Wie dies zustande kam, sorgte für Kontroversen. Es bleibt die Frage: Sehen wir bald, dass der ewige Rekord von 100 Punkten geknackt wird?

Es gibt sie in quasi jeder Sportart, Rekorde, die scheinbar unerreichbar sind. Der Weltrekord über 800 Meter der Frauen (Jarmila Kratchovilova) ist so einer, in der NBA gelten die durchschnittlich 50,2 Punkte von Wilt Chamberlain in einer Saison oder die über 15.000 Assists von John Stockton als Meilensteine für die Ewigkeit.
Auch die 100-Punkte-Marke von jenem Chamberlain gilt als ein solcher, doch die vergangenen Jahre haben daran Zweifel aufkommen lassen. Noch immer haben erst zwei weitere Spieler zumindest 80 Zähler erzielt (Kobe Bryant und eben Adebayo), doch die Parameter haben sich etwas geändert.
Die NBA ist schneller geworden, es gibt mehr Punkte zu erzielen. Ein weiterer Faktor ist der immer wichtiger werdende Dreipunktewurf, den es zur Zeit von Chamberlain noch nicht gab. Hinzu kommen mögliche Begleitumstände, wie im Spiel gegen Miami und Washington gesehen. Die Wizards hatten nur einen echten Center zur Verfügung, entsprechend hatte Adebayo leichtes Spiel, auch wenn dieser nun wirklich nicht als Scoring-Maschine bekannt ist.
Dabei purzelten einige Rekorde. Adebayo nahm (43) und traf (36) die meisten Freiwürfe in der NBA-Historie, hinzu kamen einige Bestmarken für die Heat-Franchise. Kritik gab es dennoch, was gewissermaßen verständlich ist. Vor allem die letzten Minuten der Partie hatten nicht mehr viel mit Basketball zu tun, vor allem die absichtlichen Fouls der Heat gaben dem Ganzen einen faden Beigeschmack, Experten in den USA vergaben für die Statline ein Sternchen.
"Ethical Hoops" entwickelte sich in den vergangenen Jahren zu einem Trend-Wort, grob übersetzt ehrlicher Basketball. Über die meiste Zeit war es das, respektlos nicht. Im Basketball geht es darum, den Gegner zu stoppen und wenn der Gegner das nicht kann, dann ist das eben so.
Hätte Adebayo auch nach drei Vierteln pausieren können? Na klar, aber es ist gleichzeitig in der Verantwortung des Coaches, das Risiko abzuwägen, ob es sinnvoll ist, seinen Star weiter auf dem Feld zu lassen. Heat-Coach Erik Spoelstra tat es - und das ist auch in Ordnung. Und ob Adebayo nun 65 oder 83 Punkte erzielte, schmälert seine Gala nicht.

Und sind wir ehrlich: Die meisten solcher Scoring-Explosionen waren keine "Ethical Hoops". Hier mal im Schnelldurchlauf:
· Wilt Chamberlain (100 Punkte im Jahr 1962): Es gibt zu dieser Partie keine Bewegtbilder, aber Beteiligte sprachen von "einer Farce", weil auch hier fleißig absichtlich gefoult wurde.
· Kobe Bryant (81 Punkte im Jahr 2006): Hier verhält es sich etwas anders. Kobe hatte nach drei Vierteln 53 Punkte und es war ein enges Spiel (91:85). Erst in den Schlussminuten wurde der Score hochgetrieben, dennoch war dies alles ziemlich organisch und umso beeindruckender.
· 3x Wilt Chamberlain (78, 73 und 73 Punkte): Wilt spielte fast immer durch, so auch in diesen Partien. Die beiden 73-Punkte-Spiele waren Blowouts, aber bei seinen 78 Zählern verloren die Philadelphia Warriors sogar - nach dreifacher Verlängerung. 62 Würfe (und 31 Freiwürfe) in 63 Minuten sind ein Brett, Wilt spielte gerade mal einen Assist …
· David Thompson (73 Punkte im Jahr 1978): Der letzte Spieltag treibt oft seltsame Blüten. Thompson wollte noch die Scoring-Krone und seine Mitspieler taten alles, damit er sie bekommt. Der "Skywalker" verwandelte 28/38 Würfe und war einfach heiß.
· Luka Doncic (73 Punkte im Jahr 2024): Womöglich das "ehrlichste" 70-Punkte-Spiel. Der Slowene nahm nur 33 Würfe und 16 Freebies, aber traf an diesem Abend in Atlanta quasi alles. Das Spiel war eng und Doncic brachte es mit unfassbarem Shotmaking nach Hause.
Doncic liefert hier ein wenig die Blaupause, wie es ohne Sperenzchen funktionieren kann. Es braucht einerseits einen recht hilflosen Gegner, der einfach nicht verteidigen kann, gleichzeitig auf der Gegenseite selbst ordentlich scort.
Dazu sollte der Spieler ein starker Schütze sein und jederzeit für sich selbst kreieren können. Wenn er dann heiß läuft, scheinen auch 100 Punkte möglich, wenn ein Adebayo 83 schafft. Vor allem in den Monaten März und April, wenn die Saison etwas austrudelt, sind solche Scoring-Explosionen möglich.
So könnte es gelingen: Wir gehen mal von 13 verwandelten Dreiern aus, der Rekord liegt bei 14, den noch immer Klay Thompson hält. Das sind schon einmal 39 Punkte. Dazu addieren wir 25 verwandelte Freiwürfe, was ebenfalls nicht unrealistisch ist. Das wären dann schon einmal 64 Zähler. Danach bräuchte es noch mindestens 18 Zweier, was sehr viel ist. So könnte also eine mögliche Statline aussehen:
100 Punkte: 31/40 FG, 13/18 Dreier, 25/26 FT
Das wären grob gerechnet 50 Angriffe (wir geben der Person X drei And-1s). Im Spiel zwischen den Heat und Wizards gab es davon zum Beispiel 119, was ein extrem hoher Wert ist. Dennoch kann es funktionieren, wenn die Sterne mal richtig stehen - zum Beispiel auch mit einem Spiel, was in die Verlängerung geht (man denke an die 71 Punkte von Donovan Mitchell im Jahr 2024).
Und nun zur eigentlichen Aufgabe der Übung. Wem trauen wir das zu? Da wäre natürlich Doncic zu nennen, der schon angedeutet hat, dass er das kann. Unser zweiter Pick ist Anthony Edwards von den Minnesota Timberwolves, der mit der Mischung aus explosiven Drives und der Fähigkeit, von draußen sehr heiß zu laufen, ebenfalls prädestiniert für ein solches Spiel ist.
Und dann wäre da noch Victor Wembanyama. Der Franzose hat schon einmal 50 Punkte erzielt und sein Bestwert aus der Distanz liegt bei acht Dreiern. Durch seine Größe kann Wemby auch mal zehn Dunks in einem Spiel haben und Feuer von draußen fangen. Dafür müsste der 22-Jährige aber auch länger auf dem Feld stehen, bisher dosierten die Spurs seine Minuten deutlich. Die Anlagen für pure Dominanz hat aber auch er - und sicherlich auch den Ehrgeiz.
Robert Arndt